KI-MIG und Work and Stay Agency zwingen HR zur Digitalisierung
17.02.2026 - 15:52:12 | boerse-global.deDie Personalarbeit in Deutschland steht vor einem regulatorischen Wendepunkt. Zwei neue Gesetze und eine digitale Behörde verpflichten Unternehmen ab sofort zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz – nicht für mehr Effizienz, sondern für gesetzeskonforme Prozesse.
Neues KI-Gesetz unterstellt HR-Tools strenger Aufsicht
Seit der Kabinettsbilligung des KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetzes (KI-MIG) am vergangenen Mittwoch herrscht in Personalabteilungen Alarmbereitschaft. Das Gesetz setzt die EU-KI-Verordnung national um und ernennt die Bundesnetzagentur zur zentralen Aufsichtsbehörde. Ab sofort unterliegen alle als „hochriskant“ eingestuften KI-Systeme in den Bereichen Recruiting, Leistungsbewertung oder Emotionserkennung dieser strengen Kontrolle.
Unternehmen müssen nun interne KI-Governance-Strukturen aufbauen. Dazu gehören umfangreiche Dokumentationspflichten zur Datenqualität, Transparenz gegenüber Mitarbeitern und klare menschliche Aufsichtsprozesse. „Die Zeit der experimentellen KI-Nutzung in der Personalarbeit ist vorbei“, kommentiert ein Rechtsgutachten des IITR Datenschutz vom Montag. Wer gegen die bereits 2025 in Kraft getretenen Verbote bestimmter Überwachungspraktiken verstößt, muss mit der vollen Härte des neuen Gesetzes rechnen.
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Digitale Behörde erzwingt technologischen Nachrüstbedarf
Parallel zum KI-Gesetz vollzieht sich eine stille Revolution in der Fachkräfteeinwanderung. Die neu operierende Work and Stay Agency (WSA) agiert als vollständig digitale „Master-Behörde“. Ihr Ziel: die Bearbeitung von Visaanträgen für die angestrebten 400.000 Fachkräfte pro Jahr massiv zu beschleunigen.
Kern der WSA ist das „Once-Only“-Prinzip. Bewerber laden ihre Dokumente nur einmal hoch, alle beteiligten Behörden – von der Ausländerbehörde bis zur Bundesagentur für Arbeit – greifen darauf zu. Die WSA selbst nutzt KI-gestützte Dokumentenprüfung, um Anträge in Rekordzeit zu bearbeiten.
Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen nachziehen. Manuelles Nachfassen bei Behörden, das die Einstellung internationaler Talente bisher um Monate verzögerte, funktioniert nicht mehr. HR-Abteilungen sind gezwungen, eigene KI-gestützte Compliance-Tools einzusetzen. Diese automatisieren den Status-Check von Anträgen und stellen sicher, dass Unternehmensangaben den Datenvorgaben der WSA entsprechen.
Höhere Gehaltsgrenzen und Strafen treiben Automatisierung
Die Dringlichkeit wird durch verschärfte finanziellen Vorgaben erhöht. Seit dem 1. Januar 2026 gelten neue Gehaltsgrenzen für die EU-Blue Card. Das Standardjahresgehalt liegt nun bei 50.700 Euro, für Mangelberufe wie IT und MINT-Fächer bei 45.934,20 Euro.
Manuelles Tracking dieser Schwellen in großen, internationalen Belegschaften ist kaum noch möglich. Automatisierte Systeme müssen Gehaltspakete markieren, die unter diesen Limits liegen, noch bevor ein Angebot unterbreitet wird.
Eine weitere, strenge Pflicht kommt hinzu: Unternehmen müssen internationale Mitarbeiter bis zu ihrem ersten Arbeitstag über ihr Recht auf kostenlose Arbeits- und Sozialberatung informieren. Die Nichtdokumentation dieser Benachrichtigung kann Bußgelder von bis zu 30.000 Euro nach sich ziehen. HR-Tech-Anbieter reagieren mit KI-gesteuerten Onboarding-Modulen, die diese Pflichtmitteilungen automatisch generieren, versenden und revisionssicher archivieren.
Ausblick: Vom KI-Hype zur regulatorischen Realität
Die Reaktion der Wirtschaft fällt pragmatisch aus. Der Digitalverband Bitkom begrüßt das „schlanke Aufsichtsmodell“ des KI-MIG, warnt aber vor bürokratischer Überlastung. Klar ist: Mit der Bundesnetzagentur bekommen HR-Tech-Anbieter und Unternehmen es mit einem schlagkräftigen, zentralen Aufseher zu tun.
Die Integration der WSA-Infrastruktur in Unternehmenssysteme wird sich 2026 weiter vertiefen. Analysten erwarten, dass API-basierte Antragstellungen bis Jahresende zum Standard für große Arbeitgeber werden. Papierbasierte Visaanträge gehören dann der Vergangenheit an.
Für Personalverantwortliche stehen zwei Prioritäten im Fokus: die Überprüfung bestehender KI-Tools auf KI-MIG-Konformität und die Anbindung ihrer Recruiting-Plattformen an das digitale Ökosystem der WSA. Die Diskussion um generative KI weicht einer neuen Realität – der harten Notwendigkeit regulatorischer Compliance und Prozessautomatisierung.
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