Amt, Digitalisierung

KI im Amt: Digitalisierung zwischen Hype und Hindernissen

08.03.2026 - 04:18:50 | boerse-global.de

KI-Tools sind im öffentlichen Dienst weit verbreitet, doch Experten fordern tiefgreifende Reformen der veralteten IT-Infrastruktur, um echte Effizienzgewinne zu erzielen.

KI im Amt: Digitalisierung zwischen Hype und Hindernissen - Foto: über boerse-global.de
KI im Amt: Digitalisierung zwischen Hype und Hindernissen - Foto: über boerse-global.de

Deutschlands Behörden setzen massiv auf Künstliche Intelligenz – doch Experten warnen vor einem reinen Digital-Fassadenbau auf maroden Strukturen. Neue Daten zeigen einen rasanten KI-Einsatz, während Grundprobleme fortbestehen.

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KI wird Alltag für Beamte

Generative Künstliche Intelligenz ist in deutschen Ämtern angekommen. Laut der Studie „ThemenRadar 2026“ des Fraunhofer FOKUS-Instituts nutzt nur noch jeder fweite Beschäftigte im öffentlichen Dienst keine KI-Tools für seine tägliche Arbeit. Für 44 Prozent stellt die Behörde die Anwendungen sogar offiziell bereit.

Die Einführung verlief erstaunlich reibungslos. Statt Zwang setzten die Verwaltungen auf Richtlinien, freiwillige Schulungen und Ermutigung. Die Beamten schätzen vor allem die höhere Geschwindigkeit bei der Bearbeitung und neue Inspiration für komplexe Aufgaben.

Warnung vor der „digitalen Fassade“

Doch während die Frontend-Anwendungen glänzen, mahnen Experten zur Vorsicht. Das Innovationsnetzwerk NExT und der DigitalService des Bundes warnten in einem gemeinsamen Papier davor, KI nur als oberflächliches Pflaster für veraltete IT-Systeme zu missbrauchen.

„Nachhaltige Modernisierung der Verwaltung“ lautet der Titel des Reports. Die Autoren fordern tiefgreifende Strukturreformen: einen kompletten Austausch der Alt-IT, standardisierte Abläufe und strikt nutzerzentrierte Anwendungen. Echte Effizienzgewinne entstünden nur durch eine Sanierung des administrativen „Backends“, nicht durch Politur der Oberfläche.

Diese Forderung unterstützt auch die Gewerkschaft dbb. Ihre stellvertretende Vorsitzende, Milanie Kreutz, betonte auf dem Kongress „Digitaler Staat 2026“, dass die Digitalisierung der zentrale Hebel für ein neues Verwaltungsmodell sei. Die Mitarbeiter müssten aktiv einbezogen werden – in einer positiven Fehlerkultur und mit individueller Weiterbildung.

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Länder bündeln IT-Kompetenzen

Die Bundesländer reagieren auf den Reformdruck mit neuen Führungsstrukturen. Niedersachsen etwa ernannte am 5. März Dr. Alexander Georgiadis zum neuen Chief Information Officer (CIO). Er leitet die neu geschaffene Abteilung 4 für Digitalisierung, IT-Steuerung, Sicherheit und Infrastruktur im Innenministerium.

Ziel ist die Bündelung aller Digitalisierungsaufgaben des Landes in einer ressortübergreifenden Stelle. Damit sollen Prozesse gestrafft und digitale Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen ausgebaut werden. Ein klares IT-Budget und eine praxisnahe Strategie sollen die oft zersplitterten Zuständigkeiten überwinden, die Deutschlands Digitalfortschritt historisch ausgebremst haben.

OZG-Desaster trotz KI-Boom

Der KI-Enthusiasmus steht in krassem Gegensatz zu den anhaltenden Problemen bei Basisdienstleistungen. Das Onlinezugangsgesetz (OZG), das die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen vorschreibt, offenbart weiter große Lücken.

Von den 575 geforderten Services sind derzeit nur 349 überhaupt digital verfügbar. Noch gravierender: Nur 165 davon sind bundesweit einheitlich abrufbar. Bürger und Unternehmen kämpfen mit einem Flickenteppich aus Plattformen und unterschiedlichem Digitalisierungsgrad in Kommunen und Ländern.

Die revidierte Fassung OZG 2.0 von 2024 ersetzte starre Fristen durch kontinuierliche Entwicklung und führte das „Once-Only“-Prinzip ein. Die Umsetzung lahmt jedoch. Die Diskrepanz ist absurd: Während der Beamte per KI Texte entwirft, muss der Bürger für eine Gewerbeanmeldung oft noch analog antreten.

Ausblick: Souveränität und Wallet

Die Verwaltung steht vor der Zwickmühle, Hightech zu fördern und IT-Defizite zu beheben. Künftig dürften digitale Souveränität und Open-Source-Lösungen an Bedeutung gewinnen, um Abhängigkeiten von ausländischen Anbietern zu reduzieren.

Ein Meilenstein wird die für 2027 geplante Europäische Digitale Identitäts-Wallet (EUDI-Wallet) sein. Sie soll Ausweisdokumente sicher speichern und die Interaktion mit dem Staat grundlegend verändern. Für dieses und andere Großprojekte müssen Bund und Länder die Expertenwarnungen ernst nehmen. Der Erfolg hängt nicht von neuer Software ab, sondern vom Willen, Bürokratie-Silos abzubauen, Backends zu modernisieren und die Beschäftigten zu befähigen.

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