KI-Gipfel in Delhi: Welt fordert Regeln – doch Einigung scheitert
21.02.2026 - 01:10:11 | boerse-global.deDer erste globale KI-Gipfel im Globalen Süden endet mit dringenden Regulierungsaufrufen, während geopolitische Gräben eine einheitliche Lösung blockieren. Die USA lehnen globale Governance strikt ab.
Neu-Delhi – Fünf Tage lang rang die internationale Gemeinschaft in Indiens Hauptstadt um den richtigen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Das Ergebnis des wegweisenden AI Impact Summit ist zwiespältig: Einerseits herrscht Einigkeit über die Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen. Andererseits verhindern fundamentale geopolitischen Differenzen einen gemeinsamen Fahrplan. Während eine „Delhi-Deklaration“ mit Grundsätzen erwartet wird, zeichnet sich eine fragmentierte Regulierungslandschaft ab.
Altman warnt, Modi präsentiert „MANAV-Vision“
Die Dringlichkeit wurde von niemandem deutlicher formuliert als von Sam Altman, CEO von OpenAI. Der Schöpfer von ChatGPT forderte „dringend“ Regulierung für den Sektor. Sein Kernargument: Die Technologie dürfe nicht in der Hand eines einzigen Unternehmens oder Landes zentralisiert werden. Diese Warnung vor monopolistischer Kontrolle traf auf breite Zustimmung.
Indiens Premierminister Narendra Modi nutzte die Bühne als Gastgeber, um mit der „MANAV-Vision“ einen eigenen Governance-Ansatz vorzustellen. Das Akronym steht für einen menschenzentrierten Rahmen, der ethische Systeme, rechenschaftspflichtige Governance, nationale Datensouveränität und inklusive KI betont. „KI muss ein Werkzeug der Ermächtigung sein, besonders für die Entwicklungsländer“, so Modis Credo.
UN-Generalsekretär António Guterres forderte weniger Hype und mehr Fakten. Er stellte das neu ernannte UN-Wissenschaftsgremium für KI vor, das evidenzbasierte Politik ermöglichen soll. Konkret schlug er einen globalen Fonds von drei Milliarden Euro vor, um Entwicklungsländern den Aufbau von KI-Kompetenzen und den Zugang zu Rechenleistung zu ermöglichen.
USA blockieren globale Governance – Pakt mit Indien
Doch hinter den gemeinsamen Appellen klafft eine tiefe Kluft. Die USA positionierten sich klar gegen ein einheitliches globales Regulierungsmodell. Ein Vertreter des Weißen Hauses erklärte, man lehne „globale KI-Governance vollständig ab“. Stattdessen setzt Washington auf nationale Politiken und freiwillige Verpflichtungen, die Innovation fördern.
Diese Haltung wurde in einer bilateralen Gemeinsamen Erklärung mit Indien zementiert. Beide Länder verpflichteten sich zu einem „globalen KI-Ansatz, der unverhohlen unternehmerfreundlich und innovationsorientiert ist“. Die bemerkenswerte Abwesenheit Chinas vom Gipfel unterstreicht die geopolitischen Spannungen zusätzlich. Experten warnen vor einer Zersplitterung in verschiedene regulatorische Blöcke mit inkompatiblen Standards.
Wissenschaftlicher Bericht schürt Sicherheitsbedenken
Die Diskussionen wurden durch den zweiten Internationalen KI-Sicherheitsbericht befeuert, der im Februar veröffentlicht wurde. Der Report von über 100 Experten aus 30 Ländern zeichnet ein nüchternes Bild der Risiken.
Demnach mehren sich die Belege für den Einsatz von KI in realen Cyberangriffen. Besorgniserregend sind auch die verbesserten wissenschaftlichen Fähigkeiten fortgeschrittener KI, die Missbrauch bei der Entwicklung biologischer Waffen ermöglichen könnten. Der Bericht kritisiert zudem die unzureichenden Sicherheitstests vor der Markteinführung von Modellen und die lückenhafte Umsetzung von Sicherheitsgovernance in der Industrie.
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Ausblick: Dialog geht weiter – Ergebnisse offen
Mit dem Abschluss des Gipfels rückt die angekündigte „Delhi-Deklaration“ in den Fokus. Sie wird zwar rechtlich unverbindlich bleiben, könnte aber politischen Willen signalisieren. Für Indien war der Summit auch ein wirtschaftlicher Erfolg: Das Land erwartet in den kommenden Jahren KI-Investitionen von über 200 Milliarden Euro.
Der internationale Dialog wird fortgesetzt. Das UN-Wissenschaftsgremium soll seinen ersten Bericht vor einem globalen Dialog im Juli vorlegen. Die Schweiz kündigte an, den nächsten Welt-KI-Gipfel 2027 in Genf auszurichten. Die große Frage bleibt, ob aus dem anhaltenden Gespräch konkrete Maßnahmen werden, die Innovation und Sicherheit in Einklang bringen. Der Gipfel in Delhi hat die Dringlichkeit verdeutlicht – die Einigung aber auf unbestimmte Zeit vertagt.
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