KI-Gigafabriken, Transparenzregeln

KI-Gigafabriken und Transparenzregeln: EU treibt KI-Gesetz voran

17.01.2026 - 07:51:12

Die EU setzt ihr bahnbrechendes KI-Gesetz mit Hochdruck um. Während die Politik mit milliardenschweren Rechenzentren die technologische Souveränität stärken will, stehen Unternehmen vor der Mammutaufgabe, ihre KI-Systeme bis August 2026 konform zu machen.

Europa baut seine eigene Rechenpower für Künstliche Intelligenz aus. Der Rat der Europäischen Union hat am 16. Januar grünes Licht für den Aufbau sogenannter KI-Gigafabriken in den Mitgliedsstaaten gegeben. Diese Großanlagen sollen die immense Rechenleistung für das Training modernster KI-Modelle bereitstellen – eine strategische Antwort auf die Dominanz amerikanischer und chinesischer Tech-Konzerne.

Die neu eingerichtete EU-KI-Behörde wird die Projekte koordinieren und überwachen. Sie soll im dritten Quartal 2026 die ersten Genehmigungen erteilen. Die Fabriken müssen unter die bereits seit August 2025 geltenden Regeln für Allgemeine KI-Systeme (GPAI) fallen. Das bedeutet: Betreiber müssen lückenlose Prüfprotokolle für ihre Modelle einrichten und strikte Urheberrechtsvorgaben einhalten. Bestehende Rechenzentren werden für die KI-Last nachgerüstet.

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Transparenz-Code: Kampf gegen Deepfakes nimmt Form an

Parallel zum Infrastrukturausbau feilt die KI-Behörde an scharfen Transparenzregeln. Spezialisierte Arbeitsgruppen haben diese Woche einen Verhaltenskodex zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte vorangetrieben. Ziel ist es, Nutzer vor Täuschung durch Deepfakes oder manipulierte Texte zu schützen – eine Vorgabe aus Artikel 50 des KI-Gesetzes.

In Workshops am 21. und 22. Januar geht es nun um die technischen Details: Welche Wasserzeichen und Erkennungsstandards setzen sich durch? Ein zweiter Entwurf des Kodex soll im März vorliegen, die endgültige Fassung wird zwischen Mai und Juni erwartet. Anbieter hätten dann etwa zwei Monate Zeit, die Standards umzusetzen, bevor sie verbindlich werden.

Countdown für die Wirtschaft: Der „Compliance-Abgrund“ naht

Für Tausende Unternehmen in der EU tickt die Uhr unerbittlich. Am 2. August 2026 treten die meisten Vorschriften für Hochrisiko-KI-Systeme in Kraft. Betroffen sind KI-Anwendungen in kritischen Bereichen wie Personalwesen, Bildung, lebenswichtigen privaten Dienstleistungen und Strafverfolgung.

Die Branche befindet sich bereits im „Crunch-Modus“. Wer noch kein Systeminventar und keine Risikoklassifizierung abgeschlossen hat, gerät unter enormen Druck. Die Compliance erfordert komplexe Qualitätsmanagementsysteme, Daten-Governance-Protokolle und Folgenabschätzungen für Grundrechte. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) betonte kürzlich, dass Finanzinstitute die neuen KI-Vorgaben mit bestehenden Regularien harmonisieren müssen, um Doppelbelastungen zu vermeiden.

Nachjustieren am Gesetz: Der „Digital Omnibus“ kommt

Auch der Gesetzgeber bleibt in Bewegung. Die Mitgliedsstaaten koordinieren laut Berichten vom 12. Januar Positionen für mögliche Nachbesserungen am KI-Gesetz. Bis April 2026 sollen Vorschläge vorliegen, die Definitionen für Hochrisiko-Systeme präzisieren und Vollzugsengpässe beseitigen.

Zudem hat die EU-Kommission das „Digital Omnibus“-Paket vorgeschlagen. Es könnte die Anwendung bestimmter Hochrisiko-Regeln an die Verfügbarkeit harmonisierter technischer Standards koppeln. Das würde die Übergangsfrist für einige produktintegrierte KI-Systeme verlängern. Für eigenständige Hochrisiko-Anwendungen bleibt der Stichtag 2. August 2026 jedoch in Stein gemeißelt.

Die wichtigsten Termine im Überblick

Datum Meilenstein Status
21.-22. Jan. 2026 Workshops zum Transparenz-Kodex Bevorstehend
März 2026 Zweiter Entwurf des Transparenz-Kodex Geplant
April 2026 Einigung zu KI-Gesetz-Anpassungen Ziel
Mai-Juni 2026 Finaler Transparenz-Kodex Erwartet
2. Aug. 2026 Vollanwendung für Hochrisiko-KI Gesetzliche Frist
3. Quartal 2026 Erste Genehmigungen für KI-Gigafabriken Geplant

Mit den Verboten für unannehmbare Risiko-KI (seit Februar 2025) und den GPAI-Regeln (seit August 2025) im Rücken konzentrieren sich die Aufseher nun voll auf die Governance hochriskanter Systeme. Für die europäische Wirtschaft beginnen die entscheidenden sechs Monate bis zum Eintritt in das neue KI-Zeitalter.

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