KI-gesteuerte, Phishing-Angriffe

KI-gesteuerte Phishing-Angriffe gefährden ganze Lieferketten

12.02.2026 - 18:30:12

Künstliche Intelligenz revolutioniert Cyberangriffe: Aus simplen Betrugsversuchen werden komplexe, mehrstufige Angriffe auf ganze Lieferketten, die traditionelle Sicherheitsmaßnahmen umgehen.

KI macht Phishing zur strategischen Waffe für Angreifer, die ganze Software-Ökosysteme kompromittieren. Das zeigt der aktuelle „High-Tech Crime Trends Report 2026“ von Group-IB. Die Studie beschreibt einen Paradigmenwechsel: Aus simplen Betrugsversuchen sind komplexe, mehrstufige Angriffe geworden, die Hunderte Unternehmen gleichzeitig treffen können. Künstliche Intelligenz ermöglicht dabei täuschend echte Köder, die selbst Multi-Faktor-Authentifizierung aushebeln.

KI beseitigt die letzten Fehler – und Warnzeichen

Die neue Generation von Phishing-Attacken nutzt KI, um hochgradig personalisierte und kontextsensitive Nachrichten zu generieren. Diese zielen gezielt auf vertrauenswürdige digitale Integrationen wie OAuth-Workflows ab. Das Ziel: autorisierte Zugriffstoken zu erlangen. Damit umgehen Angreifer nicht nur gängige Sicherheitsbarrieren, sondern nisten sich dauerhaft in der SaaS-Umgebung eines Unternehmens ein.

Für traditionelle Sicherheitssysteme und Mitarbeiterschulungen ist das eine enorme Herausforderung. Bislang halfen sprachliche Fehler oder ungewöhnliche Anfragen, Betrugsversuche zu erkennen. KI-generierte Inhalte eliminieren diese typischen Warnsignale. Böswillige E-Mails sind von legitimer Kommunikation kaum noch zu unterscheiden. Diese industrielle Automatisierung macht Phishing zu einem lukrativen Geschäftsmodell mit geringen Kosten und großer Reichweite.

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Alte Schwachstellen, moderne Angriffstechniken

Die strategische Verschiebung ist bereits in aktuellen Bedrohungen sichtbar. Sicherheitsforscher von Fortinet dokumentierten diese Woche eine neue Phishing-Kampagne, die den XWorm Remote Access Trojan (RAT) verbreitet. Bemerkenswert ist die Kombination: Die Angreifer nutzen eine Jahre alte Microsoft Office-Schwachstelle (CVE-2018-0802) und kombinieren sie mit modernen, dateilosen Ausführungstechniken, um die Entdeckung zu vermeiden.

Der anhaltende Erfolg alter, bekannter Sicherheitslücken offenbart Lücken in den Patch-Zyklen der Unternehmen. Diese Problematik unterstrich die US-Cybersicherheitsbehörde CISA am Dienstag, als sie sechs neu entdeckte Microsoft Zero-Day-Lücken in ihren Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen aufnahm. Mehrere dieser Lücken ermöglichen es Angreifern, Sicherheitsfunktionen in Microsoft Office und Windows zu umgehen – häufige Einfallstore für Phishing-Angriffe.

Vom Postfach in die gesamte Lieferkette

Der zentrale Befund des Reports: Phishing ist zunehmend nur der erste Schritt in einer viel größeren Angriffskette. Sobald der Initialzugriff über ein kompromittiertes E-Mail-Konto gelingt, nutzen Angreifer das inhärente Vertrauen in moderne Geschäftsökosysteme aus. Sie zielen auf verbundene SaaS-Plattformen, Open-Source-Bibliotheken und Managed Service Provider ab, um sich lateral zu bewegen und Kunden sowie Partner zu kompromittieren.

Diese Taktik verändert die Risikokalkulation für Unternehmen grundlegend. Ein einziger erfolgreicher Phishing-Angriff auf einen Mitarbeiter eines Software-Anbieters kann kaskadierende Folgen haben. Phishing, Identitätsdiebstahl, Ransomware und Datenerpressung sind laut Report keine separaten Bedrohungen mehr, sondern miteinander verknüpfte Stadien eines einzigen, ausgeklügelten Lieferkettenangriffs. Aus einem lokalen IT-Vorfall wird so ein systemisches Risiko mit disruptivem Potenzial für ganze Branchen.

Vertrauen wird zur neuen Angriffsfläche

Die Konvergenz aus KI-gestütztem Social Engineering, der Ausnutzung des gesamten Schwachstellen-Lebenszyklus und dem Fokus auf Lieferketten markiert einen Paradigmenwechsel. Vertrauen selbst ist zur primären Angriffsfläche geworden. Die Wirksamkeit dieser neuen Taktiken legt nahe, dass traditionelle Abwehrmaßnahmen – inklusive vieler E-Mail-Filter und basaler Sicherheitstrainings – nicht mehr ausreichen.

Die Branche reagiert mit strengeren technischen Standards. Große Mail-Anbieter wie Google, Microsoft und Yahoo setzen 2026 verstärkt auf strikte Authentifizierungsprotokolle wie SPF, DKIM und DMARC für Massenversender. Diese sind entscheidend, um die Absenderidentität zu verifizieren und Domain-Spoofing zu verhindern. Sie stoppen jedoch keine Angriffe von legitimen, aber kompromittierten Konten. Diese Realität erzwingt einen Wechsel zu einer Zero-Trust-Mentalität, bei der Kommunikation kontinuierlich verifiziert und anomales Verhalten schnell erkannt wird.

Ausblick: So müssen sich Unternehmen wappnen

Unternehmen müssen ihre Sicherheitsstrategie an die Realität KI-gesteuerter, ökosystemfokussierter Angriffe anpassen. Sicherheitsverantwortliche sollten robustes Identitäts- und Zugriffsmanagement priorisieren, besonders für Drittanbieter-Apps und Cloud-Dienste. Die Fähigkeit, kompromittierte Zugriffstoken zu erkennen und zu widerrufen, wird genauso wichtig wie das Blockieren bösartiger E-Mails.

Die agile und umfassende Verwaltung von Sicherheitsupdates ist angesichts der ständig neu entdeckten Schwachstellen unverzichtbar. Zudem werden Investitionen in Sicherheitsplattformen nötig, die selbst KI nutzen, um KI-gestützte Angriffe abzuwehren. Diese modernen Systeme analysieren Kontext und Absicht einer Kommunikation, anstatt sich auf bekannte Signaturen zu verlassen. Die Widerstandsfähigkeit in dieser neuen Ära erfordert eine mehrschichtige Strategie: fundamentale Authentifizierung, fortschrittliche Bedrohungserkennung und die klare Erkenntnis, dass das Postfach die Frontlinie im Kampf um digitales Vertrauen ist.

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