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KI am Arbeitsplatz: Deutsche Firmen müssen Gefährdungsbeurteilungen dringend anpassen

02.02.2026 - 07:01:12

Deutsche Unternehmen müssen ihre Gefährdungsbeurteilungen um KI-Risiken erweitern. Ein neuer BAuA-Leitfaden und der bevorstehende EU AI Act schaffen regulatorischen Handlungsdruck.

Die rasante Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) zwingt deutsche Unternehmen zum Handeln. Sie müssen ihre gesetzlichen Gefährdungsbeurteilungen überarbeiten, um psychische und physische Risiken für Mitarbeiter zu erfassen. Diese Dringlichkeit unterstreicht eine neue Publikation der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Der Druck wächst auch durch den EU AI Act, dessen zentrale Vorschriften ab August 2026 gelten.

KI durchdringt längst den Arbeitsalltag. Algorithmen verteilen Aufgaben in der Logistik, analysieren Bewerbungen oder unterstützen Ärzte bei Diagnosen. Doch wo Effizienzgewinne locken, wachsen neue Belastungen. Experten warnen vor digitalem Stress, Überwachungsdruck und der Entwertung menschlicher Fähigkeiten. Die Anpassung der Gefährdungsbeurteilung ist daher kein bürokratischer Akt, sondern eine Überlebensfrage für zukunftsfähige Unternehmen.

BAuA-Leitfaden setzt auf den Menschen im Mittelpunkt

Ende Januar hat die BAuA mit „EURAID“ einen wegweisenden Leitfaden veröffentlicht. Sein Fokus: die menschenzentrierte Gestaltung von KI-Systemen. Zwar adressiert das Papier primär KI in Krankenhäusern, die Prinzipien gelten branchenübergreifend. Entscheidend ist die frühe Einbindung aller Beteiligten – von den Endnutzern bis zum Management. Nur so unterstützt KI die Arbeit, statt zusätzlichen Stress zu verursachen. Der Leitfaden skizziert einen Sechs-Stufen-Prozess von der Zieldefinition bis zur langfristigen Leistungsüberwachung.

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Die unsichtbare Gefahr: Psychische Belastung durch Algorithmen

Ein zentraler neuer Risikofaktor ist die psychische Belastung. Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet zwar schon länger zur Erfassung, doch KI schafft neue Dimensionen der Gefährdung. Dazu zählen:
* Überwachungsangst durch intransparente Algorithmen, die zu Machtlosigkeit führen.
* Dequalifizierung, wenn menschliche Fähigkeiten verkümmern.
* Soziale Isolation, wenn der Austausch mit Kollegen durch System-Interaktion ersetzt wird.

Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz nehmen seit Jahren zu. Experten befürchten eine weitere Verschärfung durch KI. Unternehmen müssen in ihren Beurteilungen proaktiv Gegenmaßnahmen entwickeln.

EU AI Act: Regulatorischer Druck erreicht neuen Höhepunkt

Die Notwendigkeit zum Handeln wird durch europäisches Recht untermauert. Der EU AI Act, das weltweit erste umfassende KI-Gesetz, wird ab August 2026 größtenteils anwendbar. Er folgt einem risikobasierten Ansatz. Viele Systeme im Personalmanagement – für Einstellung, Beförderung oder Aufgabenverteilung – gelten als Hochrisiko-Anwendungen. Für sie gelten strenge Pflichten: robuste Risikobewertung, hohe Datenqualität und menschliche Aufsicht. Verstöße können mit hohen Bußgeldern geahndet werden. Bis 2026 muss in jedem Unternehmen eine systematische KI-Governance etabliert sein.

Vom Reden zum Handeln: Die Rolle der Mitbestimmung

Die Botschaft ist klar: Die Phase der abstrakten Diskussion ist vorbei. Jetzt geht es um konkrete Maßnahmen im Betrieb. Das zentrale Instrument dafür ist die angepasste Gefährdungsbeurteilung. Dabei spielt die betriebliche Mitbestimmung eine Schlüsselrolle. Betriebsräte haben weitreichende Rechte, insbesondere bei überwachenden KI-Systemen oder neuen Gesundheitsgefahren. Das Betriebsrätemodernisierungsgesetz stärkt ihre Position sogar noch – etwa durch das Recht, Sachverständige hinzuzuziehen. Eine proaktive Zusammenarbeit zwischen Management und Mitarbeitervertretung wird zum Erfolgsfaktor für eine rechtssichere und akzeptierte KI-Einführung.

Ausblick: KI-Kompetenz wird zum Wettbewerbsvorteil

In den kommenden Monaten steht die praktische Umsetzung an. Unternehmen müssen ihre KI-Systeme inventarisieren, klassifizieren und ihre Belegschaft schulen. Klare Richtlinien und Betriebsvereinbarungen werden unerlässlich. Wer jetzt zögert, riskiert nicht nur hohe Strafen, sondern auch Produktivitätsverluste und den Abfluss guter Fachkräfte. Die Fähigkeit, KI sicher, fair und menschenzentriert einzusetzen, entwickelt sich so von einer Compliance-Pflicht zum strategischen Wettbewerbsvorteil.

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