KI-Agenten, Insider-Bedrohung

KI-Agenten: Die neue Insider-Bedrohung für Unternehmen

18.01.2026 - 23:00:11

KI-Systeme mit zu vielen Rechten werden laut Experten zur unterschätzten Gefahr im eigenen Netzwerk.

In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz immer autonomer wird, warnen Sicherheitsexperten vor einer neuen Art von Risiko: KI-Agenten entwickeln sich zur digitalen Insider-Bedrohung. Diese Systeme, die eigenständig Aufgaben erledigen, erhalten oft weitreichende Zugriffsrechte auf sensible Daten. Ohne strenge Kontrollen können sie zum unkalkulierbaren Sicherheitsrisiko werden. Jüngste Analysen unterstreichen die Dringlichkeit, die Governance für diese autonomen Helfer grundlegend zu überdenken.

Die klassische Definition eines Insiders – ein Mitarbeiter – wird durch KI erweitert. Sobald ein KI-Agent mit Unternehmensdaten interagiert, wird er selbst zum Insider. Das Kernproblem ist seine Autonomie und die oft übertriebenen Berechtigungen, die er für seine Aufgaben erhält. Experten sprechen vom “Superuser-Problem”: Um effizient zu sein, bekommen KI-Systeme privilegierte Zugänge, die unkontrollierte Aktionen ermöglichen.

Diese digitalen Kollegen können manipuliert werden, um Daten abfließen zu lassen oder Compliance-Regeln zu brechen. Die Gefahr wächst rasant: Marktforscher wie Gartner prognostizieren, dass bis Ende 2026 rund 40 Prozent der Unternehmensanwendungen an KI-Agenten angebunden sein werden. 2025 lag dieser Wert noch unter fünf Prozent. Ein massiver Sprung, der die Kontrollfrage drängend macht.

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Autonomie schafft neue Angriffsflächen

Die Eigenständigkeit von KI ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits entlasten Agenten Sicherheitsteams, etwa bei der Fehlerkorrektur oder Bedrohungsabwehr. Andererseits öffnet genau diese Autonomie neue Schwachstellen. Ein auf Prozessoptimierung trainierter Agent könnte unbeabsichtigt sensible Daten in sein Lernmodell einspeisen.

Besonders kritisch: Die großen Sprachmodelle (LLMs), die oft als “Gehirn” der Agenten dienen. Sie sollten niemals als alleinige, vertrauenswürdige Kontrollinstanz betrachtet werden. Durch speziell gestaltete Eingaben – sogenannte Prompt-Exploits – lassen sie sich manipulieren. Die Integrität ihrer Entscheidungen ist dann nicht mehr gewährleistet.

Gefährliche Lücke: KI ohne klare Regeln

Während die Technologie rasant implementiert wird, hinkt die passende Governance hinterher. Eine aktuelle Studie im Finanzsektor zeigt das Dilemma: Zwar nutzen 96 Prozent der Institute KI, aber nur 19 Prozent haben eine umfassende Richtlinie für deren verantwortungsvollen Einsatz etabliert. KI-Agenten operieren so oft in einem rechtsfreien Raum.

Das Risiko wird durch den wilden Einsatz generativer KI-Tools durch Mitarbeiter verschärft. Analysen belegen, dass ein erheblicher Teil der Eingaben in öffentliche Dienste sensible Informationen wie personenbezogene Daten oder proprietären Code enthält. Nutzen Mitarbeiter zahlreiche nicht genehmigte Tools, steigt die Gefahr von Datenlecks erheblich. Ohne zentrale Governance verlieren Unternehmen die Kontrolle.

KI steigt im globalen Risikobarometer auf

Die Wahrnehmung von KI als Geschäftsrisiko hat sich dramatisch gewandelt. Das aktuelle Allianz Risk Barometer 2026 zeigt: Künstliche Intelligenz ist vom zehnten auf den zweiten Platz der größten globalen Geschäftsrisiken aufgestiegen. In Österreich wird KI sogar als Nummer eins eingestuft.

Diese Einschätzung spiegelt ein wachsendes Bewusstsein wider. Die Risiken gehen weit über böswillige Cyberangriffe hinaus. Selbst die legale Nutzung von KI durch Mitarbeiter kann gefährlich werden, wenn Entscheidungen auf fehlerhafter Datenbasis getroffen werden. Die enge Verknüpfung mit Cyberkriminalität, dem Spitzenreiter des Barometers, zeigt eine doppelte Bedrohungslage: Angreifer nutzen KI für Attacken, und die KI-Systeme selbst werden zum Ziel.

Lösungsweg: Strikte Governance und minimale Rechte

Wie lässt sich die Bedrohung durch KI-Insider eindämmen? Experten fordern eine grundlegende Neuausrichtung der Sicherheitsstrategie. Statt auf die inhärente Sicherheit der Modelle zu vertrauen, müssen Unternehmen robuste Schutzebenen aufbauen. Der Schlüssel liegt in einer umfassenden KI-Governance mit klaren Regeln für Einsatz, Überwachung und Kontrolle.

Zentrale Maßnahme ist das strikte Prinzip der geringsten Rechte (Principle of Least Privilege). KI-Agenten erhalten nur die absolut notwendigen Berechtigungen für ihre Aufgabe. Die Verwaltung von Identitäten und Zugriffen wird zur wichtigsten Verteidigungslinie. Ergänzend sind kontinuierliche Aktivitätsüberwachung, regelmäßige Token-Erneuerung und die strikte Trennung von Systemumgebungen (Sandboxing) unerlässlich. Letztlich muss die menschliche Aufsicht bei kritischen Entscheidungen gewährleistet bleiben – nur so gelingt die sichere Integration autonomer KI.

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