Kharg-Angriff und Hormus-Blockade treiben Brent-Ölpreis auf 104 Dollar
15.03.2026 - 18:59:21 | ad-hoc-news.deUS-Streitkräfte haben militärische Einrichtungen auf der strategisch zentralen iranischen Insel Kharg angegriffen, während die Revolutionsgarden die Blockade der Straße von Hormus aufrechterhalten. Der Brent-Ölpreis schoss dadurch am 13. März 2026 auf 103,90 Dollar pro Barrel mit einem Plus von 5,43 Prozent.
Stand: 15. März 2026
Dr. Maximilian Berger, Rohstoffmarkt-Analyst. Spezialist für geopolitische Risiken im Energiemarkt mit Fokus auf DACH-Region.
Aktueller Trigger: Militäroperationen verschärfen Versorgungsengpässe
Präsident Donald Trump bestätigte, dass US-Truppen gezielt militärische Ziele auf Kharg zerstörten, ohne die Öl-Infrastruktur direkt anzugreifen. Die Insel ist Irans wichtigster Ölexporthafen mit einer Kapazität von über 90 Prozent des Landesexports. Parallel blockieren iranische Kräfte die Straße von Hormus, durch die täglich rund 20 Millionen Barrel Öl passieren – 20 Prozent des globalen Angebots.
Diese Entwicklungen aus den letzten 48 Stunden haben unmittelbare Auswirkungen auf den Rohölmarkt. Der Preis für Brent stieg auf L&S Exchange bis 23:00 Uhr am 13. März auf 103,90 Dollar. WTI folgte mit ähnlicher Dynamik und notiert derzeit bei vergleichbaren Niveaus. Die Blockade führt zu Stillstand im Tankerverkehr, was Freight Rates und Versicherungskosten explodieren lässt.
Für den Rohölmarkt bedeutet das einen klassischen Supply Shock: Angebot aus dem Persischen Golf ist de facto eingefroren. Iran droht zudem mit Gegenangriffen auf regionale Öl- und Gasfelder, was das Risiko einer Eskalation erhöht.
Preisentwicklung und Volatilität im Detail
Brent notiert aktuell bei 103,81 Dollar mit einem Tagesplus von 2,11 Prozent und einem Monatsanstieg von 11,77 Prozent. Längerfristig hat sich der Preis seit Jahresbeginn um 70,54 Prozent erhöht, getrieben von anhaltenden geopolitischen Spannungen. Die jüngsten +5,43 Prozent am Freitag markieren den stärksten Tageszuwachs seit Monaten.
Handelsvolumen ist massiv gestiegen, da Hedgefonds und Spekulanten Positionen aufbauen. Open Interest in Brent-Futures erreicht neue Hochs. Die Volatilität, gemessen am OVX-Index, liegt bei über 40 Prozent – ein Level, das auf anhaltende Unsicherheit hinweist.
In Europa spürt der Markt das direkt: Dieselpreise in Deutschland kletterten auf 2,149 Euro pro Liter, E10 folgt mit Aufschlägen. Tankstellenbetreiber melden doppelt so hohe Nachfrage durch Hamsterkäufe.
IEA-Reaktion: 116 Millionen Barrel aus Reserven
Die Internationale Energieagentur (IEA) verpflichtet Regierungen zur Freigabe von 116,6 Millionen Barrel aus Pflichtlagerbeständen. Davon entfallen 72 Prozent auf Rohöl und 28 Prozent auf Produkte. Asien-Pazifik-Bestände sind sofort verfügbar, Europa und USA ab Ende März.
Diese Maßnahme zielt auf Dämpfung des Preisschocks ab. Mitgliedstaaten in Amerika stellen 172,2 Millionen Barrel bereit. Dennoch: Die Freigaben decken den Ausfall durch Hormus nur teilweise – täglicher Verlust liegt bei bis zu 20 Millionen Barrel.
US-Energieminister Wright erwartet ein Kriegsende in Wochen mit Erholung des Angebots. Bis dahin bleibt der Risikoprämie im Preis eingepreist, geschätzt bei 10-15 Dollar pro Barrel.
DACH-Wirtschaft unter Druck: Inflation und Industrie
In Deutschland, Österreich und der Schweiz trifft der Ölpreisschock die energieintensive Industrie hart. Der IHS-Chef Holger Bonin warnt vor wirtschaftlichen Folgen für Österreich: Höhere Energiekosten bremsen Wachstum und heizen Inflation an. Kraftstoffpreise stiegen um 1,9 Cent auf 2,149 Euro – ein direkter Durchschlag vom Rohölmarkt.
Die EZB berät über Reaktionen: Trotz Schock bleibt die Zinspause wahrscheinlich, doch Experten sehen Sommererhöhungen. Bundesbankchef Nagel betont Null-Toleranz für neue Inflationswellen. Für DACH-Investoren bedeutet das: Steigende Kosten für Transport, Chemie und Fertigung drücken Margen.
Volenergy-Chef Ramon Werner erklärt die Zapfsäulenexplosion: Rohölpreise wirken sich sofort aus. Hamsterkäufe verdoppeln Nachfrage, was Preise weiter treibt. Ernährungssicherheit leidet: Höhere Ölpreise lassen Lebensmittelkosten explodieren.
Geopolitische Risiken und OPEC+-Kontext
Der Iran-Konflikt isoliert OPEC+ vorerst: Saudi-Arabien und Russland profitieren von höheren Preisen, doch eine Blockade könnte globale Reserven leeren. Russland löschte kürzlich einen Brand in Krasnodar – weitere Störungen möglich. Israel prüft Gasabkommen-Kündigung mit Libanon, was Gaspreise mitzieht.
Trump sieht Vorteile für US-Produzenten als Weltmarktführer. Fiskalische Einnahmen steigen, Shale-Öl expandiert. Für Europa hingegen: Abhängigkeit von Importen macht verletzlich. Japan sichert US-Öl-Deals im Wert von 56 Milliarden Dollar.
Risiken: Eskalation zu vollem Krieg könnte Brent auf 120-150 Dollar treiben. Diplomatische G7-Schritte oder Reservenfreigaben dämpfen kurzfristig.
Ausblicke für Investoren: Positionierung und Risiken
DACH-Investoren sollten Volatilität erwarten: Long-Positionen in Brent-ETCs attraktiv, aber mit Stops. Short-Diesel oder Raffinerieaktien riskant bei anhaltendem Shock. Makro: Starker US-Dollar drückt Ölpreise langfristig, doch Geopolitik überwiegt.
Katalysatoren: EIA-Lagerbestände diese Woche, IEA-Updates, Trump-Erklärungen. Szenarien: Deeskalation senkt Prämie um 10 Dollar; Blockade anhaltend treibt auf 120 Dollar.
Für Portfolios: Diversifizierung in US-Shale oder Renewables ratsam. Monitoring von Hormus-Schiffen entscheidend.
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Disclaimer: Keine Anlageberatung. Rohstoffe und andere Finanzinstrumente sind volatil.
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