Journalisten, Transparenz

Journalisten fordern Transparenz bei TikTok und X

31.01.2026 - 07:43:12

Die dju verlangt, dass Nachrichten-Algorithmen als Hochrisiko-Systeme eingestuft werden, um Pressefreiheit und Medienvielfalt zu schützen. Die nationale Umsetzung der EU-KI-Verordnung ist entscheidend.

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) verlangt strenge Regeln für die Algorithmen von Online-Plattformen. Diese seien eine direkte Bedrohung für Pressefreiheit und Demokratie, so die Gewerkschaft auf ihrem 38. Journalistentag in Berlin. Die Forderung kommt zur rechten Zeit: Die EU-Mitgliedstaaten bereiten derzeit die nationalen Gesetze zur Umsetzung der europäischen KI-Verordnung vor.

Die neuen Gatekeeper: Eine Gefahr für die Demokratie?

Im Zentrum der Debatte stand die enorme Macht sozialer Netzwerke wie TikTok und X. Für viele Menschen sind sie zur primären Nachrichtenquelle geworden. Doch nach welchen Kriterien deren Algorithmen journalistische Inhalte auswählen und gewichten, bleibt oft im Dunkeln. Diese Intransparenz schaffe eine gefährliche Abhängigkeit, warnte die dju in ver.di.

„Der Journalismus wird erpressbar“, erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Detlefsen. Die Gewerkschaft sieht eine doppelte Bedrohung: Die wirtschaftliche Macht der Tech-Konzerne untergrabe die Finanzierung von Medienhäusern. Gleichzeitig könnten Algorithmen bestimmte Inhalte oder ganze Redaktionen systematisch benachteiligen – und so die Medienvielfalt aushöhlen.

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EU-KI-Verordnung: Ein Hebel mit Lücken?

Die kürzlich in Kraft getretene EU-KI-Verordnung gilt als wichtiger Schritt. Sie ist der weltweit erste umfassende Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz. Für die Journalistengewerkschaft ist das Gesetz eine Grundlage, aber kein Allheilmittel.

Die zentrale Forderung lautet nun: Algorithmen zur Nachrichtenauswahl müssen als Hochrisiko-Systeme für die Demokratie eingestuft werden. Nur so ließen sich die Transparenzvorgaben der Verordnung wirksam durchsetzen. Die Sorge ist groß, dass Konzerne sich sonst weiter hinter Geschäftsgeheimnissen verstecken könnten. Die meisten Regelungen der Verordnung treten erst ab August 2026 in Kraft.

KI in der Redaktion: Fluch oder Segen?

Die Debatte über künstliche Intelligenz im Journalismus ist gespalten. Einerseits ist KI als Werkzeug nicht mehr wegzudenken. Sie hilft bei der Analyse riesiger Datenmengen – wie einst bei den „Panama Papers“. Routineaufgaben wie Börsenberichte kann sie automatisieren und so Kapazitäten für tiefgehende Recherchen schaffen.

Andererseits sind die Ängste in den Redaktionen real. Die Sorge vor Jobabbau und sinkenden Qualitätsstandards ist allgegenwärtig. Die Gewerkschaft pocht daher auf klare Regeln und Mitbestimmungsrechte für Beschäftigte. Die letzte redaktionelle Verantwortung müsse stets beim Menschen liegen, um das Vertrauen des Publikums nicht zu verspielen.

Der Kampf um die nationale Umsetzung beginnt

Die Forderungen der dju sind Teil eines langen Ringens mit Big Tech. Zuvor ging es bereits um faire Vergütung und Regeln für das Training von KI-Modellen mit journalistischen Inhalten. Der nächste logische Schritt ist nun die Transparenz der Algorithmen.

Der Appell richtet sich klar an den deutschen Gesetzgeber. Er muss die EU-Vorgaben bis 2025 in nationales Recht gießen und wirksame Aufsichtsmechanismen schaffen. Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Medienverbände werden den Druck erhöhen, Tech-Konzerne werden auf Innovationsfreiheit pochen. Es geht um nicht weniger als die Frage: Bleibt die Blackbox der Algorithmen geschlossen – oder wird sie endlich geöffnet?

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