Druck, Rekord-Ransomware

Industrie unter Druck: Rekord-Ransomware 2026

15.02.2026 - 10:52:12

Weltweit steigen Ransomware-Attacken um über 80 Prozent, besonders im Agrar- und IT-Sektor. Die globalen Schadenskosten sollen 2026 auf 74 Milliarden Euro anwachsen, während Regulierungen den Druck auf Unternehmen erhöhen.

Industrie verzeichnet deutlichen Anstieg von Ransomware-Angriffen. Die Kosten weltweit steigen dramatisch – auch für Deutschland und die EU. Regulierungsschärfen in Europa und den USA erhöhen den Druck auf Unternehmen, in Cybersicherheit zu investieren.

Neue Daten zeigen drastischen Anstieg der Sector-Angriffe

Am 13. Februar 2026 veröffentlichte das Food and Agriculture Information Sharing and Analysis Center (Food and Ag-ISAC) einen umfassenden Bedrohungsbericht. Demnach liegt der Anstieg von Ransomware-Angriffen im Lebensmittel- und Agrarsektor im Jahresvergleich bei 82 Prozent. Die Forscher weisen darauf hin, dass Industrien aufgrund ihrer geringen Ausfallzeiten besonders attraktive Ziele für Erpresser sind.

Zur gleichen Zeit meldete das IT-ISAC, dass Angriffe im IT-Sektor – dem Rückgrat der industriellen Automatisierung – 2025 stärker zugenommen haben als im Vorjahr. Die Berichte nennen Gruppen wie Qilin, Akira und CL0P als Haupttreiber. Die Täter setzen zunehmend auf „Double Extortion“: Daten werden verschlüsselt und gleichzeitig exfiltriert, um Druck auf die Opfer zu erhöhen.

Analysten beobachten eine ungleiche Verteilung der Angriffe: Mehr als die Hälfte der globalen Ransomware-Aktivität in diesem Sektor konzentriert sich auf die Infrastruktur in den USA – ein Spiegel der digitalen Reife und der Zahlungsbereitschaft amerikanischer Unternehmen.

Lieferkettenfragilität: Volvo Group Vorfall

Die abstrakten ISAC-Zahlen erhärteten sich diese Woche durch einen signifikanten Datensicherheitsvorfall bei Volvo Group North America. Zwischen dem 10. und 12. Februar 2026 bestätigte der Hersteller schwere Sicherheitslücken in einer Meldung beim Maine Attorney General. Offenbart wurde, dass sensible Daten von 16.991 Mitarbeitenden kompromittiert wurden.

Wesentliche Unterscheidung: Volvo Group ist der schwedische Konzern für Lkw, Busse und Baumaschinen und unabhängig von Volvo Cars. Der Vorfall stammt nicht aus dem internen Netz der Volvo Group, sondern aus einer Sicherheitslücke bei Conduent, einem externen Dienstleister für Personalwesen und Benefits-Verwaltung. Der Eindringling soll bereits Anfang 2025 erfolgten sein; die volle Tragweite für die Mitarbeitenden wurde erst Ende Januar 2026 bestätigt, mit weiteren öffentlichen Meldungen in dieser Woche. Betroffene Daten umfassen Namen und Sozialversicherungsnummern, wodurch Identitätsdiebstahl-Risiken bestehen.

Dieser Fall illustriert den „Ripple“-Effekt von Lieferkette: Ein Fehler bei einem Dienstleister kann sich auf zahlreiche Kunden ausweiten. Sicherheitsexperten betonen, dass das Risikomanagement von Drittanbietern in Industrieunternehmen eine zentrale Schwachstelle bleibt.

Kosten-Prognose: Global wachsen die Schäden auf 74 Milliarden Euro

Die finanziellen Folgen dieses Bedrohungsumfelds bleiben massiv. Am 11. Februar 2026 veröffentlichten Cybersecurity Ventures und ZDNet aktualisierte Prognosen: Die weltweiten Kosten durch Ransomware könnten 2026 bei 74 Milliarden Euro liegen – rund 30 Prozent mehr als 2025 (etwa 57 Milliarden Euro).

Diese Kosten entstehen nicht nur durch Lösegeldzahlungen. Es geht auch um eine Dreifache Belastung: regulatorische Geldstrafen, Betriebsunterbrechungen und Reputationsschäden. IBM schätzte in einer Analyse zu 2025/2026, dass der durchschnittliche Kostenanteil eines Datenverstoßes in den USA bei rund 10,22 Millionen Euro liegt. Für die Industrie, in der Stillstände Millionen pro Tag kosten können, sind die finanziellen Belastungen besonders hoch.

Hinzu kommt ein wachsender Rechtsdruck: Klagen nach Mitarbeiterdatenlecks, wie im Conduent-Fall, könnten langfristige Haftungsrisiken erhöhen. Gleichzeitig stabilisieren sich Lösegeldforderungen tendenziell, während die Kosten der Wiederherstellung aufgrund der Komplexität vernetzter Industrie-Steuerungen (ICS/OT) stärker steigen.

Kontext und Ausblick: Woher kommt der Anstieg, was folgt?

Experten führen den Anstieg auf eine offenere Angriffslandschaft zurück: Die Verfügbarkeit fortschrittlicher Hacking-Werkzeuge, Ransomware-as-a-Service sowie der zunehmende Einsatz von KI in Angriffsszenarien erleichtern den Einstieg auch für weniger professionelle Täter. Zugleich verschärft die Regulierung den Kostenkalkül: In der EU zwingt die vollständige Umsetzung der NIS2-Richtlinie Unternehmen zu schnellerer Meldung von Vorfällen und stärkeren Sicherheitsstandards; in den USA soll das CIRCIA-Gesetz zeitnahe Meldungen kritischer Infrastrukturen vorschreiben.

Was bedeutet das für Deutschland und die EU? Deutsche Industrieunternehmen stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie SAP, Siemens, Thyssenkrupp oder andere DAX-Unternehmen: Lieferantenrisiken müssen stringenter gemanagt, OT-Sicherheit besser segmentiert und sicheres Vorgehen bei Drittanbietern Standard werden. Bleibt die Frage: Wie gut sind deutsche Betriebe wirklich vorbereitet, wenn KI-gestützte Angriffe noch schneller zuschlagen? Die aktuelle Entwicklung legt nahe, dass Investitionen in KI-gestützte Abwehrsysteme, stärkeres Third-Party-Risikomanagement und eine konsequente Patch-Strategie unverzichtbar sind.

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Ausblick: In den nächsten Monaten dürften Angriffe auf OT-Systeme weiter zunehmen, während sich der Trend zu „Living-off-the-Land“-Taktiken fortsetzt. Unternehmen müssen IT- und OT-Sicherheit stärker koppeln, um Lücken zu schließen. Die Politik wird voraussichtlich die regulatorische Crescenda fortsetzen, um die Angriffsfläche zu verkleinern. Für deutsche Konzernführer heißt das: Sicherheit ist kein Kostenblock, sondern der Standortfaktor im globalen Wettbewerb.

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