Indien verschärft Kampf gegen Deepfakes mit drastischen Regeln
11.02.2026 - 14:53:11Indien schreibt ab sofort Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte vor und verlangt von Plattformen Löschung illegaler Posts binnen drei Stunden. Die neuen Vorschriften treten am 20. Februar in Kraft und zielen auf die Eindämmung von Desinformation und Betrug durch synthetische Medien.
Scharfe Pflichten für Social-Media-Giganten
Die Regierung in Neu-Delhi hat die IT-Regeln von 2021 verschärft. Sie definiert erstmals „synthetisch erzeugte Informationen“ rechtlich. Darunter fallen alle Audio-, Video- oder Bildinhalte, die durch KI so verändert wurden, dass sie authentisch wirken. Für Plattformen wie Facebook, Instagram und YouTube bedeutet das: Sie müssen solche Inhalte klar und dauerhaft kennzeichnen. Technisch möglich soll auch die Einbettung von Metadaten sein, die die Herkunft nachverfolgbar machen.
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Ausnahmen gelten nur für redaktionelle Standardbearbeitungen wie Farbkorrektur oder Kompression – sofern die ursprüngliche Aussage nicht verfälscht wird.
Drei-Stunden-Frist setzt Plattformen unter Druck
Die wohl einschneidendste Neuerung ist die drastisch verkürzte Löschfrist. Auf Anordnung eines Gerichts oder einer Behörde müssen Plattformen illegalen KI-Inhalt nun binnen drei Stunden entfernen. Bisher galten 36 Stunden. Bei nicht einvernehmlichen intimen Aufnahmen oder Deepfakes beträgt die Frist sogar nur zwei Stunden ab Meldung.
Die Haftungsregeln wurden verschärft. Große Intermediäre müssen Nutzer auffordern, synthetische Inhalte zu deklarieren. Sie dürfen sich aber nicht darauf verlassen, sondern müssen die Angaben mit automatisierten Tools überprüfen. Bei Verstößen riskieren sie den Verlust ihres „Safe Harbour“-Status. Dann haften sie persönlich für rechtswidrige Inhalte Dritter auf ihren Seiten.
Regierung reagiert auf Tech-Proteste
Die finalen Regeln zeigen Kompromissbereitschaft. Ein Entwurf vom Oktober 2025 sah noch verpflichtende Wasserzeichen vor, die mindestens 10 % eines KI-Videos bedecken sollten. Tech-Unternehmen kritisierten dies als nutzerunfreundlich und unattraktiv für Content-Ersteller.
Die Regierung strich die konkrete Größenangabe. Stattdessen muss die Kennzeichnung nun nur noch „auffällig sichtbar“ sein. Das gibt den Plattformen mehr Spielraum bei der Umsetzung, hält aber am Kernziel fest: Nutzer müssen erkennen, dass es sich um KI-generierte Inhalte handelt.
Indien als Vorreiter mit globaler Signalwirkung
Mit den Änderungen positioniert sich Indien als eine der ersten großen Volkswirtschaften mit einem strengen, schnellen Regelwerk für KI-Medien. Anders als die EU mit ihrem umfassenden KI-Gesetz setzt das Land auf eine Verschärfung bestehender IT-Regeln, um die dringendsten Gefahren durch synthetische Inhalte zu bekämpfen.
Die aggressiven Fristen werden die Content-Moderation im Land neu justieren. Globale Plattformen dürften gezwungen sein, in Indien-spezifische Rechtsabteilungen und fortschrittliche KI-Erkennungstools zu investieren. Alle sechs Monate müssen sie ihre Nutzer zudem über die Regeln und Strafen bei Missbrauch von KI-Tools informieren.
Der Stresstest in einem der größten Internetmärkte der Welt könnte einen mächtigen globalen Präzedenzfall schaffen. Er zeigt, wie Nationen die komplexe Herausforderung der Regulierung synthetischer Medien angehen könnten.
@ boerse-global.de
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