Immobilienrecht wird zum Wachstumsmotor für Kanzleien
15.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.deWirtschaftskanzleien in Deutschland setzen zunehmend auf Immobilienrecht. Aktuelle Transaktionen und Rekordzahlen belegen: Spezialisierte Beratungseinheiten trotzen dem schwierigen Marktumfeld und verzeichnen hohe Umsätze. Der Bedarf an komplexer rechtlicher Strukturierung bleibt groß.
HEUSSEN begleitet Fachmarktzentrum-Kauf
Ein aktuelles Beispiel lieferte diese Woche die Kanzlei HEUSSEN. Sie beriet den Investor Centerscape beim Erwerb des Fachmarktzentrums „Combi“ im ostfriesischen Weener. Verkäufer war die Immobiliensparte der Reederei Hartmann.
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Der Deal zeigt einen klaren Trend: Investoren setzen vermehrt auf krisenfeste Einzelhandelsimmobilien des täglichen Bedarfs. Für Kanzleien verschiebt sich der Fokus damit von spekulativen Projektentwicklungen hin zu stabilen Bestandsobjekten. Die rechtliche Begleitung solcher Käufe erfordert tiefgehende Expertise – von gewerblichen Mietverträgen bis hin zu umweltrechtlichen Prüfungen.
Hogan Lovells meldet Rekordjahr – Personal wird ausgebaut
Dass Immobilienrecht ein Umsatztreiber ist, belegen auch die jüngsten Zahlen von Hogan Lovells. Die internationale Großkanzlei vermeldete für ihre deutsche Praxis ein Rekordgeschäftsjahr 2025.
Parallel investieren Kanzleien massiv in ihre Teams. So verstärkte sich Andersen Anfang März mit dem erfahrenen Partner Dr. Martin Fleckenstein, der zuvor bei Luther tätig war. Sein Wechsel nach Berlin unterstreicht die wachsende Bedeutung des öffentlichen Bau- und Immobilienrechts. Moderne Kanzleien bauen das Immobilienrecht als interdisziplinäre Querschnittsmaterie strategisch aus.
JUVE-Rankings 2026 bestätigen Spezialisierung
Die zunehmende Professionalisierung spiegelt sich in den aktuellen Branchenbewertungen wider. Die kürzlich veröffentlichten Rankings des JUVE-Handbuchs 2026 heben die Ausdifferenzierung des Marktes hervor.
Kanzleien wie Leinemann Partner wurden erneut für ihre Expertise im Baurecht und bei Projektentwicklungen ausgezeichnet. Andere, wie Friedrich Graf von Westphalen, etablierten sich durch gezielte Personalzüge neu in den Rankings. Erfolgreich sind heute Teams, die Immobilien-, Finanzierungs- und Steuerrecht nahtlos kombinieren können.
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Neue Gesetze und ESG sorgen für Beratungsboom
Neben klassischen Transaktionen entwickelt sich die regulatorische Beratung zum Standbein. Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) zwingen Eigentümer zum Handeln. Kanzleien beraten vermehrt zu nachhaltigen Mietverträgen („Green Leases“) und den rechtlichen Anforderungen an die Immobilienbewertung.
Zusätzlich sorgen neue Gesetze für enormen Bedarf. Taylor Wessing publizierte diese Woche eine Analyse zum neuen KRITIS-Dachgesetz. Es verpflichtet Betreiber kritischer Infrastruktur – auch in der Immobilienbranche – zu strengeren Sicherheitsmaßnahmen. Rechtsberater werden so immer mehr zu strategischen Risikomanagern.
Vom Standardvehikel zur Risikomanagement-Disziplin
Der Markt vollzieht einen qualitativen Wandel. Die Niedrigzinsphase war von großvolumigen Deals geprägt. Das aktuelle Umfeld erfordert eine andere Expertise: Restrukturierungen, komplexe Refinanzierungen und Notfall-Transaktionen nehmen zu.
In dieser Phase trennt sich die Spreu vom Weizen. Kanzleien, die ihr Immobilienrecht mit starken Restrukturierungspraxen verzahnt haben, verzeichnen überdurchschnittliche Mandatszuwächse. Gleichzeitig prüfen Käufer bei der Due Diligence heute wesentlich genauer. Das erhöht das Stundenvolumen der Kanzleien. Immobilienrecht ist zur hochkomplexen Risikomanagement-Disziplin geworden.
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