IFRS, Bilanzreform

IFRS 18: Die größte Bilanzreform seit Jahren steht an

09.02.2026 - 18:34:12

Der neue Rechnungslegungsstandard IFRS 18 führt ab 2027 eine verpflichtende Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung ein. Ziel ist mehr Transparenz für Investoren, doch die Umsetzung ist komplex und zeitkritisch.

Ab 2027 revolutioniert der neue Standard IFRS 18 die Gewinn- und Verlustrechnung für tausende Unternehmen weltweit. Die Zeit für die Umsetzung drängt.

Frankfurt, 09. Februar 2026 – Eine der tiefgreifendsten Änderungen der internationalen Finanzberichterstattung rückt in den Fokus: IFRS 18. Der Standard ersetzt den bisherigen IAS 1 und führt eine streng vorgegebene Gliederung für die Gewinn- und Verlustrechnung ein. Für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027 ist die Anwendung verpflichtend. Das Ziel? Mehr Transparenz und bessere Vergleichbarkeit für Investoren – doch der Weg dorthin ist komplex und zeitkritisch.

Die neue Architektur des Unternehmenserfolgs

Das Kernstück der Reform ist eine fundamentale Neustrukturierung. Künftig müssen alle Erträge und Aufwendungen verpflichtend einer von fünf Kategorien zugeordnet werden: operativer Bereich, Investitionen, Finanzierung, Steuern und aufgegebene Geschäftsbereiche. Diese klare Trennung soll endlich Licht ins Dunkel bringen: Wo genau erwirtschaftet ein Unternehmen seinen Gewinn?

Besonders bedeutsam ist die verbindliche Einführung zweier neuer Zwischensummen: des Betriebsergebnisses und des Ergebnisses vor Finanzierung und Steuern. Bislang konnten Unternehmen diese Kennzahlen nach eigenem Gutdünken definieren – ein Ärgernis für Analysten, die Äpfel mit Birnen vergleichen mussten. IFRS 18 schafft hier endlich verbindliche Regeln. Zinserträge aus Finanzanlagen landen beispielsweise nicht mehr im operativen Ergebnis, sondern werden klar dem Finanzierungsbereich zugeordnet. Das gibt Investoren einen schärferen Blick auf die tatsächliche operative Leistung.

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Schluss mit kreativen Sonderkennzahlen

Eine weitere zentrale Neuerung zielt auf die oft kritisierten Management Performance Measures (MPMs) ab. Dabei handelt es sich um unternehmenseigene Kennzahlen wie das „bereinigte EBITDA“, die in Präsentationen und Pressemitteilungen gerne hervorgehoben werden.

IFRS 18 verbietet diese Zahlen nicht, stellt sie aber unter strenge Transparenzauflagen. Unternehmen müssen künftig im Anhang offenlegen, warum sie eine solche Kennzahl für sinnvoll halten, wie sie genau berechnet wird und wie sie sich zur nächstgelegenen IFRS-Zahl verhält. Das soll der oft willkürlich anmutenden „Bereinigung“ von Ergebnissen einen Riegel vorschieben und für mehr Disziplin in der Investor-Kommunikation sorgen.

Praktische Hürden: Ein Mammutprojekt für die Finanzabteilung

Die Umstellung ist weit mehr als eine kosmetische Anpassung. Sie erfordert eine tiefgreifende Analyse aller Geschäftsvorfälle und ihre korrekte Einordnung in das neue Schema. Bei komplexen Konzernstrukturen dürfte dies zu intensiven Diskussionen führen.

Da der Standard rückwirkend anzuwenden ist, müssen bereits die Vergleichszahlen für 2026 nach den neuen Regeln aufbereitet werden. Das stellt hohe Anforderungen an die IT-Systeme und Datenprozesse. Eine nahtlose Abstimmung zwischen Rechnungswesen, Controlling und Investor Relations ist unerlässlich, um die neuen Vorgaben für die MPMs korrekt umzusetzen.

Der Countdown läuft – Handlungsbedarf ist akut

Die Deadline rückt näher. Eine vorzeitige Anwendung von IFRS 18 ist zwar möglich, setzt aber die formelle Übernahme durch die EU voraus, die für das erste Quartal 2026 erwartet wird. Die Komplexität der Reform sollte kein Unternehmen unterschätzen.

Langfristig verspricht die klarere Struktur Vorteile: bessere Analysemöglichkeiten für Investoren und ein schärferes internes Verständnis der eigenen Werttreiber. Der kurzfristige Aufwand ist jedoch erheblich. Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie frühzeitig und gründlich sich die Unternehmen jetzt mit den neuen Anforderungen auseinandersetzen. Die Zeit wird knapp.

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