ifo-Studie: Fachkräftemangel sinkt auf Fünf-Jahres-Tief
21.02.2026 - 16:43:12 | boerse-global.deDer Fachkräftemangel in Deutschland entspannt sich spürbar – doch die Herausforderungen für Unternehmen werden komplexer. Eine aktuelle ifo-Umfrage zeigt den niedrigsten Wert seit fünf Jahren, getrieben von schwacher Konjunktur und technologischem Wandel.
Laut dem renommierten ifo Institut klagen nur noch 22,7 Prozent der Unternehmen über einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Im Oktober 2025 lag dieser Anteil noch bei 25,8 Prozent. Experten sehen hier eine zweischneidige Entwicklung: Die wirtschaftliche Flaute dämpft den Personalbedarf, gleichzeitig verändert der Siegeszug der künstlichen Intelligenz (KI) die Anforderungen an Bewerber radikal.
Branchenbild bleibt gespalten
Hinter der gesamtwirtschaftlichen Entspannung verbirgt sich ein differenziertes Bild. In einigen Schlüsselbranchen bleibt der Druck extrem hoch. Besonders betroffen sind weiterhin Rechts- und Steuerberater (58,4 %) sowie Leiharbeitsfirmen (56,6 %). Auch das Bauhauptgewerbe meldet mit 30,4 Prozent erhebliche Engpässe.
Andere Sektoren atmen dagegen auf. In Transport und Logistik sank der Anteil klagender Unternehmen von 42,7 auf 30,6 Prozent. Die deutsche Industrie verzeichnet nur noch bei 16,6 Prozent der Betriebe einen Mangel. In der Automobilbranche und bei Herstellern elektrischer Ausrüstungen liegt der Wert sogar unter zehn Prozent. Diese Kluft zwingt Unternehmen zu maßgeschneiderten Recruiting-Strategien.
KI verändert die Spielregeln im Personalwesen
Laut ifo-Forscher Klaus Wohlrabe ist der technologische Wandel ein zentraler Treiber. KI automatisiert standardisierte Tätigkeiten und reduziert so den Personalbedarf in einigen Bereichen. Gleichzeitig entstehen völlig neue Berufsbilder, die hochspezialisierte Kompetenzen erfordern.
Die Konsequenz? KI-gestützte Recruiting-Systeme werden zum operativen Standard. Sie analysieren Bewerbungen, identifizieren passive Kandidaten und automatisieren Kommunikation. Die große Herausforderung für Personalabteilungen: Wie nutzt man diese Tools effizient, ohne die menschliche Komponente und eine positive Candidate Experience zu vernachlässigen?
Vom Lebenslauf zur Kompetenz: Das neue Recruiting
Die veränderten Anforderungen führen zu einem fundamentalen Strategiewechsel. Der klassische, lückenlose Lebenslauf verliert an Bedeutung. Stattdessen setzt sich Skills-based Hiring durch. Im Fokus stehen nun nachweisbare Fähigkeiten, Kompetenzen und praktische Arbeitsproben – nicht mehr primär formale Abschlüsse oder prestigeträchtige vorherige Arbeitgeber.
Dieser Ansatz eröffnet neue Talentpools. Quereinsteiger mit den passenden Fähigkeiten rücken in den Blick. Strukturierte Interviews, Fallstudien und praktische Assessments werden zur neuen Norm. Es geht nicht mehr nur um die Besetzung einer Stelle, sondern um die Suche nach der Person mit exakt den richtigen, zukunftsfähigen Skills.
Demografischer Wandel bleibt langfristige Bedrohung
Trotz der kurzfristigen Entspannung warnen Experten vor Sorglosigkeit. Der demografische Wandel wird den Druck auf den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren unweigerlich wieder erhöhen. Die aktuelle Phase sollte daher als Chance für strategische Weichenstellungen genutzt werden.
Der Fokus verschiebt sich von reaktiver Personalbeschaffung zu proaktivem Talent-Management. Interne Mobilität – die Weiterentwicklung bestehender Mitarbeiter – und Mitarbeiterbindung werden zur Überlebensfrage. Denn die Fluktuation von Leistungsträgern ist oft der teuerste „Recruiting-Trend“. Unternehmen, die in Kultur, flexible Modelle und eine exzellente Bewerbererfahrung investieren, punkten langfristig.
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Ausblick: Mehr Transparenz, mehr Komplexität
Die Professionalisierung schreitet voran. Digitalisierung und Datenanalysen werden zur Entscheidungsgrundlage. Gleichzeitig kommen neue gesetzliche Pflichten auf Arbeitgeber zu. Bis Juni 2026 muss die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt werden. Sie verpflichtet zu mehr Offenheit bei Gehaltsstrukturen und wird Einstellungsprozesse spürbar beeinflussen.
Die Botschaft an die Unternehmen ist klar: Während der quantitative Mangel kurzzeitig nachlässt, nimmt die qualitative Komplexität weiter zu. Der „War for Talents“ wird künftig über Geschwindigkeit, strategische Präzision und eine authentische, mitarbeiterzentrierte Kultur entschieden.
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