ifo-Institut warnt vor Verschärfung der Mietpreisbremse
28.02.2026 - 20:48:30 | boerse-global.deDie Mietpreisbremse verschärft die Wohnungsnot – zu diesem Ergebnis kommt das ifo-Institut. Präsident Clemens Fuest warnte diese Woche eindringlich vor den Folgen einer strengeren Regulierung. Seine Kritik trifft auf eine politische Landschaft, die genau das Gegenteil fordert.
Der Appell aus München kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Der Wohnungsmangel erreicht Rekordhöhen: Aktuell fehlen laut einer Studie rund 1,4 Millionen Wohnungen. Gleichzeitig prognostizieren Experten für dieses Jahr nur 215.000 Fertigstellungen – viel zu wenig, um den Bedarf zu decken. Das ifo-Institut argumentiert, dass preisliche Deckelungen die grundlegenden Probleme nicht lösen, sondern verschlimmern.
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Investitionen brechen ein, der Markt „friert“ ein
Die Ökonomen stützen ihre Warnung auf zwei zentrale Effekte. Erstens bremse die Mietpreisbremse dringend benötigte Investitionen in Neubauprojekte aus. Bei steigenden Baukosten und begrenzten Mieteinnahmen lohne sich das Geschäft für viele private Investoren nicht mehr. Das Ergebnis: Noch weniger neue Wohnungen entstehen.
Zweitens „friert“ die Regelung den Bestandsmarkt ein. Weil die Mieten bei Neuvermietungen in Großstädten oft 50 Prozent über den Bestandsmieten liegen, scheuen viele Mieter einen Umzug. Die Folge ist ein dramatischer „Mismatch“: Ältere Menschen bleiben in zu großen Wohnungen, während junge Familien oder Berufseinsteiger nichts finden. Diese sinkende Mobilität schadet laut ifo auch der gesamten Wirtschaft.
Politik will schärfere Regeln – Wirtschaft warnt
Die deutlichen Worte sind eine direkte Antwort auf aktuelle politische Vorstöße. So gibt es Pläne, die bereits bis 2029 verlängerte Mietpreisbremse weiter zu verschärfen. Diskutiert wird auch, Vermietern für fünf Jahre eine Eigenbedarfskündigung zu verwehren, wenn der Mieter zuvor die Mietpreisbremse durchgesetzt hat.
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Diese Initiativen zielen auf besseren Mieterschutz. Kritiker aus der Wirtschaft kontern: Das bekämpft nur die Symptome. Die eigentliche Ursache – der massive Wohnungsmangel – bleibe unberührt. Dieser Mangel entwickelt sich bereits zur handfesten Wirtschaftsbremse, wenn Unternehmen keine Wohnungen für dringend gesuchte Fachkräfte finden.
Soziale Spaltung vertieft sich
Die Folgen der Krise treffen die Schwächsten am härtesten. Studierende geben oft mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Miete aus. Ältere Menschen mit geringen Renten finden kaum noch bezahlbare, altersgerechte Wohnungen. Experten sehen die soziale Spaltung wachsen: Während Eigentümer von steigenden Werten profitieren, wird angemessener Wohnraum für viele zur unüberwindbaren Hürde.
Die Debatte offenbart einen tiefen Graben. Die Politik sucht kurzfristige Lösungen für steigende Mieten, Ökonomen warnen vor langfristigen Schäden für den Neubau. Die entscheidende Frage lautet: Wie gelingt der Ausgleich zwischen Mieterschutz und der Schaffung neuer Wohnungen?
Fokus auf Neubau als einziger Ausweg?
Angesichts der verhärteten Fronten plädiert ifo-Präsident Fuest für einen radikalen Kurswechsel. Statt die Bremse weiter anzuziehen, müsse das Angebot wachsen. Konkret fordert er schnellere Genehmigungsverfahren, niedrigere Baukosten und steuerliche Anreize für Investoren.
Ohne eine massive Ausweitung des Wohnungsangebots, so der Konsens vieler Experten, dreht sich die Spirale aus Knappheit und steigenden Preise weiter. Die kommenden politischen Entscheidungen werden die Zukunft des Wohnungsmarkts und den sozialen Frieden maßgeblich prägen.
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