Ifo-Institut, Fachkräftemangel

Ifo-Institut: Fachkräftemangel in Deutschland auf Fünfjahrestief

19.02.2026 - 07:52:12 | boerse-global.de

Der akute Personalmangel in der deutschen Wirtschaft hat sich zwar vorübergehend entspannt, doch Experten warnen vor der anhaltenden strukturellen Krise und dem bevorstehenden demografischen Wendepunkt.

Der akute Personalmangel in der deutschen Wirtschaft hat sich spürbar entspannt – doch Experten warnen vor falscher Entwarnung. Eine schwächelnde Konjunktur bremst die Nachfrage nach Arbeitskräften und überdeckt so die anhaltende strukturelle Krise.

Laut dem aktuellen Geschäftsklima des ifo Instituts klagen nur noch 22,7 Prozent der Unternehmen über einen Mangel an qualifizierten Mitarbeitern. Das ist der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Im Vorquartal lag der Anteil noch bei 25,8 Prozent. Die größte Entspannung verzeichnete die Logistikbranche.

Wirtschaftsflaute als zweischneidiges Schwert

Die Erleichterung am Arbeitsmarkt ist kein Erfolg gezielter Politik, sondern vor allem ein Spiegelbild der schwachen Wirtschaftslage. „Die lahmende Konjunktur dämpft die Einstellungspläne der Unternehmen“, so die ifo-Analyse. Diese Einschätzung teilt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Hohe Kosten, schwache Binnennachfrage und allgemeine Unsicherheit bremsten Investitionen und Stellenaufbau.

Die Folge: Nur 12 Prozent der Firmen planen Neueinstellungen, während 23 Prozent sogar einen Personalabbau erwägen. Der kurzfristige Rückgang des Mangels ist somit ein Symptom wirtschaftlicher Schwäche, keine Lösung des Grundproblems.

Demografie-Schock steht erst bevor

Während die Konjunktur eine Atempause verschafft, mahnt die Bundesagentur für Arbeit zur Wachsamkeit. „Die langfristige demografische Entwicklung ist die weitaus größere Herausforderung“, sagte Behördenchefin Andrea Nahles am Donnerstag.

2026 wird ein Wendepunkt: Die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte in Deutschland schrumpft erstmals – um voraussichtlich 40.000 Menschen. Die Babyboomer-Generation geht in Rente, und dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren deutlich beschleunigen. Die strukturelle Verknappung des Arbeitskräfteangebots bleibt damit ein Dauerproblem.

Mittelstand besonders betroffen

Unter der Oberfläche brodelt es weiter. Bereits Ende 2025 konnte mehr als jedes dritte Unternehmen offene Stellen nicht besetzen. Besonders hart trifft es den Mittelstand: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) tragen über 70 Prozent zum gesamten Fachkräftedefizit bei.

Diese Firmen haben oft nicht die Ressourcen für internationale Rekrutierung oder umfangreiche Qualifizierungsprogramme. In Schlüsselbranchen wie Gesundheitswesen, Pflege, Handwerk und Bau herrscht ein chronischer Personalmangel, der kaum von Konjunkturzyklen abhängt. Hier wirken vor allem demografische Trends und schwierige Arbeitsbedingungen.

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Doppel-Herausforderung für die Politik

Die deutsche Wirtschaft steht vor einer zweifachen Aufgabe. Kurzfristig braucht es strukturelle Reformen, um Investitionen und Wachstum anzukurbeln. Langfristig ist eine Strategie gegen die Folgen der schrumpfenden Bevölkerung unverzichtbar.

Experten fordern einen mehrgleisigen Ansatz: Höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, Anreize für längeres Arbeiten und eine vereinfachte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte. Die aktuellen Zahlen bieten eine kurze Verschnaufpause – sie erinnern aber auch an die fragilen Fundamente und die gewaltige demografische Hürde, die noch bevorsteht.

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