ICS2, Zoll-System

ICS2: EU schaltet Zoll-System auf neue Daten-Standards um

08.02.2026 - 10:30:12

Die dritte Stufe des EU-Importkontrollsystems ICS2 ist verpflichtend. Unternehmen müssen nun präzisere Warenangaben liefern, um Verzögerungen an den Grenzen zu vermeiden.

Die EU hat ihre digitale Zollfront geschlossen: Seit dem 3. Februar gilt nur noch das neue Import Control System 2 (ICS2) in der dritten Release-Stufe. Damit endet eine mehrjährige Übergangsfrist – und beginnt für Unternehmen ein strengeres Regime mit detaillierteren Meldepflichten.

Ende der Schonfrist: V2-Formate sind Geschichte

Der „harte Cut“ ist vollzogen. Die EU-Kommission hat die parallele Nutzung alter Meldestandards (Version 2) beendet. Für Wirtschaftsbeteiligte bedeutet das: Neue Vorabanmeldungen (Entry Summary Declarations, ENS) im alten Format werden nicht mehr akzeptiert. Selbst bestehende Meldungen können nicht mehr in V2 geändert werden – nötig ist eine komplette Neuerfassung im V3-Standard.

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Hinter diesem technischen Zwang steht ein strategisches Ziel: Die Behörden erzwingen die Lieferung deutlich granularerer Daten. Release 3 verlangt präzisere Angaben, strengere Validierungsregeln und eine bessere Vernetzung zwischen dem zentralen Händlerportal und nationalen Zollsystemen. Besonders bei Straßen- und Schienentransporten sind die Anforderungen an Daten zu Verkäufer und Käufer massiv gestiegen.

Nach monatelangen Verzögerungen: Jetzt gilt es

Der Abschluss der Umstellung beendet eine Phase strategischer Aufschübe. Während der Seeverkehr schon Mitte 2024 startete, kämpften Straßen- und Schienentransporte mit Anpassungsschwierigkeiten. Die ursprünglich für September 2025 geplante Pflicht wurde auf Februar 2026 verschoben – eine Gnadenfrist für nationale Behörden und Unternehmen in der peak season.

Diese Schonfrist ist nun ausgelaufen. In Mitgliedsstaaten wie Deutschland, Frankreich und Polen setzen die Zollbehörden die V3-Pflicht uneingeschränkt durch. Laut Logistikverbänden haben die meisten großen Spediteure die Migration geschafft. Für kleinere Unternehmen und solche, die auf nationale Ausnahmeregelungen setzten, wurde es bis zuletzt eng.

Neue Pflichten: Genauigkeit verhindert Stillstand

Für Spediteure, Frachtführer und Postdienste liegt der Fokus nun auf der Vermeidung von Fehlern. Das V3-System verlangt präzise sechsstellige HS-Warencodes und detaillierte Warenbeschreibungen. Vage Umschreibungen, die früher durchgingen, werden nun automatisch abgelehnt.

Die Haftung der Unternehmen ist gestiegen. Eine nicht konforme ENS-Meldung kann jetzt direkt zu „Do Not Load“-Meldungen im Seeverkehr oder zum Stopp an der EU-Außengrenze bei Landtransporten führen. Auch der „Multiple Filing“-Mechanismus, bei dem verschiedene Parteien Teildatensätze liefern, ist nun verpflichtend. Das erfordert eine nahtlose Abstimmung in der Lieferkette.

Was kommt nach der Umstellung?

Die technische Transition ist abgeschlossen. Jetzt rückt die Durchsetzung der neuen Regeln in den Fokus. ICS2 ist das Rückgrat des neuen EU Customs Data Hub, der einen Echtzeit-Überblick über alle Warenströme in den Binnenmarkt schaffen soll.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die detaillierteren Daten auf den Grenzfluss auswirken. Das System soll den legitimen Handel erleichtern, indem es Hochrisikosendungen genauer identifiziert. In der Einführungsphase ist jedoch oft mit mehr administrativen Zurückhaltungen zu rechnen, während sich die automatisierten Risiko-Engine an die neuen Datenströme gewöhnen.

Unternehmen sollten ihre „Referral Rates“ im Blick behalten – also den Anteil manuell zu prüfender Meldungen. Ihre Teams müssen auf Informationsanfragen der Zollbehörden schnell reagieren können. Die Implementierung von ICS2 Release 3 ist beendet. Die Ära datengetriebener Grenzverwaltung in Europa hat gerade erst begonnen.

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