ICS2: EU-Logistikbranche vor entscheidender Sicherheitsdeadline
05.01.2026 - 06:16:12Ab Februar drohen an den EU-Außengrenzen massive Lieferverzögerungen. Grund ist die finale Stufe des europäischen Sicherheitssystems ICS2, das für Lkw- und Bahntransporte nun verbindlich wird.
Brüssel/Wien – Die Schonfrist ist vorbei. Seit dieser Woche tritt die letzte Umsetzungsphase des europäischen Import Control System 2 (ICS2) für den Landverkehr in Kraft. Während spezielle Übergangsfristen für Hochvolumenrouten bereits am 1. Januar ausliefen, gilt für alle anderen Transporteure ein ultimativer Stichtag: der 3. Februar 2026. Für Unternehmen, die ihre IT noch nicht an die neue Zollarchitektur angepasst haben, bleiben damit weniger als 30 Tage Zeit.
Ende der Übergangsphase
Die Einführung von ICS2 für den Landverkehr gestaltete sich komplex. Ursprünglich sollte das System bereits zum 1. September 2025 vollständig greifen. Aufgrund von Branchenfeedback zur technischen Bereitschaft verschob die EU-Kommission den verbindlichen Start jedoch auf den 3. Februar 2026. Diese Verlängerung sollte Lieferkettenstörungen in der Weihnachtszeit verhindern.
Für bestimmte Verkehrswege ist die neue Realität jedoch bereits eingetreten. Der Transport von Gütern per Fähre (RoRo-Verkehr) von Irland in die EU unterliegt seit dem 1. Januar den vollen ICS2-Vorschriften. Ohne eine vollständige und vorab übermittelte Entry Summary Declaration (ENS) werden diese Sendungen an der Grenze abgewiesen.
Die neue Pflicht zur Vorabmeldung (ENS/MRN) durch ICS2 erhöht das Risiko, dass Sendungen an der Grenze zurückgewiesen werden. Häufige Fehler in der Zollanmeldung verlängern Aufenthalte und blockieren Lieferketten. Ein kostenloses Praxis‑E‑Book zeigt feld‑für‑feld, wie Sie Zollanmeldungen und ENS korrekt ausfüllen, typische Fehler vermeiden und Ihre Lieferungen pünktlich durch den Zoll bringen – ideal für Spediteure, Exporteure und Zollabteilungen. Zollanmeldung jetzt kostenlos downloaden
Neue Abläufe an der Grenze
Der Kern der ICS2-Verordnung ist die Pflicht zur Vorabmeldung von Sicherheitsdaten. Im Gegensatz zu früheren Systemen müssen die Informationen nun deutlich vor der Ankunft an der EU-Außengrenze übermittelt werden. Für den Straßentransport bedeutet das mindestens eine Stunde vor Ankunft, für die Bahn sind es zwei Stunden.
Diese Verschiebung von der Meldung „nach Ankunft“ hin zu „vor Ankunft“ verändert Arbeitsabläufe grundlegend. Spediteure können sich nicht mehr darauf verlassen, die Papiere am Zollrampen zu klären. Die digitale Freigabe muss vorliegen, während der Lkw noch unterwegs oder der Zug im Abfahrtsbahnhof eines Drittlandes ist.
„Die Mentalität des ‚Anmelden und Losfahrens‘ ist obsolet“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung von Logistikverbänden. Ohne eine gültige Movement Reference Number (MRN) aus dem ICS2-System seien Fahrzeuge für die Zollrisikoanalyse unsichtbar und müssten mit Stopps rechnen.
Technische Hürden und wirtschaftliche Folgen
Der Weg zu diesem Punkt war von technischen Problemen geprägt. Berichte aus dem Jahr 2025 hoben erhebliche Schwierigkeiten bei der Verbindung zwischen nationalen Zollsystemen und der zentralen EU-Datenbank hervor. Die Verlängerung der Frist war eine Reaktion auf diese Integrationsprobleme.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der verschärften Kontrollen werden voraussichtlich an wichtigen Grenzübergängen sichtbar, insbesondere im Handel mit dem Vereinigten Königreich und der Schweiz. Experten warnen, dass Nichteinhaltung nach dem 3. Februar nicht zu Verwarnungen, sondern zur Zurückweisung der Sendung führen wird.
Für österreichische Unternehmen, die stark vom Bahnverkehr aus Drittländern oder vom Straßentransport via Schweiz abhängen, ist der Anpassungsdruck hoch. Die Wirtschaftskammer (WKO) drängt seit Monaten auf Vorbereitung, doch die finale IT-Integration offenbart oft unerwartete Probleme.
Ausblick: Die Sicherheitsnetze ziehen sich zu
Mit der finalen Umsetzung für Straße und Schiene ist das ICS2-System nun komplett. Der Fokus wird sich 2026 voraussichtlich auf die Qualität der Durchsetzung verlagern. Es geht dann nicht mehr nur um technisch gültige, sondern um präzise Daten, die eine echte Risikobewertung ermöglichen.
Die Botschaft aus Brüssel ist klar: Das Sicherheitsnetz wird enger gezogen, und die Zeit der Vorbereitung ist endgültig abgelaufen. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie reibungslos der Übergang in die neue Ära der Grenzsicherheit gelingt.
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