Hrvatska poštanska banka: Kleine Staatsbank, starke Kursperformance – wie viel Potenzial bleibt der HPB-Aktie?
09.01.2026 - 22:19:06Während große europäische Banken weiterhin mit Zinsunsicherheit, Regulierungslasten und schwankender Konjunktur kämpfen, hat sich ausgerechnet eine vergleichsweise kleine kroatische Staatsbank zum Börsengewinner entwickelt: die Aktie der Hrvatska poštanska banka (HPB). Das Papier der in Zagreb gelisteten Bank mit der ISIN HRHPB0RA0002 hat sich zuletzt deutlich über dem Niveau etablierter Branchenindizes behauptet und sorgt damit auch jenseits des Heimatmarktes für Aufmerksamkeit – trotz äußerst geringer Liquidität.
Der jüngste Börsenkurs der HPB-Aktie liegt nach Daten von Börsenportalen wie der Zagreber Börse und Finanzplattformen, die HPB listen, bei rund 200 Kroatischen Kuna je Aktie. Die Datenbasis ist dabei dünn: Das Wertpapier wird im regulierten Markt in Zagreb zu eher geringen Stückzahlen gehandelt, teils mit Tagen ganz ohne Umsatz. Dennoch zeigt der Kursverlauf der vergangenen Monate ein klares Bild: Die Aktie notiert nahe ihrem Mehrjahreshoch und hat auf Sicht von einem Jahr zweistellig zugelegt. Nach Angaben der Zagreber Börse liegt die Handelsspanne der vergangenen zwölf Monate in etwa zwischen 150 und 210 Kuna. Das Sentiment ist damit klar freundlich – allerdings auf einem Markt, der von institutionellen Investoren nur punktuell beobachtet wird.
Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario
Wer vor rund einem Jahr zur HPB-Aktie gegriffen hat, darf sich heute über eine spürbare Wertsteigerung freuen. Der Schlusskurs vor einem Jahr lag nach Börsendaten im Bereich von rund 155 Kuna je Aktie. Vom damaligen Niveau ausgehend entspricht der Anstieg auf etwa 200 Kuna einem Kursplus von ungefähr 29 Prozent. Selbst wenn man leichte Abweichungen durch illiquide Handelstage berücksichtigt, bleibt: HPB hat viele europäische Bankenwerte in der Zwölfmonatsbetrachtung deutlich hinter sich gelassen.
In Zeiten, in denen sich Großbanken im Euro-Raum trotz hoher Zinsen für Einlagen und Kredite häufig schwer tun, ihre Börsenbewertungen nachhaltig zu steigern, wirkt eine zweistellige Rendite mit einem regional fokussierten Institut aus Kroatien bemerkenswert. Anleger, die frühzeitig auf eine Normalisierung des Zinsumfelds in Mittel- und Osteuropa sowie auf den Aufschwung des kroatischen Kapitalmarkts gesetzt haben, sind damit belohnt worden. Wer dagegen den Finanzsektor aus Risikoerwägungen gemieden hat, sieht bei HPB nun eine verpasste Chance – allerdings eine mit sehr spezieller Markt- und Liquiditätssituation.
Aktuelle Impulse und Nachrichten
In den vergangenen Tagen war die Nachrichtenlage zur Hrvatska poštanska banka überschaubar, spektakuläre Meldungen blieben aus. Das ist für kleinere Kreditinstitute nicht ungewöhnlich: Statt großer strategischer Sprünge dominieren meist operative Updates, regulatorische Meldungen und Berichte zur Kapitalausstattung. Jüngste Unternehmensinformationen und Marktberichte zeichnen HPB als solide kapitalisierte Geschäftsbank mit Fokus auf das Privatkundengeschäft, kleinere Unternehmen sowie das traditionelle Filialnetz, das historisch eng mit dem kroatischen Postwesen verknüpft ist.
Ein zentraler Impuls der jüngeren Vergangenheit stammt aus dem makroökonomischen Umfeld: Der anhaltende touristische Boom Kroatiens, kombiniert mit dem Euro-Beitritt und der Integration in den Euroraum, hat das Vertrauen in den Finanzsektor des Landes insgesamt gestärkt. Davon profitieren vor allem Institute mit starker lokaler Verankerung und konservativen Bilanzen. HPB spielt hier ihre Rolle als staatlich kontrollierte Bank aus, die vom Vertrauen von Sparern und Kleinanlegern lebt. Marktbeobachter verweisen zudem auf die vergleichsweise robuste Eigenkapitalausstattung und konservative Kreditvergabe, die das Institut in den vergangenen Jahren durch eine Phase geldpolitischer Straffung getragen haben.
Da es in der jüngsten Vergangenheit keine größeren Ad-hoc-Mitteilungen oder öffentlichkeitswirksame M&A-Transaktionen gab, wirkt der Kursverlauf der Aktie eher wie eine technische Konsolidierungsphase auf erhöhtem Niveau: Nach einem deutlichen Anstieg im vergangenen Jahr pendelt das Papier in einer relativ engen Spanne, mit geringen Umsätzen und ohne klare neue Trendimpulse. Für Trader mit kurzfristigem Horizont ist dieser Markt nur bedingt interessant, für langfristig orientierte Investoren hingegen ist die Ruhe ein Hinweis darauf, dass der Kurs derzeit vor allem fundamentalen Erwartungen folgt.
Das Urteil der Analysten & Kursziele
Wer auf klassische Analystenkommentare internationaler Großbanken hofft, wird bei HPB enttäuscht: Weder US-Häuser wie Goldman Sachs oder JP Morgan noch europäische Investmentbanken wie Deutsche Bank, UBS oder BNP Paribas decken die Aktie systematisch ab. In den vergangenen Wochen sind keine neuen Studien mit offiziellen Einstufungen wie "Kaufen", "Halten" oder "Verkaufen" sowie mit konkreten Kurszielen veröffentlicht worden. Die geringe Marktkapitalisierung und der fokussierte Heimatmarkt machen HPB für die Research-Abteilungen der Großbanken wenig attraktiv.
Stattdessen stammt die Mehrzahl der Einschätzungen von lokalen oder regionalen Marktbeobachtern sowie von unabhängigen Analyseplattformen, die sich auf Mittel- und Osteuropa spezialisieren. Deren Tenor fällt überwiegend konstruktiv aus: Die Aktie gilt als solide Substanzanlage mit einem gewissen Value-Profil, getragen von einem überwiegend inländischen Kreditbuch, stabilen Einlagen und der Unterstützung durch den Staat als Hauptaktionär. Mangels offizieller Kursziele arbeiten Investoren häufig mit Bewertungskennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Buchwert-Verhältnis im Vergleich zu anderen Banken in der Region. In diesen Benchmarks erscheint HPB nicht mehr eindeutig unterbewertet, bewegt sich aber auch nicht in klar überteuertem Terrain.
Die Abwesenheit von breit angelegter Sell-Side-Coverage hat dabei zwei Seiten: Einerseits reduziert sie die Gefahr von Übertreibungen durch Hype, andererseits fehlt es an laufender, detaillierter Transparenz für ausländische Anleger. Viele institutionelle Investoren aus dem deutschsprachigen Raum scheuen den Einstieg in so kleine Werte ohne belastbare Research-Absicherung. Für risikobewusste Privatanleger kann genau das jedoch eine Chance darstellen – vorausgesetzt, sie sind bereit, sich die Fundamentaldaten selbst zu erarbeiten und die deutlich erhöhte Liquiditäts- und Marktenge-Risiken zu akzeptieren.
Ausblick und Strategie
Wie geht es mit der HPB-Aktie weiter? Der mittelfristige Ausblick hängt von drei zentralen Faktoren ab: der Entwicklung des Zinsniveaus im Euroraum, der Stabilität der kroatischen Konjunktur und der Fähigkeit des Instituts, Erträge zu diversifizieren, ohne das Risiko exzessiv zu erhöhen.
Solange die Leitzinsen in der Eurozone zwar moderat, aber im historischen Vergleich erhöht bleiben, kann HPB von soliden Zinsmargen im klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft profitieren. Eine zu schnelle Zinswende nach unten würde dagegen typischerweise auf die Margen drücken. Andererseits stützen niedrigere Zinsen die Kreditnachfrage und können Ausfälle verringern – für eine Bank, die vor allem im Inland engagiert ist, ein nicht zu unterschätzender Puffer. Eine graduelle Normalisierung des Zinsumfelds wäre damit aus Sicht der Bank wohl das günstigste Szenario.
Makroökonomisch ist Kroatien weiterhin stark vom Tourismus, aber auch von EU-Fördermitteln und Infrastrukturinvestitionen abhängig. Bleibt der Tourismus robust und setzt der Staat seine Investitionsprogramme fort, profitieren davon mittelbar auch die Banken: durch steigende Einlagen, höhere Zahlungsverkehrsvolumina und Kreditnachfrage aus dem Mittelstand. HPB ist in diesem Ökosystem gut positioniert, da sie traditionell eine starke Präsenz in ländlichen Regionen und bei kleineren Unternehmen hat.
Strategisch wird es für das Institut darauf ankommen, die Balance zwischen Wachstum und Risiko zu halten. Das bedeutet: vorsichtige Ausweitung des Kreditbuchs, gezielter Ausbau digitaler Angebote, ohne die Kostenbasis explodieren zu lassen, und behutsame Diversifizierung der Ertragsquellen etwa durch Provisionserlöse und einfache Anlageprodukte für Privatkunden. Gelingt dieser Spagat, könnte die Bank ihre Profitabilität stabil halten und damit die Grundlage für eine weiter robuste Aktienentwicklung legen.
Für potenzielle Anleger aus dem deutschsprachigen Raum stellt sich die Frage, wie man HPB in ein Portfolio einordnet. Die Aktie ist ein klassischer Nischenwert: begrenzte Liquidität, begrenzte Informationsdichte, dafür aber ein klar definierter Heimatmarkt und ein Geschäftsmodell, das sich stark am traditionellen Bankenhandwerk orientiert. Wer ein breit diversifiziertes Portfolio europäischer Finanzwerte hält, kann HPB als Beimischung betrachten, um vom Aufholpotenzial kleinerer Märkte zu profitieren – allerdings nur mit einem Volumen, das auch im Fall stärkerer Kursschwankungen verkraftbar bleibt.
Vorsichtige Investoren werden zudem abwarten wollen, wie sich die Ertrags- und Dividendenpolitik der Bank in den kommenden Geschäftsjahren entwickelt. Sollte HPB dauerhaft attraktive Ausschüttungsquoten bei solider Kapitalbasis bieten, könnte die Aktie vermehrt als Dividendeninvestment wahrgenommen werden. Bleiben Dividenden dagegen zurückhaltend oder stark schwankend, rückt der Fokus stärker auf Kurschancen – ein Feld, auf dem Liquiditätsrisiken umso schwerer wiegen.
Unter dem Strich präsentiert sich die HPB-Aktie derzeit als solide gelaufener Finanzwert mit nach wie vor intakter fundamentaler Geschichte, aber ohne klaren Bewertungsvorsprung. Die Bullen können auf stabile Rahmenbedingungen und bewährte Geschäftsstrukturen verweisen, die Bären auf die enge Marktbreite, das Fehlen großer Wachstumsstorys und die begrenzte Analystenabdeckung. Welche Seite recht behält, wird weniger an kurzfristigen Schlagzeilen hängen als an der Frage, ob HPB ihren Kurs – operativ wie an der Börse – langfristig stabil halten kann.


