Homeoffice-Präsentismus, Krank

Homeoffice-Präsentismus: Krank arbeiten wird zur Regel

08.02.2026 - 16:54:12

Zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten trotz Krankheit, was zu Gesundheitsrisiken und erheblichen rechtlichen Haftungsfolgen für Unternehmen führt.

Immer mehr Beschäftigte arbeiten trotz Krankschreibung von zu Hause aus. Aktuelle Daten zeigen einen alarmierenden Trend: 63 Prozent der Arbeitnehmer haben im vergangenen Jahr krank gearbeitet. Diese Praxis gefährdet die Gesundheit und stellt Unternehmen vor rechtliche Risiken.

Studie belegt: Zwei von drei Arbeitnehmern krank am Laptop

Eine repräsentative Studie des DGB-Index Gute Arbeit vom Februar 2025 liefert die harten Zahlen: 63 Prozent der Befragten arbeiteten im Vorjahr mindestens einen Tag trotz Erkrankung. Bei 44 Prozent dauerte diese „Krank-Arbeit“ sogar eine Woche oder länger. Die Flexibilität des Homeoffice senkt die Hemmschwelle – der Weg ins Büro entfällt. Experten warnen jedoch vor chronischer Erschöpfung und sinkender Produktivität als Langzeitfolgen.

Die rechtliche Grauzone: Wer haftet im Ernstfall?

Arbeitsrechtlich ist die Lage komplex. Eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ist kein absolutes Arbeitsverbot, sondern eine Prognose. Fühlt sich ein Mitarbeiter früher fit, darf er arbeiten. Entscheidend ist die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.

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  • Vorgesetzte müssen handeln: Erfährt ein Chef von der Arbeit eines krankgeschriebenen Mitarbeiters, muss er dessen Zustand prüfen. Ist dieser offensichtlich nicht arbeitsfähig, muss der Arbeitgeber ihn anweisen, die Arbeit sofort niederzulegen.
  • Hohe Haftungsrisiken: Ignoriert der Arbeitgeber dies, drohen ihm erhebliche Konsequenzen. Verschlimmert sich die Krankheit oder passiert ein Unfall aufgrund der geschwächten Konstitution, können hohe Schadensersatzansprüche folgen.

Die versteckte Rechnung: Präsentismus kostet mehr als Fehlzeiten

Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin übersteigen die Kosten des Präsentismus oft die durch klassische Fehlzeiten. Kranke Mitarbeiter sind weniger leistungsfähig, machen mehr Fehler und das Unfallrisiko steigt. Eine Studie der TU Chemnitz belegt zudem: Das Erschöpfungsniveau bleibt auch in den Folgewochen erhöht – die Produktivität leidet mittelfristig.

Auch der Versicherungsschutz wird zum Problem. Zwar gilt der gesetzliche Unfallschutz grundsätzlich auch im Homeoffice. Im Schadensfall prüfen Berufsgenossenschaften jedoch genau: Hat der Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht verletzt, können Regressforderungen die Folge sein.

Zwischen Pflichtgefühl und Selbstausbeutung: Warum machen Mitarbeiter das?

Die Gründe sind vielfältig: Pflichtgefühl gegenüber dem Team, Angst vor dem wachsenden Arbeitsberg oder Sorge um den eigenen Job. Im Homeoffice entfällt zudem die soziale Kontrolle durch Kollegen. Die ständige digitale Erreichbarkeit verwischt die Grenzen zwischen Arbeit und Erholung endgültig.

Langfristig schaden sich Beschäftigte damit selbst. Verschleppte Krankheiten können zu chronischen Leiden oder sogar zur dauerhaften Arbeitsunfähigkeit führen.

Was Unternehmen jetzt tun müssen

Da sich der Homeoffice-Anteil bei knapp 25 Prozent stabilisiert hat, ist ein Umdenken nötig. Führungskräfte müssen Vorbilder sein und selbst konsequent bei Krankheit abschalten. Klare Regelungen sind gefragt:

  • Betriebsvereinbarungen, die die Arbeitseinstellung bei Krankschreibung festschreiben.
  • Kommunikationsregeln, die eine Nichterreichbarkeit im Krankheitsfall sicherstellen.
  • Gut organisierte Vertretungsregelungen, um den Druck von den Mitarbeitern zu nehmen.

Eine Kultur, die Gesundheit über kurzfristige Leistung stellt, ist keine soziale Gefälligkeit, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit.

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