Hollywood-Studios ziehen gegen ByteDance' KI-Videogenerator vor
22.02.2026 - 18:10:30 | boerse-global.deNetflix, Warner Bros. Discovery, Disney und Paramount drohen ByteDance mit Klagen. Der Vorwurf: Dessen KI-Tool Seedance 2.0 nutze ihr urheberrechtlich geschütztes Material als Trainingsdaten. Die Konfrontation könnte zum Präzedenzfall für KI und geistiges Eigentum werden.
Die juristische Offensive erreichte diese Woche eine neue Eskalationsstufe. Nachdem Disney und Paramount bereits Mitte Februar erste Unterlassungsschreiben verschickt hatten, schlossen sich nun auch Netflix und Warner Bros. Discovery mit eigenen Forderungen an. Sie bilden eine geschlossene Front gegen den chinesischen Tech-Konzern, der auch TikTok besitzt. Die Studios bezeichnen Seedance 2.0 als „Hochgeschwindigkeits-Piraterie-Maschine“, die mit ihren wertvollsten Inhalten – von Blockbuster-Filmen bis zu Serien-Hits – trainiert worden sei.
„Plünderung“ von Marvel, Star Wars und Harry Potter
Die Vorwürfe sind massiv. Disney spricht in seinem Schreiben von einer „virtuellen Plünderung“ seines geistigen Eigentums. Seedance 2.0 sei mit einer „piratierten Bibliothek“ von Charakteren aus dem Marvel- und Star Wars-Universum vorbeladen worden, als stünden diese frei zur Verfügung. Paramount erhebt ähnliche Vorwürfe.
Warner Bros. Discovery präzisiert die Anschuldigung: Die Nutzung von Figuren aus Harry Potter und DC Comics stelle eine „eindeutige Rechtsverletzung“ dar. Nicht die Nutzer seien das Problem, sondern die von ByteDance bewusst geschaffene, rechtsverletzende Grundlage. Netflix fordert konkret die Löschung aller eigenen Inhalte aus den Trainingsdaten und droht mit sofortiger Klage.
Viral durch gefälschte Stars und Serien-Enden
Auslöser der Krise war die virale Verbreitung KI-generierter Videos. Seedance 2.0, das im Februar 2026 veröffentlicht wurde, erzeugt aus einfachen Textbefehlen täuschend echte Filmclips. Schnell tauchten Videos mit Tom Cruise und Brad Pitt in einer gefälschten Actionszene auf. Nutzer kreierten alternative Enden für Serien wie „Game of Thrones“ oder ließen Superman gegen Wolverine antreten.
Diese Clips, die eindeutig auf urheberrechtlich geschützten Werken basieren, wurden millionenfach geteilt. Für die Studios war dies der letzte Anstoß zum Handeln. Die Branche fürchtet um die Kontrolle über ihre wertvollsten Assets und die Entwertung originaler Inhalte.
ByteDance in der Defensive – auch in Japan
ByteDance reagiert verhalten auf die Vorwürfe. Ein Unternehmenssprecher betont, man nehme die Bedenken ernst, respektiere geistige Eigentumsrechte und arbeite an besseren Schutzvorkehrungen. Konkrete Maßnahmen nannte das Unternehmen jedoch nicht.
Der Druck auf den Konzern wächst international. Neben den US-Studios hat auch die japanische Regierung eine Untersuchung eingeleitet. Grund ist die unerlaubte Nutzung beliebter Anime- und Manga-Charaktere durch Seedance 2.0.
Grundsatzstreit: Fair Use versus Eigentumsrechte
Der Konflikt ist symptomatisch für den globalen Grundsatzstreit um KI-Training. Tech-Unternehmen argumentieren oft mit „Fair Use“: Das Sammeln öffentlich verfügbarer Daten sei für Innovation notwendig. Rechteinhaber sehen dies als Enteignung. Ihre Werke würden ohne Zustimmung und Vergütung genutzt, um kommerzielle Produkte zu schaffen, die mit den Originalen konkurrieren.
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Die einheitliche Aktion der Filmriesen zeigt, dass die Debatte einen kritischen Punkt erreicht hat. Branchenverbände wie die Motion Picture Association und die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA verurteilen Seedance 2.0 scharf. Das Tool bedrohe die Existenzgrundlage von Kreativen, da es Arbeit und Abbild ohne Erlaubnis nutzbar mache.
Vorbildwirkung für die gesamte KI-Branche
Die Branche wartet nun auf ByteDance' Reaktion. Kommt das Unternehmen den Forderungen nicht nach, drohen aufwändige Präzedenzprozesse. Diese würden klären, ob die identifizierbare Kopie urheberrechtlich geschützter Werke für das KI-Training und daraus resultierende, ähnliche Outputs rechtswidrig sind.
Die kommenden Monate werden richtungsweisend sein. Sie entscheiden, wie das Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und dem Schutz geistigen Eigentums künftig geregelt wird. Das Duell zwischen Hollywood und ByteDance könnte die Regeln für Künstliche Intelligenz und kreative Inhalte auf Jahre hinaus festlegen.
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