Harvey AI expandiert nach Texas
15.02.2026 - 13:21:12Harvey AI expandiert nach Texas, um Kundennähe und Großkunden zu gewinnen.
Harvey AI bestätigte in dieser Woche die Eröffnung eines Büros in Dallas, um die Präsenz im wachsenden Rechtsmarkt der Region zu stärken. Der Schritt kommt wenige Tage, nachdem die britische Lawtech-Firma Lawhive eine weitere US-Expansion finanziert erhielt. Die Entwicklung verdeutlicht eine Schere im Markt zwischen führenden Anbietern und schwächer aufgestellten Mitbewerbern.
Harvey AI treibt damit eine neue Phase der Branche voran: Weg von rein cloudbasierten Lösungen hin zu regionalen Zentren, die komplexe Enterprise-Beziehungen betreuen. Die Texas-Expansion soll vor allem den Energiesektor und große Kanzleien in der Region stärker einbinden. Bereits Ende 2025 meldete Harvey AI einen ARR von rund 175 Millionen Euro. Das Unternehmen arbeitet international mit mehr als 1.000 Rechtsabteilungen zusammen, darunter Vinson & Elkins.
Dallas als Hub: Warum Texas? Die Dichte an Firmensitzen und Großkanzleien in Texas macht das Bundesland zu einemlogisch-naheliegenden Standort für ein Unternehmen, das Vertragsprüfungen, Due Diligence und regulatorische Compliance mit KI-gestützten Tools unterstützt. Branchenbeobachter sehen dies als Vorstoß in die unternehmensorientierte Rechtsdienstleistung und eine Reaktion auf steigende Nachfrage nach automatisierter Rechtsarbeit in Großkundenstrukturen.
Lawhive setzt US-Expansion fort
Bereits Anfang Februar schloss Lawhive eine Serie-B-Finanzierung über rund 60 Millionen US-Dollar (ca. 55 Millionen Euro). Led von Mitch Rales, Mitbegründer der Danaher Corporation, mit Beteiligung von GV (Google Ventures) und TQ Ventures, sollen die Mittel vor allem in den US-Markt fließen. Lawhive bietet eine Plattform, die ein KI-„Paralegal“ namens Lawrence mit menschlichen Juristen kombiniert, um Routineaufgaben für kleine Unternehmen und Privatpersonen zu automatisieren. Laut Unternehmensangaben liegt der Jahresumsatz des Modells bei mehr als 35 Millionen US-Dollar annualisiert (etwa 32 Millionen Euro).
Für den deutschen Rechtsmarkt bedeutet dies: Die Spezialisierung auf KI-native Kanzleien könnte auch hier kommen. Große Anwaltskanzleien und Corporate-Abteilungen werden vermehrt partnerschaftlich mit KI-Plattformen arbeiten, um Kosten zu senken und Durchsatz zu erhöhen. Zudem zeigt Lawhives Ansatz, dass KI nicht mehr nur Unterstützung, sondern Betriebssystem für Rechtsdienstleistungen ist.
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Konzentration im Markt: Robin AI unter Druck
Gleichzeitig zeigen Berichte eine Gegenbewegung: Robin AI, ein auf Vertragsentwürfe spezialisierter britischer Anbieter, steht vor einer Rettungsrunde, nachdem ein geplanter Finanzierungsschuss von rund 50 Millionen US-Dollar nicht wie erhofft zustande kam. Das Unternehmen musste Kapazitäten kürzen und trat zuletzt auf einem Markt für notleidende Unternehmen auf. Experten sehen darin das klare Signal einer zunehmenden „Flight to Quality“ der Investoren: Wenige Plattformen mit breiter Ausrichtung ziehen das Kapital an, während spezialisierte Nischenanbieter schwere Zeiten erleben.
Ausblick: Größeres Momentum, mehr Fusionen?
Branchenbeobachter erwarten, dass die Verschiebung zu größeren, integrierten KI-Plattformen anhält. Sollte Harvey AI seine Bewertung von rund 11 Milliarden US-Dollar erreichen, könnte der Druck auf mittelgroße Wettbewerber steigen. Analysten rechnen in den kommenden Quartalen mit weiterer Mergers-and-Acquisitions-Aktivität, da Marktführer Kapital nutzen, um kleinere Spezialanbieter oder Datenbestände zu übernehmen. Für Kanzleien und Rechtsabteilungen bedeutet dies: Die Experimentierphase der Legal-Tech-Tools geht zu Ende; der Fokus liegt nun auf großvolumiger Bereitstellung und abgestuetzter Partnerarbeit.
Vibe Coding: Automatisierung wird von Juristen selbst getrieben
Jenseits der Finanzzahlen deutet sich eine weitere Entwicklung an: Experten diskutieren von „Vibe Coding“ – Anwälte bauen mithilfe natürlicher Sprache Customized-Tools. Die nächste Welle der Automatisierung könnte daher nicht mehr ausschließlich von externen Anbietern kommen, sondern direkt von Juristen, die mithilfe KI eigene Werkzeuge für konkrete Fälle oder Mandanten entwickeln. Dennoch bleibt der unmittelbare Trend: Schnellere Skalierung etablierter Plattformen.
Fazit: Globaler Rechtsmarkt im Wandel
Die Woche zeigte deutlich: Der Markt für KI im Rechtswesen konsolidiert sich weiter, während neue Zugänge wie Dallas und Austin neue Maßstäbe setzen. Für Deutschland bedeutet das vor allem: Kanzleien und Unternehmen sollten KI-Strategien weiter entschlossen vorantreiben, Partnerschaften prüfen und die Kostenstruktur für Rechtsdienstleistungen im Blick behalten. Der nächste Großetat könnte schon bald folgen.
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