Handwerk, Psychisch

Handwerk: Psychisch stabiler als Bürokollegen

10.02.2026 - 11:40:12

Beschäftigte im Handwerk zeigen seltener psychische Erkrankungen, besonders Auszubildende. Der massive Personalmangel führt jedoch zu gefährlicher Arbeitsverdichtung und Stress.

Das Handwerk zeigt sich psychisch widerstandsfähiger als die Industrie. Aktuelle Daten großer Krankenkassen widerlegen das Klischee von der überlasteten Werkbank. Doch der massive Fachkräftemangel erhöht den Druck auf die verbliebenen Kräfte drastisch.

Überraschende Zahlen: Azubis im Handwerk robuster

Die Statistik überrascht: Beschäftigte im Handwerk leiden seltener unter psychischen Erkrankungen als Kollegen in Industrie oder Dienstleistung. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den Auszubildenden.

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  • In der Industrie ist laut IKK classic rund jeder fünfte Azubi (20,2 Prozent) betroffen.
  • Im Handwerk liegt der Anteil bei nur 10,7 Prozent.

Experten führen das auf feste Tagesstrukturen, sichtbare Arbeitsergebnisse und das oft familiäre „Wir-Gefühl“ in kleineren Betrieben zurück. Die Achillesferse der Branche bleibt jedoch der Körper: Rückenleiden dominieren die Krankschreibungen. Tritt eine psychische Erkrankung auf, fallen Handwerker im Schnitt fast 29 Tage aus – deutlich länger als bei anderen Leiden.

Fachkräftelücke wird zum größten Stressfaktor

Die relative psychische Stabilität wird durch eine externe Gefahr bedroht: den Personalmangel. Laut Instituten wie dem IW und KOFA konnten zuletzt weit über 100.000 Stellen nicht besetzt werden. Branchenverbände sehen eine Lücke, die sich einer Viertelmillion Fachkräfte nähert.

Die Folge für die Belegschaft? Eine gefährliche Arbeitsverdichtung. Fünf Gesellen müssen die Arbeit von sieben erledigen. Überstunden häufen sich, Termindruck steigt. Analysten warnen: Diese Überlastung ist das größte Risiko für die mentale Stabilität im Handwerk. Der Stress entsteht nicht durch Sinnkrise, sondern durch schlicht zu viel Arbeit bei hohem Qualitätsanspruch.

Junge Generation fordert neue Balance

Ein weiterer Spannungsfaktor ist der kulturelle Wandel. Während Ältere oft noch einer „Zähne zusammenbeißen“-Mentalität folgen, fordert die Generation Z auch auf der Baustelle eine klare Work-Life-Balance.

Interessanterweise sind junge Handwerker zwischen 20 und 29 Jahren laut IKK classic sogar gesünder als gleichaltrige Nicht-Handwerker. Das zeigt: Die junge Generation ist resilient – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Betriebe, die auf diese Bedürfnisse eingehen, haben weniger Probleme. Vier-Tage-Woche-Modelle oder digitale Hilfsmittel wie Exoskelette werden zum Gesundheitsfaktor. Sie entlasten den Körper und reduzieren Stress.

Tabu bröckelt – Prävention wird entscheidend

Trotz der guten Zahlen bleibt die Hemmschwelle hoch, über psychische Belastungen zu sprechen. In der männlich dominierten Branche werden Ängste oder Depressionen oft in Rückenschmerzen „übersetzt“, für die keine körperliche Ursache gefunden wird.

Im Vergleich zu Büroberufen hinkt die Präventionskultur in vielen Betrieben noch hinterher. Doch der Wind dreht sich: Handwerkskammern integrieren das Thema zunehmend in die Meisterausbildung.

Für 2026 zeichnet sich eine Zweiteilung ab. Betriebe, die psychische Gesundheit als Teil der Arbeitssicherheit begreifen, werden im Kampf um Talente die Nase vorn haben. Die mentale Widerstandskraft wird zur vielleicht wichtigsten Ressource im Handwerk der späten 2020er Jahre.

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