GVP-Tarifwerk, Neustart

GVP-Tarifwerk: Neustart für die deutsche Zeitarbeit

12.03.2026 - 00:00:19 | boerse-global.de

Der einheitliche Manteltarifvertrag für die Zeitarbeit ist in Kraft und bringt gestaffelte Lohnerhöhungen, eine 35-Stunden-Woche sowie neue Regeln für Arbeitszeitkonten mit sich.

GVP-Tarifwerk: Neustart für die deutsche Zeitarbeit - Foto: über boerse-global.de
GVP-Tarifwerk: Neustart für die deutsche Zeitarbeit - Foto: über boerse-global.de

Der neue Manteltarifvertrag für die Zeitarbeit ist in Kraft – und stellt die Branche auf den Kopf. Auf dem GVP-Rechtsforum in Erfurt diskutieren Experten die praktischen Folgen des historischen Deals.

Seit dem 1. Januar 2026 gilt ein einheitlicher Tarifvertrag für die gesamte deutsche Zeitarbeitsbranche. Die Umsetzung dieses historischen Deals zwischen dem Gesamtverband der Personaldienstleister (GVP) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) steht im Mittelpunkt des zweitägigen „Rechtsforums Personaldienstleistung“ in Erfurt. Hunderte Personalverantwortliche und Juristen beraten über die konkreten Auswirkungen auf Löhne, Arbeitszeitkonten und den Alltag von rund 650.000 Leiharbeitern.

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Ein Tarifwerk beendet die Zersplitterung

Die Einigung markiert das Ende einer langen Spaltung. Jahrelang prägten parallele Tarifverträge der früheren Arbeitgeberverbände BAP und iGZ den Markt. Nach deren Fusion zum GVP Ende 2023 war die Harmonisierung das nächste große Ziel. Das Ergebnis ist ein komplexes Regelwerk aus Mantel-, Entgelt- und Lohnrahmentarifvertrag sowie elf Branchenzuschlagstarifen.

„Die Vereinheitlichung schafft endlich Planungssicherheit und reduziert den administrativen Aufwand enorm“, so ein Tenor der Konferenz. Für die Betriebe bedeutet das allerdings intensive Umstellungsarbeit. Übergangsfristen für alte Arbeitszeitmodelle laufen teilweise bis 2029.

Stufenweise Lohnerhöhungen bis 2027

Ein heiß diskutiertes Thema in Erfurt sind die neuen Gehaltsstrukturen. Nach zähen Verhandlungen einigten sich GVP und DGB auf ein gestaffeltes Lohnplus über 24 Monate. Nach drei „leeren“ Monaten Ende 2025 stiegen die Gehälter zum Jahreswechsel um 2,99 Prozent. Die nächsten Schritte folgen am 1. September 2026 (plus 2,5 %) und am 1. April 2027 (plus 3,5 %).

Doch es geht um mehr als nur das Grundentgelt. Der Tarif verankert die 35-Stunden-Woche (151,67 Monatsstunden) und setzt strikte Limits für Arbeitszeitkonten. Das Guthaben ist jetzt auf 200 Stunden gedeckelt, in Spitzenzeiten auf 230. Die entscheidende Neuerung: Überschreitet das Konto 150 Stunden, muss der Arbeitgeber für diesen Betrag eine Insolvenzsicherung vorhalten. Auch Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld werden dynamisch an die neuen Entgeltgruppen gekoppelt.

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Juristische Fallstricke in der Übergangsphase

Die Vereinheitlichung bringt Klarheit, aber der Weg dorthin ist gepflastert mit Compliance-Herausforderungen. In Fachsessions loten Juristen die Details aus. Ein Schwerpunkt sind die geänderten Kündigungsfristen. In den ersten sechs Monaten eines Arbeitsverhältnisses gelten nun kürzere Fristen – ohne dass es einer ausdrücklichen Probezeit bedarf. Das gibt den Personaldienstleistern mehr Flexibilität.

Weitere Knackpunkte: Arbeitet ein Leiharbeiter beim Kunden im Schicht- oder Wochenendbetrieb, gelten diese besonderen Arbeitszeiten automatisch auch für ihn. Neu abgeschlossene Verträge enden zudem automatisch mit Erreichen der Regelaltersgrenze. Rechtsberater raten dringend zur Überprüfung aller bestehenden Betriebs- und Arbeitsverträge. „Die Anpassung der Gehaltssoftware ist eine Daueraufgabe“, merkt ein Teilnehmer an, mit Blick auf die frisch aktualisierten Branchenzuschlagstarife für die Metall- und Elektroindustrie.

Neue Planungssicherheit beflügelt die Branche

Die Tarifeinheit kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Trotz der Schwäche in der deutschen Industrie blicken Personaldienstleister vorsichtig optimistisch in das Jahr 2026. Der aktuelle Lünendonk-Konjunkturindex prognostiziert ein Umsatzplus von 5,2 Prozent. Die jetzt klaren Personalkosten bis 2027 ermöglichen eine präzisere Kalkulation gegenüber den Entleihbetrieben.

In einem angespannten Fachkräftemarkt will sich die Zeitarbeit mit den verbesserten, transparenten Bedingungen als attraktive Alternative positionieren. Die Branche hofft, so mehr Bewerber zu gewinnen. Der nächste praktische Stresstest folgt im September, wenn die zweite Lohnstufe wirksam wird. Bis dahin müssen die Systeme reibungslos funktionieren.

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