Großrazzia, Baugewerbe

Großrazzia im Baugewerbe: Über 800 Verfahren nach bundesweiter Kontrolle

13.03.2026 - 00:00:15 | boerse-global.de

Bei einer bundesweiten Großaktion im Baugewerbe leitete die Zollfahndung über 800 rechtliche Verfahren ein. Schwerpunkte waren Schwarzarbeit, Mindestlohnverstöße und illegale Beschäftigung.

Großrazzia im Baugewerbe: Über 800 Verfahren nach bundesweiter Kontrolle - Foto: über boerse-global.de
Großrazzia im Baugewerbe: Über 800 Verfahren nach bundesweiter Kontrolle - Foto: über boerse-global.de

Die deutsche Zollfahndung hat in einer bundesweiten Schwerpunktaktion im Baugewerbe massive Verstöße aufgedeckt. Bei der Großrazzia am Dienstag leiteten die Beamten vor Ort über 800 rechtliche Verfahren ein – ein deutliches Signal gegen Schwarzarbeit und Lohndumping.

Ein massiver Einsatz mit klarem Fokus

Rund 3.200 Zollbeamte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) durchsuchten am 10. März koordiniert Baustellen in allen Bundesländern. Im Visier hatten sie dabei nicht nur große Bauprojekte, sondern auch zahlreiche Handwerksbetriebe. Die Prüfer befragten etwa 8.000 Arbeiter zu ihren Löhnen und ihrem Aufenthaltsstatus und überprüften die Unterlagen von mehr als 300 anwesenden Arbeitgebern.

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Ziel war es, Verstöße gegen den Mindestlohn, Sozialbetrug und illegale Beschäftigung aufzudecken. „Die Bauwirtschaft bleibt ein Schwerpunktbereich für uns“, erklärt ein FKS-Sprecher. Die Branche sei aufgrund komplexer Subunternehmerketten und vieler Saisonarbeiter besonders anfällig.

Hunderte Verfahren und tausende neue Hinweise

Die Bilanz nach den ersten Auswertungen ist ernüchternd: Die Beamten eröffneten direkt auf den Baustellen etwa 340 Strafverfahren und 500 Ordnungswidrigkeitsverfahren. Bei rund 250 der Strafverfahren geht es um den Verdacht des illegalen Aufenthalts. In 40 Fällen sollen Arbeitgeber vorsätzlich Sozialabgaben hinterzogen haben.

Besonders auffällig: In etwa 220 Fällen beschäftigten Unternehmen mutmaßlich Ausländer ohne gültige Arbeitserlaubnis. Über 100 Personen konnten sich auf der Baustelle nicht ausweisen. Noch bedeutender sind die fast 2.200 konkreten Hinweise, die nun eine tiefgehende Nachprüfung der Buchhaltung betroffener Firmen nach sich ziehen. Die endgültige Zahl der Verfahren wird in den kommenden Monaten daher noch deutlich steigen.

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Von Brandenburg bis Nordrhein-Westfalen: Die Brennpunkte

Die Razzia traf bundesweit große Bauvorhaben. In Brandenburg sicherten etwa 100 Beamte mit 36 Fahrzeugen eine Großbaustelle für Wohnungen in Bernau. In Nordrhein-Westfalen überprüfte das Hauptzollamt Dortmund 274 Personen und 12 Firmen. Dabei wurden 44 mutmaßliche Mindestlohnverstöße und 11 Fälle von Sozialbetrug festgestellt.

Im Raum Köln stießen Beamte auf zahlreiche ausländische Arbeiter ohne deutsche Arbeitserlaubnis, darunter Personen aus Tadschikistan mit nur polnischen Papieren. Auch in Hamburg, wo 70 Beamte im Stadtzentrum und in Barmbek im Einsatz waren, wurden zahlreiche Verdachtsfälle an die Staatsanwaltschaft übergeben.

Ein systemisches Problem mit hohen Kosten

Die aktuelle Aktion unterstreicht ein anhaltendes Problem. Allein 2025 leitete die FKS in der Bauwirtschaft über 10.000 Straf- und 7.900 Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Erschreckend: Rund 60 Prozent des gesamten finanziellen Schadens, den die FKS 2025 bundesweit aufdeckte, entfielen auf das Baugewerbe.

Illegale Praktiken verzerren den Wettbewerb und schaden ehrlichen Unternehmen. Dem Staat entgehen Steuern und Sozialabgaben. Die betroffenen Arbeiter hingegen haben oft keinen Zugang zu Krankenversicherung oder Arbeitsschutz. Die Justiz zeigt inzwischen Härte: Erst kürzlich verurteilte das Landgericht Dortmund einen Bauunternehmer zu fast drei Jahren Haft, weil er in über 50 Fällen Löhne einbehalten und einen Schaden von 2,7 Millionen Euro verursacht hatte.

Was kommt jetzt?

Für die FKS beginnt nun die Kleinarbeit. Die tausenden gesammelten Hinweise müssen in mühsamer Detailprüfung der Firmenbücher untersucht werden. Dabei geht es oft um undurchsichtige Netzwerke aus Briefkastenfirmen und Subunternehmen.

Betroffene Unternehmen müssen mit hohen Geldstrafen und dem Ausschluss von öffentlichen Aufträgen rechnen. Illegale Arbeiter drohen Abschiebung und mehrjährige Wiedereinreisesperren. Angesichts des enormen finanziellen Schadens der Schattenwirtschaft wird der Druck auf die Bauindustrie 2026 sicher nicht nachlassen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann die nächste Großrazzia kommt.

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