Google, EU-Kartellklage

Google vor EU-Kartellklage wegen KI-Suchzusammenfassungen

17.02.2026 - 17:40:12

Europäische Verlage verklagen Google wegen der Nutzung journalistischer Inhalte für KI-generierte Suchergebnisse, was zu massiven Traffic-Verlusten führt. Die EU-Kommission prüft den Fall.

Brüssel, 17. Februar 2026 – Alphabet-Tochter Google muss sich in Europa einer schwerwiegenden Kartellklage stellen. Der Grund: Hunderte Verlage werfen dem Tech-Riesen vor, mit seinen KI-generierten Suchzusammenfassungen („AI Overviews“) journalistische Inhalte zu übernehmen, ohne angemessen zu bezahlen oder wirksame Opt-out-Möglichkeiten anzubieten. Die Klage könnte zum Präzedenzfall für die Nutzung von KI im Internet werden.

Verlage in der Zwickmühle: Sichtbarkeit oder Schutz?

Die Klage des Europäischen Verlegerrats (EPC) vom 10. Februar 2026 stellt Google ein vernichtendes Zeugnis aus. Der Vorwurf: Der Konzern missbrauche seine marktbeherrschende Stellung als „Gatekeeper“ der Suche. Verlage sähen sich einem untragbaren Dilemma gegenüber.

Einerseits können sie mit technischen Tags wie NOSNIPPET verhindern, dass ihre Inhalte für die KI-Zusammenfassungen genutzt werden. Andererseits berichten viele, dass diese Sperren auch die Sichtbarkeit in den klassischen organischen Suchergebnissen mindern – eine Bestrafung für den Schutz des eigenen geistigen Eigentums. „Entweder man lässt Google die Inhalte für seine KI nehmen, oder man verschwindet von der dominierenden Suchplattform“, fasst ein Brancheninsider das Problem zusammen. Ein fairer Kompromiss sei derzeit nicht in Sicht.

Existenzbedrohender Traffic-Einbruch

Die wirtschaftlichen Folgen für die Verlage sind dramatisch. Seit der breiten Einführung der „AI Overviews“ melden Medienhäuser einen massiven Einbruch der Besucherzahlen von der Google-Suche. Studien zufolge sind die Klickraten global um bis zu 33 Prozent gesunken, einzelne Seiten verzeichnen sogar Rückgänge von über 40 Prozent.

Das Geschäftsmodell vieler digitaler Nachrichtenangebote gerät dadurch ins Wanken. Die KI beantwortet Fragen direkt oben auf der Ergebnisseite – warum sollte der Nutzer noch auf den Originalartikel klicken? Die Werbeeinnahmen, eine Lebensader des digitalen Journalismus, brechen weg. Gleichzeitig testet Google bereits selbst Werbeplatzierungen innerhalb der KI-Übersichten. Die Wertschöpfung konzentriert sich so immer mehr im Ökosystem des Konzerns, während die Urheber der Inhalte leer ausgehen.

Googles Verteidigung und das technische Patt

Google weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Unternehmen spricht von „unzutreffenden Behauptungen“, die eine nützliche Innovation behindern sollen, die von Nutzern gewollt sei. Man biete einfache Steuerungsmöglichkeiten an und arbeite an verfeinerten Opt-out-Optionen.

Doch hier liegt der Hund begraben: Die vorhandenen Kontrollen sind aus Sicht der Verlage stumpfe Waffen. Das Tool Google-Extended blockiert zwar die Nutzung von Inhalten zum Training von KI-Modellen wie Gemini, nicht aber deren Erscheinen in den „AI Overviews“. Um diese komplett zu verhindern, müsste ein Verlag den Google-Crawler ganz aussperren – und wäre damit unsichtbar. Diese technische Sackgasse ist der Kern des Konflikts.

EU-Kommission unter Druck zu handeln

Die Klage kommt zur rechten Zeit für die EU-Wettbewerbshüter. Die Europäische Kommission führt bereits seit Dezember 2025 eine Untersuchung zu Googles KI-Strategie in der Suche. Nun erhält das Verfahren durch die formelle Beschwerde erheblich mehr Gewicht.

Die Behörde muss nun prüfen, ob Google gegen EU-Kartellrecht verstößt. Mögliche Konsequenzen reichen von einer offiziellen Beanstandung und milliardenschweren Geldbußen bis hin zu Auflagen. Die Kommission könnte Google zwingen, faire und wirksame Opt-out-Mechanismen zu entwickeln oder sogar ein Vergütungssystem für die genutzten Verlagsinhalte einzuführen.

Anzeige

Für Verlage, Entwickler und Unternehmen, die jetzt wissen müssen, welche Pflichten die EU‑KI‑Verordnung für KI-gestützte Suchdienste und die Nutzung fremder Inhalte mit sich bringt: Ein kostenloses E‑Book erklärt Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen, Dokumentationsanforderungen und Übergangsfristen verständlich und praxisnah. So erkennen Sie schnell, ob Ihr Angebot betroffen ist und welche Maßnahmen jetzt dringend nötig sind. Jetzt kostenlosen Leitfaden zur EU‑KI‑Verordnung herunterladen

Die Entscheidung wird weit über diesen Einzelfall hinausweisen. Sie beantwortet eine grundlegende Frage des digitalen Zeitalters: Wem gehört der Wert von Informationen, wenn sie von KI aggregiert werden? Die Antwort wird die Beziehung zwischen Tech-Giganten und Content-Schaffenden weltweit für Jahre prägen.

@ boerse-global.de

Hol dir den Wissensvorsprung der Profis. Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt in dein Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr.
Jetzt anmelden.