Gematik-Systemausfall legt digitale Gesundheitskarte lahm
19.01.2026 - 17:54:12Ein bundesweiter Teilausfall der Telematikinfrastruktur behindert seit Montagmorgen die Versorgung von Patienten. Die zentrale Stelle Gematik bestätigte Probleme beim Einlösen von E-Rezepten und der Nutzung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Der Vorfall stellt die Zuverlässigkeit der digitalen Gesundheitswende erneut infrage.
Kernsystem VSDM ausgefallen
Der Ausfall betrifft einen zentralen Baustein der Telematikinfrastruktur: den Versichertenstammdatenmanagement-Dienst (VSDM). Dieses System überprüft bei jedem Kartenlesevorgang in Praxis oder Apotheke, ob die Versicherung des Patienten gültig ist. Seit etwa 10:45 Uhr am 19. Januar 2026 ist dieser Dienst gestört. Die Folge: Apotheken können die auf dem E-Rezept-Server gespeicherten Verordnungen nicht abrufen, weil die notwendige Patientenidentifikation scheitert.
Laut Gematik sind insbesondere Versicherte einiger Betriebskrankenkassen betroffen, darunter die Bergische Krankenkasse, Heimat Krankenkasse und mhplus Krankenkasse. Dies deutet auf ein Problem bei bestimmten Dienstleistern innerhalb des dezentralen Systems hin.
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Patienten stehen vor verschlossenen Apothekentüren
Für Patienten bedeutet der Ausfall konkret: Sie können ihre digitalen Rezepte mit der Gesundheitskarte derzeit nicht einlösen. Zwar existieren alternative Abrufmethoden über Apps oder Codes, doch die eGK ist der einfachste und am weitesten verbreitete Zugangsweg. Viele Transaktionen scheitern nun.
In Praxen und Apotheken zwingt der Digital-Blackout zum Rückfall in manuelle Prozesse. Statt des digitalen E-Rezepts muss vermehrt der papierne „Muster 16“-Vordruck ausgestellt und bearbeitet werden. Das verlangsamt Abläufe und führt zu Wartezeiten. Die Störung untergräbt das Vertrauen in die vielbeschworene Digitalisierung des Gesundheitswesens.
Auch elektronische Patientenakte betroffen
Die Auswirkungen gehen über E-Rezepte hinaus. Gematik warnt, dass auch der Zugriff auf die elektronische Patientenakte (ePA) beeinträchtigt sein könnte. Ärzte könnten Schwierigkeiten haben, während der Sprechstunde auf wichtige patientenbezogene Daten zuzugreifen oder diese zu aktualisieren. Das gefährdet die Behandlungsqualität und Kontinuität.
Für medizinisches Personal bedeutet jeder Ausfall eine massive Störung des eingespielten Workflow. Die wiederholten Pannen führen zu Frustration – bei denen, die die Systeme nutzen müssen, und bei den Patienten, die sich auf deren Funktionalität verlassen.
Chronische Instabilität eines Milliardenprojekts
Es ist nicht der erste schwere Vorfall dieser Art. Die Telematikinfrastruktur, die Zehntausende Praxen, Krankenhäuser und Apotheken vernetzt, hat eine Geschichte von Störungen. Vergangene Ausfälle wurden auf Probleme bei Drittanbietern, zentrale Komponenten oder VPN-Zugänge zurückgeführt.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisiert seit langem, dass Ausfälle in Grundkomponenten den Betrieb lahmlegen können – selbst wenn die eigentlichen Anwendungen wie der E-Rezept-Server online sind. Die aktuelle Panne befeuert die Debatte um die Architektur und Stabilität des milliardenschweren Digitalprojekts. Kritiker fordern: Bevor neue Funktionen eingeführt werden, muss die Grundstabilität der Infrastruktur absolute Priorität haben.
Wie geht es weiter?
Gematik und seine technischen Partner arbeiten an der Ursachenfindung und Behebung des VSDM-Fehlers. Aktuelle Informationen verbreitet die Agentur über ihr Fachportal und einen WhatsApp-Kanal. Langfristig dürfte der Vorfall die Forderungen nach mehr Redundanz, schärferen Service-Level-Agreements und transparenterer Kommunikation bei Störungen verstärken.
Die Ziele der digitalen Gesundheitsstrategie – wie die flächendeckende, verpflichtende Nutzung von E-Rezept und ePA – sind nur erreichbar, wenn die Kerndienste stabil laufen. Die Akzeptanz der Digitalisierung steht und fällt mit ihrer Zuverlässigkeit im Alltag.
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