Gebäudetyp, Einsparung

Gebäudetyp E: Einsparung oder Sicherheitsrisiko?

09.03.2026 - 00:00:11 | boerse-global.de

Ein Pilotprojekt in Augsburg senkt die Baukosten um 15 Prozent durch vereinfachte Standards. Elektrotechnik-Verbände äußern jedoch deutliche Sicherheitsbedenken.

Gebäudetyp E: Einsparung oder Sicherheitsrisiko? - Foto: über boerse-global.de
Gebäudetyp E: Einsparung oder Sicherheitsrisiko? - Foto: über boerse-global.de

Ein Pilotprojekt in Augsburg feiert Richtfest und spart über 15 Prozent Baukosten. Gleichzeitig warnen Elektrotechnik-Verbände vor gefährlichen Abstrichen bei der Sicherheit. Die Debatte um den „Gebäudetyp E“ spitzt sich zu.

Neubau kostet fast 600.000 Euro

Der Traum vom Eigenheim bleibt teuer. Für einen Neubau zahlen Käufer derzeit im Schnitt 580.000 Euro. Bestandsimmobilien sind mit 380.000 Euro deutlich günstiger. Laut Analyse des Finanzdienstleisters Dr. Klein treiben strenge Vorgaben, hohe Materialkosten und knappes Angebot die Preise.

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Die reinen Baukosten pro Quadratmeter haben sich in 20 Jahren mehr als verdoppelt. Experten machen die stetig gestiegenen Anforderungen an Energieeffizienz und Technik dafür verantwortlich. Viele Interessenten können sich Neubauten schlicht nicht mehr leisen.

Augsburg spart mit simpler Technik

Dagegen setzt Bayern auf Experimente. In Augsburg-Haunstetten entstehen 54 Mietwohnungen als „Gebäudetyp E“ – das „E“ steht für einfach. Das Richtfest wurde diese Woche gefeiert. Die Bauwerkskosten sanken um mehr als 15 Prozent.

Wo wurde gespart? Auf eine teure Tiefgarage wurde verzichtet, was zwei Millionen Euro einbrachte. Statt komplexer Lüftung kommt eine Stromdirektheizung mit Photovoltaik zum Einsatz. Bauminister Christian Bernreiter betont: Durch den Verzicht auf nicht zwingend nötige Standards wird bezahlbares Bauen möglich.

DKE warnt vor Abstrichen bei Sicherheit

Doch die Lockerung der Vorschriften ist umstritten. Die Deutsche Kommission Elektrotechnik (DKE) warnt in einer Stellungnahme eindringlich vor Risiken. Sicherheit dürfe keine Verhandlungsmasse sein, so der Verband.

Gebäude entwickelten sich zu aktiven Teilen des Energiesystems, argumentiert die DKE. Mit Photovoltaik, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur erzeugen und verteilen sie Strom. Abstriche bei elektrotechnischen Normen bergen erhebliche Risiken für Menschen und Sachwerte. Die Folgekosten durch Nachrüstungen könnten die kurzfristigen Einsparungen bei weitem übersteigen.

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Während beim Bauen über Standards diskutiert wird, ist die Sicherheit im Betrieb bereits gesetzlich klar geregelt. Mit dieser kostenlosen Muster-PowerPoint bereiten Sie Ihre nächste Elektro-Unterweisung in nur 15 Minuten rechtssicher vor und verhindern Unfälle im Umgang mit elektrischen Geräten. Kostenloses Elektro-Unterweisungspaket herunterladen

Potsdam setzt ökologische Vorgaben aus

Auch Kommunen handeln. Potsdam schlug Anfang März ein Moratorium für eigene Bauvorgaben vor. Die Stadt will Vorgaben zum ökologischen Bauen und zur Holzbau-Initiante vorübergehend aussetzen.

Der Grund: Kommunale Wohnungsbaugesellschaften können Projekte kaum noch wirtschaftlich umsetzen. Das Moratorium soll bis Ende 2030 gelten und eine systematische Überprüfung ermöglichen. Muss die Schaffung von Wohnraum Vorrang vor maximaler Nachhaltigkeit haben? Diese Frage stellen sich immer mehr städtische Entwickler.

Paradigmenwechsel in der Bauwirtschaft

Die Debatte zeigt das fundamentale Dilemma. Hohe Kosten zwingen zur Wirtschaftlichkeit, ambitionierte Klimaziele und Sicherheitsstandards fordern hohe Investitionen. Der „Gebäudetyp E“ markiert einen Paradigmenwechsel.

Bislang galt: Baue nach den bestmöglichen Regeln der Technik. Jetzt wird ein einfacherer Standard erprobt, der nur elementare Schutzziele erfüllt. Können so Bauvorhaben wieder rentabel werden? Der Widerstand der Fachverbände zeigt: Die Grenze zwischen Komfort und Sicherheit ist schwer zu ziehen.

Gesetzentwurf für Gebäudetyp E in Arbeit

Die Weichen werden bald gestellt. Bundesbauministerium und Bundesjustizministerium arbeiten an einem Gesetzentwurf für einen speziellen „Gebäudetyp-E-Vertrag“. Er soll es Vertragsparteien rechtssicher ermöglichen, von teuren Standards abzuweichen. Die Einbringung ins Kabinett ist für Ende 2026 geplant.

Bis dahin bleibt die Lage angespannt. Die Bauzinsen liegen zwar stabil bei etwas über drei Prozent. Eine deutliche Verbilligung des Bauens erwarten Experten in diesem Jahr jedoch nicht. Der Erfolg hängt davon ab, ob die Kosten so weit sinken, dass bezahlbarer Wohnraum für breite Schichten wieder möglich wird.

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