Fujitsu, Blockchain-Pilot

Fujitsu startet Blockchain-Pilot für grünen Stahl

14.01.2026 - 05:51:12

Fujitsu testet eine Blockchain-Plattform, um die Herkunft von klimafreundlichem Stahl lückenlos nachzuweisen. Das Pilotprojekt soll das Vertrauen in grüne Lieferketten stärken und die Dekarbonisierung einer Schlüsselindustrie vorantreiben.

Im Kern der Initiative steht eine Datenplattform, die als digitales Logbuch für den Umweltwert von Stahl dient. Das System verwaltet sogenannte Grün-Stahl-Zertifikate. Diese werden von Stahlherstellern ausgestellt und von unabhängigen Dritten zertifiziert. Sie bestätigen einen reduzierten CO2-Fußabdruck. Wird der Stahl verkauft und weiterverarbeitet, stellt die Blockchain sicher, dass der damit verbundene Umweltwert sicher übertragen wird – ohne Doppelzählungen oder Manipulationen.

Damit löst Fujitsu ein Grundproblem im Markt für nachhaltige Materialien: Wie kann man beweisen, dass ein Endprodukt, das durch viele Hände gegangen ist, tatsächlich „grün“ ist? Die Blockchain schafft eine unveränderliche Aufzeichnung. Sie bietet jederzeit Nachvollziehbarkeit für Unternehmens- und Branchendaten. So können alle Beteiligten in der Lieferkette die Einzigartigkeit des Umweltwerts verifizieren. Die Plattform nutzt Lösungen aus dem „Fujitsu Sustainable Value Accelerator“, einem Paket für die grüne Transformation von Unternehmen.

Anzeige

Import- und Industrieunternehmen müssen CO2-Emissionen ihrer Produkte künftig deutlich transparenter melden – und das trifft die Stahlbranche besonders hart. Der EU‑CO2‑Grenzausgleich (CBAM) verlangt verlässliche Nachweise zu Emissionswerten entlang der Lieferkette. Ein kostenloser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, welche Berichtspflichten gelten, wie Sie Lieferketten‑Daten rechtssicher nachweisen und Bußgelder vermeiden. Mit praktischen Checklisten für Einkaufs- und Compliance‑Teams, die sofort umgesetzt werden können. CBAM‑Leitfaden kostenlos herunterladen

Stahlindustrie setzt auf verifizierbare Klimadaten

Die globale Stahlindustrie gehört zu den größten industriellen CO2-Emittenten. Ihre Dekarbonisierung ist daher ein zentrales Klimaziel. Grüner Stahl, der etwa mit grünem Wasserstoff oder Strom aus erneuerbaren Energien statt in Kohlehochöfen produziert wird, ist ein entscheidender Weg, die Umweltbelastung zu senken. Die höheren Kosten und komplexen Produktionsmethoden erfordern jedoch ein robustes System zur Überprüfung der Klimaaussagen.

Genau hier setzt Fujitsus Plattform an. Sie schafft einen Mechanismus für transparenten und sicheren Informationsaustausch. Die Umweltattribute des Stahls können so getrennt vom physischen Materialfluss, aber dennoch sicher, verwaltet werden. Dieser Ansatz entspricht neuen globalen Standards für die CO2-Bilanzierung, wie der Massenbilanzmethode. Ein System, das die Glaubwürdigkeit grüner Claims sicherstellt, soll die Nachfrage ankurbeln und den Markt für nachhaltigen Stahl stärken.

Pilotprojekt als strategische Kooperation

Der Demonstrationsversuch läuft von Dezember 2025 bis Februar 2026. Das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) hat das Projekt ausgewählt – ein Zeichen für seine nationale Bedeutung in Japans Industrie- und Umweltstrategie. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen der Stahlbranche wird die praktische Anwendbarkeit unter realen Bedingungen getestet.

In der Testphase will Fujitsu potenzielle Probleme in Geschäftsprozessen und operative Hürden bei der Einführung des digitalen Mechanismus identifizieren. Diese Erkenntnisse sind entscheidend, um die Plattform zu verfeinern. Sie muss die komplexen Anforderungen der gesamten Lieferkette erfüllen – vom Hersteller bis zum Endkunden.

Aufbauend auf digitalem Vertrauen

Die Grün-Stahl-Initiative ist nicht Fujitsus erster Vorstoß in die Blockchain-basierte Verwaltung von Umweltwerten. Das Unternehmen war bereits an Projekten zum Handel mit CO2-Zertifikaten beteiligt. Die neue Plattform stellt eine Weiterentwicklung dieser Arbeit dar. Sie überträgt die Prinzipien des digitalen Vertrauens direkt auf eine physische, kohlenstoffintensive Lieferkette.

Branchenbeobachter betonen: Während viele Unternehmen Software zur CO2-Verfolgung entwickeln, bietet die Blockchain einen klaren Vorteil. Einmal erfasste Daten können nicht mehr verändert werden. Das ist besonders wertvoll für die ESG-Berichterstattung (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung), bei der Genauigkeit und Prüfbarkeit oberste Priorität haben. Da die Vorschriften für CO2-Offenlegungen weltweit strenger werden, könnten solche fälschungssicheren Technologien unverzichtbar werden.

Vom Pilot zur Branchenlösung

Nach Abschluss des Piloten im Februar 2026 will Fujitsu die Ergebnisse analysieren. Ab 2026 könnte die Plattform dann in den Vollbetrieb für die Stahlindustrie überführt und ausgeweitet werden. Die langfristige Vision ist ein umfassender Datenraum für die Stahlbranche. Dieser soll den sicheren und flexiblen Austausch verlässlicher Umweltdaten über Branchen- und Ländergrenzen hinweg ermöglichen.

Ein Erfolg in der Stahlindustrie könnte als Blaupause für andere Sektoren dienen. Denkbar ist die Übertragung des Mechanismus auf Materialien wie Aluminium, Zement oder Kunststoffe. Fujitsu will so die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen stärken und gleichzeitig zu einer nachhaltigen Gesellschaft beitragen. Das abstrakte Ziel der Dekarbonisierung würde so zu einem verifizierbaren und handelbaren Gut.

Anzeige

Übrigens: Stehen Sie vor den Herausforderungen des CBAM‑Reportings? Unser gratis E‑Book zeigt, wie Importeure ihre CO2‑Meldungen rechtssicher erstellen, Datenlücken in Lieferketten schließen und Meldefristen zuverlässig einhalten. Enthalten sind Ausnahmen, praktische Handlungsempfehlungen für das Lieferanten‑Management und eine Checkliste zur schnellen Risikoeinschätzung. Ideal, um Compliance‑Risiken zu minimieren und Ihre Nachhaltigkeitsnachweise belastbar zu machen. CBAM‑Reporting‑Guide herunterladen

@ boerse-global.de