Fraunhofer-Studie, Kipppunkt

Fraunhofer-Studie findet Kipppunkt für Homeoffice-Produktivität

18.02.2026 - 05:30:12 | boerse-global.de

Eine Studie zeigt, dass Heimarbeit die Produktivität um 20 Prozent steigern kann, jedoch nur bis zu einem Anteil von etwa drei Tagen pro Woche. Danach sinkt die Leistung wieder.

Homeoffice steigert die Produktivität – aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Eine neue Studie des Fraunhofer IAO und der Techniker Krankenkasse identifiziert einen klaren Wendepunkt bei etwa 60 Prozent Heimarbeit. Danach sinkt die Leistung wieder.

Die 20-Prozent-Steigerung und ihre Grenze

Die zweijährige Untersuchung mit rund 11.000 Beschäftigten im Sachbearbeiterbereich zeigt: Im Homeoffice bearbeiteten die Mitarbeiter im Schnitt 20 Prozent mehr Kundenanliegen. Die höhere Produktivität ist vor allem auf bessere Konzentration bei Einzelaufgaben zurückzuführen.

Doch dieser Vorteil hat eine Grenze. Er gilt nur, solange nicht mehr als etwa drei Tage pro Woche von zu Hause gearbeitet wird. Wird dieser Anteil von 60 Prozent überschritten, kehrt sich der Trend um – die Produktivität beginnt zu sinken.

Der Grund: Fehlender Flurfunk

Als Hauptursache für den Leistungsabfall jenseits des Kipppunkts nennen die Forscher den Mangel an informellem Austausch. Spontane Hilfe, kurze Abstimmungen und der soziale Kitt des Teams leiden unter zu viel Abwesenheit vom Büro.

„Soziale Erosionsprozesse“ können entstehen, die komplexe Abläufe, Wissenstransfer und langfristig die Gesamtleistung beeinträchtigen. Die Studie macht klar: Der persönliche Kontakt bleibt für Teamarbeit unersetzlich.

Hybride Modelle als klarer Favorit

Die Daten bestätigen den etablierten Trend: Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Knapp ein Viertel aller Erwerbstätigen arbeitet inzwischen zumindest teilweise remote. Doch die reine Heimarbeit ist nicht die Lösung der Zukunft.

  • Rund drei Viertel der Beschäftigten wünschen sich ein hybrides Modell.
  • Für fast die Hälfte ist Remote-Möglichkeit ein entscheidendes Kriterium bei der Jobwahl.
  • 93 Prozent geben an, Beruf und Familie durch Homeoffice besser vereinen zu können.

Die Herausforderung für Unternehmen liegt nun in der intelligenten Balance. Präsenztage sollten gezielt für Kollaboration und Teambuilding genutzt werden, Homeoffice-Tage für konzentrierte Einzelarbeit.

Führung auf Ergebnisse, nicht auf Anwesenheit

Pauschale Vorgaben für alle Mitarbeiter sind laut Studie nicht zielführend. Die Zukunft gehört tätigkeits- und teambasierten Konzepten. Führungskräfte müssen ihre Teams hybrid führen können und den Fokus auf Ergebnisse legen.

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Die Debatte ist damit eine Stufe weiter: Es geht nicht mehr um das „Ob“ des Homeoffice, sondern um das clevere „Wie“. Die gezielte Steuerung der Präsenz wird zum zentralen Erfolgsfaktor – ohne pauschal weniger Heimarbeit zu verordnen.

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