Familienstartzeit gestrichen, Mütter wollen mehr arbeiten
21.02.2026 - 09:21:12 | boerse-global.deDie Bundesregierung streicht die geplante „Familienstartzeit“ aus dem Koalitionsvertrag. Gleichzeitig zeigen neue Daten: Fast die Hälfte aller teilzeitbeschäftigten Mütter wäre bereit, mehr zu arbeiten – wenn die Bedingungen passen.
45 Prozent der Mütter würden aufstocken
Das ungenutzte Potenzial ist enorm. Eine aktuelle Analyse der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der Prognos AG belegt: 45 Prozent der befragten Mütter würden ihre Arbeitszeit erhöhen, sofern Unternehmen flexiblere Modelle anbieten. Selbst unter den aktuellen, oft starren Bedingungen sind 17 Prozent dazu bereit.
Experten der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) rechnen diese Bereitschaft in rund 350.000 zusätzliche Vollzeitstellen um. In Zeiten des akuten Fachkräftemangels ist das ein klarer Handlungsauftrag an die Arbeitgeber. Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird zur ökonomischen Notwendigkeit.
Politik lässt Familien im Stich
Während die Wirtschaft nach Lösungen sucht, herrscht in Berlin Stillstand. Die ursprünglich geplante „Familienstartzeit“ – eine zweiwöchige, bezahlte Freistellung für Partner nach der Geburt – ist vom Tisch. Das Vorhaben fand in den Koalitionsverhandlungen nach der Wahl Ende 2025 keine Mehrheit.
Damit bleibt Deutschland eines der wenigen EU-Länder, die eine entsprechende EU-Richtlinie nicht umgesetzt haben. Die Konsequenz: Auch 2026 haben Väter und zweite Elternteile keinen gesetzlichen Anspruch auf eine bezahlte Auszeit direkt nach der Geburt. Sie sind auf Urlaub, Elternzeit oder das Wohlwollen ihres Chefs angewiesen.
Flexibilität wird zum Jobmotor
Da der Staat nicht handelt, liegt der Ball bei den Unternehmen. Der Trend zur Rückkehr ins Büro, von Konzernen wie SAP oder der Deutschen Bank forciert, stößt vor allem bei Eltern zunehmend auf Widerstand.
Die neuen Daten unterstreichen diese Diskrepanz. Flexible Modelle wie Jobsharing, Vertrauensarbeitszeit oder die 4-Tage-Woche entwickeln sich zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor im Kampf um Talente. Personaler berichten, dass diese Themen in Bewerbungsgesprächen mittlerweile oft wichtiger sind als das Gehalt.
Wer Fachkräfte halten und gewinnen will, muss individuelle Lebensphasen berücksichtigen. Pauschale Anwesenheitspflichten sind out.
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Deutschland verschenkt Wachstum
Die Situation offenbart eine wachsende Kluft. Einerseits betonen Wirtschaftsinstitute wie das IW Köln regelmäßig, dass bessere Betreuung und flexible Jobs essenziell für das Wachstum sind. Andererseits fehlt der politische Wille zur Umsetzung.
Deutschland hinkt im europäischen Vergleich bei der Väterbeteiligung und der Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern hinterher. Die aktuellen Daten zeigen: Das Hindernis ist oft nicht der fehlende Wille der Arbeitnehmer, sondern die Starrheit der Strukturen in Politik und Unternehmen.
Droht eine Klagewelle?
Was kommt als nächstes? Beobachter erwarten eine Zunahme von Rechtsstreitigkeiten. Da die EU-Richtlinie nicht in nationales Recht überführt wurde, könnten sich Arbeitnehmer direkt auf europäisches Recht berufen, um Ansprüche einzuklagen.
Der Druck auf die Bundesregierung wächst, zumindest betriebliche Lösungen zu fördern. Für Unternehmen bleibt die Botschaft klar: Wer nicht auf den Gesetzgeber wartet und selbst flexible Rahmenbedingungen schafft, sichert sich im Jahr 2026 die klügsten Köpfe.
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