EUCC, Standard

EUCC: Neuer Standard für Cybersicherheit in Europa

24.02.2026 - 13:00:20 | boerse-global.de

Die EU führt mit dem EUCC einen einheitlichen Zertifizierungsrahmen ein, der mit dem Cyber Resilience Act verzahnt ist und für Hersteller verbindlich wird.

Die Zertifizierung von IT-Sicherheitsprodukten nach europäischen Regeln steht vor einem entscheidenden Wandel. Mit der Einführung des einheitlichen EU Cybersecurity Certification Scheme (EUCC) und geplanten Gesetzesverschärfungen schafft die EU einen verbindlichen Sicherheitsstandard für den gesamten Binnenmarkt. Das Ziel: Digitale Souveränität und vergleichbare Sicherheitsgarantien.

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Nationale Umsetzung: Schweden und Italien machen Ernst

Der Wechsel vom alten, fragmentierten System zum neuen EUCC-Rahmen nimmt konkrete Formen an. Am 20. Februar 2026 veröffentlichte die schwedische Verteidigungsbeschaffungsbehörde (FMV) ihren Jahresbericht. Darin bestätigt sie neue Routinen, die es privaten Zertifizierungsstellen ermöglichen, staatlich kontrollierte EUCC-Zertifikate auszustellen. So können EU-Staaten weiterhin international anerkannte Common Criteria Recognition Arrangement (CCRA)-Zertifikate vergeben – nun aber unter dem neuen europäischen Dach.

Parallel aktualisierte Italien seine Pläne. Die nationale Akkreditierungsstelle Accredia hat die Mechanismen formalisiert, um Zertifizierungsstellen und Testlabore nach den ISO-Standards 17065 und 17025 zu bewerten. Diese Schritte sind entscheidend, um Engpässe zu verhindern, wenn Hersteller ihre Hardware und Software zertifizieren lassen müssen. Die Botschaft ist klar: Bewertungen müssen in der gesamten EU streng vergleichbar und rechtlich bindend sein.

„Cybersecurity Act 2“: Der nächste regulatorische Schritt

Doch die EU denkt bereits weiter. Noch im Februar 2026 legte die Europäische Kommission Vorschläge für eine umfassende Reform des Rahmens vor – Medien sprechen bereits vom „Cybersecurity Act 2“. Das Paket soll die Verordnung von 2019 ersetzen und das European Cybersecurity Certification Framework (ECCF) deutlich ausweiten.

Ein Kernpunkt ist die Einführung der Kategorie „Key ICT Assets“. Diese zielt auf kritische Software und Hardware bei Unternehmen ab, die unter die NIS2-Richtlinie fallen. Das Ziel: Lieferkettenrisiken und geopolitische Einflussnahme durch versteckte Schwachstellen eindämmen. Der Geltungsbereich der Zertifizierungen soll zudem über Produkte hinausgehen. Geplant ist die Zertifizierung von Managed Security Services Providern (MSSPs) und die Bewertung der gesamten Cyber-Resilienz von Organisationen. Die Entwicklungszeit für solche neuen Schemata soll auf zwölf Monate verkürzt werden – eine Reaktion auf immer schnellere technologische Bedrohungen.

Verzahnung mit dem Cyber Resilience Act

Die Bedeutung der Zertifizierung wächst rasant. Sie ist keine freiwillige Übung mehr, sondern ein geschäftskritischer Faktor. Grund ist der Cyber Resilience Act (CRA). Ab dessen Inkrafttreten müssen Produkte mit digitalen Elementen strenge Cybersicherheits-Voraussetzungen erfüllen, um die CE-Kennzeichnung zu erhalten. Ein EUCC-Zertifikat gilt dann als automatischer Nachweis für die grundlegenden CRA-Anforderungen.

Diese regulatorische Verzahnung zwingt globale Hersteller zum Umdenken. Für kritische Produktkategorien kann die EU-Kommission die EUCC-Zertifizierung sogar zur Marktzulassungsvoraussetzung machen. Telekommunikationsanbieter, Cloud-Betreiber und Hersteller von Sicherheitselementen wie Smartcards müssen Common Criteria-Tests daher früh in ihre Entwicklungsprozesse integrieren. Der Druck ist global: Auch die internationale Verteidigungsindustrie sieht sich mit einer beispiellosen Konvergenz von Compliance-Rahmen konfrontiert, bei der Common Criteria die Grundlage für Regierungsaufträge bilden.

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Einheitlicher Standard als Wendepunkt für die Branche

Der Wechsel zum EUCC markiert einen Wendepunkt. Bisher war der Markt fragmentiert: Eine Zertifizierung in einem Land wurde im Nachbarland oft nicht voll anerkannt. Der EUCC beseitigt diese Grenzen und schafft einen harmonisierten Maßstab für Hochsicherheitsbewertungen.

Für die Industrie bedeutet das mehr als nur Formalien. Hohe Sicherheitsstufen im EUCC require umfassende Schwachstellenanalysen, Secure-by-Design-Methoden und robustes Lebenszyklus-Management. Für kleine und mittlere Unternehmen sind die anfänglichen Kosten und der Aufwand eine Hürde. Langfristig senken einheitliche Standards jedoch die Markteintrittsbarrieren, da länderspezifische Doppeltests entfallen. Unternehmen, die in automatisierte Compliance-Tools und sichere Entwicklungsprozesse investieren, werden einen klaren Wettbewerbsvorteil haben – besonders bei öffentlichen Ausschreibungen.

Ausblick: Konferenz in Zypern und Fristen

Das Jahr 2026 wird die Reifung des europäischen Zertifizierungsrahmens vorantreiben. Ein zentraler Termin ist die European Cybersecurity Certification Conference 2026 im April in Ayia Napa, Zypern. Die EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA) und die zyprische Ratspräsidentschaft laden Stakeholder ein, um über die strategische Entwicklung des EUCC, die Kapazitäten nationaler Stellen und die Einführung weiterer Schemata wie die EU Digital Identity (EUDI) Wallet zu diskutieren.

Die Übergangsfristen laufen ab. Hersteller müssen ihre Zertifizierungs-Roadmaps priorisieren. Das Zusammenspiel von EUCC, Cyber Resilience Act und NIS2-Richtlinie stellt sicher, dass Common Criteria-Bewertungen im Zentrum der digitalen Sicherheitsstrategie bleiben werden. Wer seine Produktentwicklung proaktiv an diesen strengen internationalen Standards ausrichtet, sichert nicht nur seine Compliance, sondern baut auch eine überprüfbare Vertrauensbasis in einem zunehmend volatilen digitalen Ökosystem auf.

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