EU-Zollreform, Pakete

EU-Zollreform beendet 150-Euro-Freigrenze für Pakete

03.03.2026 - 02:48:42 | boerse-global.de

Ab Juli 2026 fallen für Importe aus Nicht-EU-Ländern Zollpauschalen an. Die EU-Reform zielt auf fairen Wettbewerb und mehr Kontrolle über die Paketflut aus Asien ab.

Ab Juli 2026 ist Schluss mit zollfreien Online-Einkäufen aus Nicht-EU-Ländern. Die EU schafft die bisherige Freigrenze ab, um Wettbewerbsverzerrungen zu bekämpfen und die Flut an Billigpaketen einzudämmen. Für Verbraucher wird der Einkauf bei Händlern aus Asien und anderen Drittstaaten deutlich teurer.

Die Reform ist eine direkte Antwort auf das explodierende Paketaufkommen. 2024 erreichten rund 4,6 Milliarden Kleinsendungen die EU – etwa 12 Millionen pro Tag. Schätzungsweise 91 Prozent dieser Importe stammen aus China, vertrieben über Plattformen wie Shein und Temu. Bisher konnten diese Waren zollfrei eingeführt werden, was laut EU-Kommission zu massivem Betrug durch Unterbewertung und zu unfairen Bedingungen für europäische Unternehmen führte.

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Übergangslösung mit Pauschalgebühr

Statt alle Sendungen sofort dem komplexen Standardverfahren zu unterwerfen, gilt ab dem 1. Juli 2026 eine Übergangsregelung bis 2028. Für Einfuhren bis 150 Euro wird dann eine pauschale Zollabgabe von 3 Euro pro Warenkategorie fällig.

Entscheidend: Die Gebühr wird nicht pro Paket, sondern pro Warengruppe berechnet, identifiziert über den sechsstelligen HS-Code. Ein Paket mit Schuhen und einem T-Shirt fällt somit in zwei Kategorien und kostet 6 Euro Zollpauschale. Die Abgabe soll vereinfacht über Paketdienste oder die Online-Plattformen selbst via IOSS-System (Import-One-Stop-Shop) abgewickelt werden.

Mehr Fairness und Kontrolle als Ziel

Hauptziel der Reform ist fairerer Wettbewerb. EU-Händler müssen auf ihre Produkte Mehrwertsteuer und oft Zölle zahlen und konnten preislich kaum mit der Konkurrenz aus Drittstaaten mithalten. Die Zollfreiheit bot zudem Anreize, Sendungen künstlich aufzuteilen oder systematisch unterzubewerten.

Zudem verspricht sich die EU mehr Kontrolle. Die Paketflut überforderte die Kapazitäten der Zollbehörden, um EU-Standards, Sicherheitsvorschriften oder Verbote durchzusetzen. Mit der Erfassung jeder Sendung sollen nicht konforme oder gefährliche Produkte besser ferngehalten werden. Die Verantwortung wird dabei stärker auf die großen Online-Marktplätze als „fiktive Einführer“ verlagert.

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Teurere Einkäufe und strategische Folgen

Für Verbraucher heißt das: Der Preisvorteil bei Bestellungen aus Fernost schmilzt. Auf Kaufpreis und Versand kommen ab Juli 2026 die Zollpauschale und die Einfuhrumsatzsteuer.

Der international Handel steht vor einer Neuausrichtung. Globale E-Commerce-Unternehmen könnten ihre Strategie ändern – weg vom Direktversand einzelner Pakete hin zur Einfuhr größerer Kontingente und Lagerung in europäischen Logistikzentren. Das senkt die Komplexität pro Sendung, erfordert aber hohe Investitionen vor Ort. Zusätzliche nationale „Bearbeitungsgebühren“, wie sie Frankreich und Italien bereits einführen oder planen, könnten die Kosten weiter treiben.

Vollständige Digitalisierung bis 2028 geplant

Die 3-Euro-Pauschale ist nur ein Übergang. Die langfristige Vision sieht einen zentralen EU-Zolldatenhub vor, der 2028 starten soll. Dann wird die Pauschale durch die regulären, warenspezifischen Zollsätze ersetzt, die für jede Einfuhr exakt berechnet werden.

Diese Digitalisierung soll die Verfahren EU-weit vereinheitlichen und den Behörden durch datengestützte Risikoanalysen eine effizientere Überwachung ermöglichen. Bis dahin müssen sich Händler und Verbraucher auf die neue, teurere Realität des globalen Online-Handels einstellen.

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