Mercosur, Handelsabkommen

EU und Mercosur schließen historisches Handelsabkommen

19.01.2026 - 19:39:12

Die EU und die südamerikanischen Mercosur-Staaten haben ein historisches Freihandelsabkommen unterzeichnet. Es schafft eine der größten Handelszonen der Welt für über 700 Millionen Menschen. Für Österreichs exportstarke Industrie eröffnen sich damit massive Chancen – trotz heftiger Kritik aus der Landwirtschaft.

Das Kernstück des Deals ist der radikale Abbau von Zollschranken. Über 90 Prozent der Einfuhrzölle in die Mercosur-Länder Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay sollen wegfallen. Für österreichische Exporteure bedeutet das laut Wirtschaftskammer (WKÖ) jährliche Ersparnisse von rund 88 Millionen Euro.

Besonders profitieren Schlüsselindustrien:
* Fahrzeugindustrie: Bisherige Zölle von bis zu 35 Prozent entfallen.
* Maschinenbau: Einfuhrhürden von bis zu 20 Prozent werden gestrichen.
* Pharmazie & Chemie: Deutlich verbesserter Marktzugang.

Experten des International Trade Center sehen ein zusätzliches Exportpotenzial von mehr als einer Milliarde Euro für heimische Unternehmen.

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Industrie feiert „Meilenstein“

Wirtschaftsvertreter jubeln. Der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Knill, und WKÖ-Präsidentin Martha Schultz sprechen von einem „wichtigen Schritt“ und einem „Meilenstein“. Das Abkommen ist aber mehr als nur ein Absatzmarkt.

Es sichert auch den Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kupfer und Niob. Diese sind für die grüne und digitale Wende der Industrie unverzichtbar. Als erste große Wirtschaftsregion mit einem solchen Pakt hat die EU zudem einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber den USA oder China.

Landwirtschaft schlägt Alarm

Doch der Deal ist politisch hoch umstritten. Die österreichische Bundesregierung stimmte im EU-Rat dagegen, wurde aber überstimmt. Der lauteste Widerstand kommt von Bauernverbänden und Umweltorganisationen.

Ihre Hauptsorge: Billigimporte aus Südamerika mit niedrigeren Produktionsstandards könnten heimische Landwirte unter Preisdruck setzen. Konkret sorgt eine Quote für bis zu 99.000 Tonnen vergünstigten Rindfleischs für Aufregung. Umweltschützer warnen zudem vor einer Zunahme der Amazonas-Rodungen. Das Abkommen enthält zwar Schutzklauseln – ob sie wirken, bleibt umstritten.

Nächster Schritt: Das EU-Parlament

Mit der Unterschrift ist der Deal noch nicht in Kraft. Jetzt muss das Europäische Parlament zustimmen. Eine Entscheidung wird für das Frühjahr erwartet. Bei einem Ja könnte der Handelsteil bereits Mitte des Jahres vorläufig starten.

Die Industrie drängt auf schnelle Ratifizierung, um die Vorteile nicht zu verspielen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Befürworter die Bedenken der Kritiker entkräften können.

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