Mercosur, Freihandelsabkommen

EU und Mercosur schließen historisches Freihandelsabkommen

17.01.2026 - 05:22:12

Die EU und der südamerikanische Mercosur haben ein historisches Handelsabkommen unterzeichnet, das Zölle abbaut und eine riesige Freihandelszone schafft. Der Vertrag muss nun in den Parlamenten ratifiziert werden.

Die Europäische Union und der südamerikanische Mercosur haben ein historisches Handelsabkommen unterzeichnet. Der Pakt schafft eine der größten Freihandelszonen der Welt für über 700 Millionen Menschen.

Hochrangige Vertreter beider Seiten besiegelten den Deal heute in der paraguayischen Hauptstadt Asunción. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der paraguayische Präsident Santiago Peña als amtierender Mercosur-Vorsitzender leiteten die Zeremonie.

Einigung nach 25 Jahren Verhandlungsmarathon

Der heutige Erfolg beendet einen zähen Verhandlungsmarathon, der bereits 1999 begann. Immer wieder blockierten politische Unstimmigkeiten den Fortschritt. Der zentrale Streitpunkt: der Marktzugang.

Die Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay drängten auf bessere Konditionen für ihre Agrarprodukte. Die EU forderte im Gegenzug niedrigere Zölle für ihre Industriegüter wie Autos und Maschinen.

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Eine grundsätzliche Einigung gab es zwar schon 2019. Doch europäische Bedenken zum Umweltschutz – vor allem zur Abholzung des Amazonas – und der Widerstand von Bauernverbänden verzögerten den finalen Durchbruch bis Ende 2024.

Was das Abkommen konkret bringt

Der Vertrag sieht vor, über 90 Prozent aller Zölle zwischen den Blöcken schrittweise abzubauen. Die EU-Kommission rechnet mit jährlichen Einsparungen für Unternehmen von rund vier Milliarden Euro.

  • Für die europäische Automobil- und Maschinenbauindustrie fallen hohe Handelshemmnisse weg. Bislang wurden EU-Autos in Mercosur-Ländern mit Zöllen von bis zu 35 Prozent belegt.
  • Der Pakt soll zudem Lieferketten sichern und den europäischen Zugang zu wichtigen Rohstoffen verbessern.

Doch der Deal bleibt umstritten. Europäische Bauern, besonders in Frankreich, fürchten unfairen Wettbewerb durch billigere Agrarimporte. Umweltgruppen warnen vor mehr Entwaldung und höheren CO2-Emissionen.

Mehr als nur Wirtschaft: Ein geopolitisches Signal

In unsicheren globalen Zeiten sendet die Einigung auch eine politische Botschaft. Beide Seiten wollen ein klares Bekenntnis zum regelbasierten Freihandel setzen.

Beobachter deuten das Abkommen als strategische Antwort der EU auf den wachsenden Einfluss Chinas in Lateinamerika. EU-Ratspräsident António Costa sprach von einer “starken Botschaft” für das Völkerrecht in bedrohten Zeiten.

Die nächste Hürde: Die mühsame Ratifizierung

Mit der Unterschrift ist der Deal noch lange nicht in Kraft. Jetzt beginnt der politisch heikle Ratifizierungsprozess.

Die erste große Hürde ist das Europäische Parlament. Bereits in der kommenden Woche könnte eine Abstimmung den Prozess um Jahre verzögern: Soll der Europäische Gerichtshof erst ein Gutachten zum Vertrag erstellen?

Auch in nationalen Parlamenten kritischer EU-Länder wie Frankreich und Österreich wird erheblicher Widerstand erwartet. Das umfassendere Assoziierungsabkommen muss sogar von allen 27 EU-Mitgliedstaaten ratifiziert werden.

Experten gehen davon aus, dass das Handelsabkommen frühestens Ende 2026 oder Anfang 2027 vorläufig in Kraft treten könnte. Der Tag von Asunción war also ein symbolisch wichtiger, aber bei weitem nicht der letzte Schritt.

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