Standorten, KI-Gigafactories

EU startet Suche nach Standorten für KI-Gigafactories

02.01.2026 - 10:02:12

Die EU sucht Standorte für bis zu fünf Super-Rechenzentren, um mit den USA und China gleichzuziehen. Das 20-Milliarden-Euro-Projekt soll Europas technologische Souveränität stärken.

Die EU sucht nach Standorten für ihre größten KI-Rechenzentren. Mit den „Gigafactories“ will der Staatenverbund technologische Souveränität erreichen und mit den USA und China gleichziehen.

Die Ausschreibung für die europäischen KI-Gigafactories ist offiziell eröffnet. Die EuroHPC Joint Undertaking (EuroHPC JU) und die EU-Kommission haben diese Woche den Aufruf zur Interessenbekundung gestartet. Mitgliedstaaten und Industriekonsortien können nun Vorschläge einreichen, um einen der bis zu fünf geplanten Super-Standorte zu beherbergen. Diese sollen die fortschrittlichsten KI-Modelle der Welt trainieren können.

Ein Quantensprung für Europas Rechenkraft

Bisher verfügt Europa über ein Netzwerk von „KI-Fabriken“, die um bestehende Supercomputer aufgebaut sind. Die neuen Gigafactories markieren jedoch einen gewaltigen Sprung in der Leistungsklasse. Jede Anlage soll laut technischer Spezifikation über 100.000 moderne KI-Beschleuniger (GPUs) integrieren und in hochautomatisierten, energieeffizienten Rechenzentren laufen.

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Ziel ist es, europäischen Start-ups, Mittelständlern und Forschern das nötige „Rechenkapital“ für eigene, souveräne KI-Entwicklungen bereitzustellen. Damit soll die Abhängigkeit von US- oder chinesischen Tech-Giganten verringert werden. Analysten sehen in diesen Fabriken die „schwere Artillerie“ des europäischen Digitalarsenals.

Finanzierung: 20 Milliarden Euro und ein Public-Private-Modell

Die Standortsuche folgt auf eine grundlegende Finanzierungsvereinbarung zwischen der EU-Kommission und der Europäischen Investitionsbank (EIB) im Dezember 2025. Das Projekt ist ein Kernstück der breiteren InvestAI-Initiative mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro.

Die Finanzierung der Gigafactories folgt einem „Blended Finance“-Modell:
* Rund 17 Prozent der Mittel kommen aus EU-Programmen wie „Digitales Europa“ und „Horizont Europa“.
* Die Gastgeberländer sollen diesen Betrag in gleicher Höhe (ca. 17 Prozent) beisteuern.
* Den Großteil (etwa 66 Prozent) sollen Industriepartner und von der EIB unterstützte Kredite tragen.

Dieses Modell soll das enorme Kapitalrisiko für den Bau der Milliarden teuren Infrastruktur verringern.

Wer sind die heißesten Anwärter?

Nun beginnt das Rennen der Mitgliedstaaten und Telekommunikationskonzerne um die prestigeträchtigen Standorte. Bereits in der Vorbereitungsphase Ende 2025 gab es über 70 informelle Interessensbekundungen aus 16 Ländern.

Zu den Favoriten zählen Konsortien aus Frankreich, Deutschland und Italien, die sich besonders für digitale Souveränität starkmachen. Doch die strengen Vorgaben zu Energieeffizienz und Netzstabilität könnten auch nordische Staaten mit ihrem Überfluss an erneuerbaren Energien begünstigen.

Die Auswahlkriterien bewerten vor allem technische Reife, schnelle Umsetzbarkeit und die gesicherte Beschaffung Hunderttausender Chips – eine global knappe Ressource.

Europas „Moonshot“ für die KI-Souveränität

Der Start der Standortsuche gilt als Europas entschlossenster Schritt im globalen KI-Wettlauf. Bislang litten europäische Unternehmen unter einem gravierenden Mangel an Rechenleistung im Vergleich zu US-Hyperscalern wie Microsoft, Google und Amazon.

„Die Gigafactories sind nicht nur Hardware. Es geht darum, die KI-Wertschöpfungskette in Europa zu halten“, kommentieren Branchenbeobachter. „Ohne diese Infrastruktur bleibt Europa nur Kunde amerikanischer oder chinesischer Modelle.“

Die Herausforderungen sind enorm: Der Zeitplan ist ambitioniert, und die Lieferketten für Hochleistungs-Chips sind angespannt. Kritiker merken an, dass private US-Unternehmen bereits heute ähnlich große Rechencluster planen. Der Erfolg wird nicht nur vom Bau, sondern von der schnellen Inbetriebnahme und Zugänglichkeit für Entwickler abhängen.

Nächste Schritte: Schnelle Entscheidung, zügiger Bau

Der EuroHPC JU hat einen straffen Zeitplan vorgelegt. Die Vorschläge sollen zügig geprüft werden, mit dem Ziel, die ausgewählten Standorte noch 2026 bekanntzugeben.

Der Bau soll unmittelbar nach der Entscheidung beginnen. Die ersten Gigafactories könnten bereits Ende 2026 oder Anfang 2027 in Betrieb gehen. Bis dahin sollen die kleineren „KI-Fabriken“ ausgebaut werden, um die Lücke zu überbrücken. In den europäischen Hauptstädten wird nun mit intensiven Verhandlungen und Lobbying gerechnet – ein Gigafactory-Standort verspricht massive Investitionen und eine Schlüsselrolle in der digitalen Zukunft des Kontinents.

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