Russland-Sanktionen, Paket

EU schärft Russland-Sanktionen mit historischem Paket

11.02.2026 - 04:05:12

Die EU-Kommission schlägt ihr 20. Sanktionspaket vor, das erstmals Häfen in Georgien und Indonesien sowie ein umfassendes Verbot maritimer Dienstleistungen für russisches Öl vorsieht.

Die EU-Kommission legt ein historisch umfassendes Sanktionspaket gegen Russland vor. Erstmals sollen auch Hafenanlagen in Drittländern wie Georgien und Indonesien auf die Schwarze Liste. Das Ziel: Die letzten Schlupflöcher für Moskaus Kriegswirtschaft schließen.

Mit dem 20. Maßnahmenpaket will Brüssel den wirtschaftlichen Druck auf das Kreml-Regime vier Jahre nach dem vollen Angriffskrieg gegen Ukraine maximal erhöhen. Der Vorschlag, der am 6. Februar vorgestellt wurde, enthält einen neuartigen Importstopp für russische Pelze und zielt erstmals auf logistische Drehscheiben außerhalb Russlands ab. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, dass erhöhter Druck die einzige Sprache sei, die Moskau verstehe. Die Mitgliedstaaten sollen die Maßnahmen noch vor dem 24. Februar, dem Jahrestag der Invasion, verabschieden.

Drittländer im Fokus: Sanktionen gegen Umgehungs-Häfen

In einer beispiellosen Eskalation will die EU erstmals Einrichtungen außerhalb Russlands sanktionieren. Konkret sollen der Hafen Kulevi in Georgien und der Karimun-Hafen in Indonesien auf die Schwarze Liste. Nachrichtendienstliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass diese Häfen zentral für den Umschlag russischen Öls sind und so bestehende Restriktionen unterlaufen.

Die Sanktionen würden EU-Unternehmen und Bürgern jegliche Geschäfte mit diesen Häfen verbieten. Diese Maßnahme ist Teil einer breiteren Anti-Circumvention-Strategie, die die wachsende Frustration über die Wirksamkeit der bisherigen Sanktionen widerspiegelt. Indem sie Schlüsselknoten im globalen Logistiknetzwerk Russlands angreift, will die EU die „Schattenflotte“ und andere geheime Methoden zum Export des lukrativsten Rohstoffs stören. Der Vorschlag sieht auch neue Beschränkungen für den Verkauf sensibler Güter wie Metallbearbeitungsmaschinen in Länder wie Kirgisistan vor, die als Umleitungsstellen für Technologie in den russischen Militärindustriekomplex identifiziert wurden.

Anzeige

Passend zum Thema Sanktionen: Das 20. Maßnahmenpaket und die Sanktionierung von Drittstaaten‑Häfen schaffen erhebliche Export‑ und Logistikrisiken für europäische Unternehmen. Fehler bei Exportkontrollen, falscher Umgang mit Dual‑Use‑Gütern oder unzureichende Prüfung von Embargos können zu Bußgeldern, Lieferstopps und Reputationsschäden führen. Das kostenlose Praxis‑E‑Book „Exportkontrolle“ erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Sanktionslisten, Genehmigungspflichten und interne Abläufe sichern — inkl. Checklisten für Logistik‑ und Compliance‑Verantwortliche. Exportkontrolle-Leitfaden jetzt kostenfrei herunterladen

Neue Handelsbeschränkungen: Von Pelzen bis zu kritischen Metallen

Das 20. Paket führt eine erweiterte Liste von Import- und Exportverboten ein, um Russlands Staatshaushalt und Verteidigungssektor weiter auszubluten. Besonders auffällig: das vorgeschlagene Importverbot für russische Felle und Häute. Dieses Verbot fügt dem wirtschaftlichen Druck eine neue Dimension hinzu und ist Teil eines umfassenderen Sets von Handelsbeschränkungen für Waren im Wert von Hunderten Millionen Euro jährlich.

Die Liste der neu verbotenen Importe umfasst auch eine Reihe industrieller Rohmaterialien: Salz, Ammoniak, Silizium und verschiedene Metalle wie Nickelbarren, Eisenerze sowie raffiniertes und unraffiniertes Kupfer. Auch Aluminium- und andere Schrottmetalle werden ins Visier genommen. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, Russlands Einnahmequellen außerhalb des Energiesektors zu treffen und den Zugang zu Materialien zu beschränken, die seine industrielle Basis stützen könnten. Die Exportkontrollen für Dual-Use-Güter und Schlüsseltechnologien werden weiter verschärft.

Öl-Exporte ersticken: Komplettverbot für maritime Dienstleistungen

Ein zentraler Pfeiler der neuen Sanktionen ist der entschlossene Schritt, den Ölpreisdeckel der G7 durch ein umfassendes Verbot aller maritimen Dienstleistungen für den Transport von russischem Rohöl zu ersetzen. Dies stellt eine bedeutende Eskalation dar, da es Russland selbst mit seiner Schattenflotte extrem erschweren würde, Öl auf dem Seeweg zu exportieren. Europäische Unternehmen stellen den Großteil essenzieller maritimer Dienstleistungen wie Versicherungen, Charter und technische Unterstützung bereit.

Dieses umfassende Verbot soll die primäre Triebfeder der russischen Wirtschaft massiv beschneiden. Nach Angaben der EU-Kommission sind Russlands Steuereinnahmen aus Öl und Gas 2025 im Vergleich zum Vorjahr bereits um 24 Prozent gesunken – auf den niedrigsten Stand seit 2020. Indem die EU die Abwicklung des Ölhandels vollständig verbietet, hofft sie, diesen Rückgang zu beschleunigen und Moskaus Haushaltsdefizit zu vergrößern, um so dessen Kriegsführungsfähigkeit einzuschränken.

Strategischer Kurswechsel: Von neuen Verboten zur Lückenschließung

Das 20. Sanktionspaket signalisiert einen strategischen Wechsel: Statt neue sektorale Verbote zu verhängen, will die EU nun bestehende Maßnahmen aggressiv durchsetzen und die Schlupflöcher schließen, die Russland eine Anpassung ermöglicht haben. Die Sanktionierung von Häfen in Drittländern ist eine klare Botschaft, dass die EU auch außerhalb Russlands ansässige Einrichtungen für die Umgehung von Sanktionen zur Verantwortung ziehen wird.

Analysten betonen, dass der Erfolg dieser Maßnahmen von der einstimmigen Zustimmung der Mitgliedstaaten und einer rigorosen Durchsetzung abhängt. Die Fokussierung auf den Finanzsektor – einschließlich 20 weiterer regionaler russischer Banken und der Krypto-Branche – ist entscheidend, um alternative Zahlungskanäle zu unterbrechen. Die umfassende Natur des Pakets, das gleichzeitig Energie, Handel, Finanzen und Logistik trifft, soll für den Kreml eine sich verstärkende Wirtschaftskrise schaffen.

Nächste Schritte: Einstimmigkeit als Hürde vor dem 24. Februar

Der Vorschlag der Kommission tritt nun in eine kritische Verhandlungsphase unter den 27 Mitgliedstaaten ein. Für die Verabschiedung ist Einstimmigkeit erforderlich, in den kommenden Tagen werden intensive diplomatische Gespräche erwartet. Das Ziel bleibt die Annahme bis zum 24. Februar 2026. Dies wäre ein starkes politisches Signal der Einheit und Entschlossenheit zum vierten Jahrestag der Invasion.

Sollte das Paket angenommen werden, wird seine Wirkung genau beobachtet werden. Die Effektivität des Verbots maritimer Dienstleistungen und der Sanktionierung von Dritthandelshäfen werden Schlüsselindikatoren für den Erfolg sein. Beobachter erwarten, dass Russland versuchen wird, neue Routen und Umgehungsmethoden zu finden – was wahrscheinlich zu weiteren „Katz-und-Maus“-Durchsetzungsaktionen der EU führen wird. Dieses 20. Paket wird daher kaum das letzte sein, markiert aber eine neue, aggressivere Phase im Wirtschaftskrieg, um Russland zum Ende seines Krieges gegen die Ukraine zu zwingen.

Anzeige

PS: Wenn Häfen in Drittländern, Schattenflotten und Umgehungsrouten das Thema sind, ist eine lückenlose Sanktionslistenprüfung unerlässlich. Vermeiden Sie Vertrags- und Zahlungsstörungen durch fehlerhafte Partnerprüfungen: Der kostenlose Leitfaden zur Sanktionslistenprüfung zeigt, welche Listen Sie prüfen müssen, wie Sie Prüfprozesse dokumentieren und wann Meldepflichten greifen. Praktische Tipps für Exportverantwortliche und Compliance-Teams. Jetzt Sanktionslisten‑Check herunterladen

@ boerse-global.de