EU plant schärfstes Sanktionspaket gegen russische Energieexporte
09.02.2026 - 19:04:12Die Europäische Union bereitet ihr bisher schärfstes Sanktionspaket gegen Russland vor. Kernstück ist ein beispielloses Verbot für maritime Dienstleistungen, das den russischen Ölhandel über See massiv treffen soll. Die Verhandlungen zwischen den 27 Mitgliedstaaten laufen auf Hochtouren, um bis zum 24. Februar – dem vierten Jahrestag des Kriegsbeginns – eine Einigung zu erzielen.
Totalverbot für westliche Tankerdienstleistungen
Das Herzstück des geplanten 20. Sanktionspakets ist radikal: Die EU will sämtliche maritimen Dienstleistungen für Tanker verbieten, die russisches Rohöl transportieren. Das betrifft Versicherungen, Finanzierungen, Schiffsvercharterung, technische Wartung und den Zugang zu Häfen. Diese Maßnahme geht weit über die bisherige G7-Preisobergrenze hinaus, deren Wirksamkeit zuletzt nachließ.
Die Wirkung könnte enorm sein. Mehr als ein Drittel der russischen Ölexporte wird über westliche Tanker abgewickelt, viele davon unter der Flagge von EU-Mitgliedern wie Griechenland, Zypern und Malta. Ein Verbot würde Moskau zwingen, auf eine teurere und weniger effiziente „Schattenflotte“ auszuweichen. Zusätzlich sollen 43 weitere Schiffe dieser Flotte sanktioniert werden. Auch der Flüssigerdgas-Sektor (LNG) ist im Visier, mit geplanten Wartungsverboten für russische Spezialtanker und Eisbrecher.
Kriegswirtschaft weiter austrocknen
Doch das Paket zielt auf mehr als nur Energie. Der Finanzsektor steht erneut im Fokus. Geplant sind Strafmaßnahmen gegen rund 20 weitere russische Regionalbanken. Ein neuer, aggressiverer Ansatz ist das Vorgehen gegen Banken in Drittländern, die Russland aktiv bei der Sanktionsumgehung helfen. Damit würde die EU erstmals direkt internationale Akteure ins Visier nehmen, die Moskaus Kriegswirtschaft stützen.
Unternehmen mit Export- oder Finanzkontakten stehen durch das neue Sanktionspaket vor deutlich höheren Compliance-Anforderungen. Viele riskieren, unabsichtlich mit sanktionierten Akteuren Geschäfte zu machen – mit empfindlichen Straf- und Haftungsfolgen. Ein kostenloser Praxis‑Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Geschäftspartner automatisiert gegen relevante Sanktionslisten prüfen, die Dokumentation lückenlos führen und Haftungsrisiken minimieren. Kostenlosen Leitfaden zur Sanktionslistenprüfung jetzt herunterladen
Um weitere Schlupflöcher zu schließen, soll auch der Handel mit Kryptowährungen stärker reguliert werden. Neue Einfuhrverbote für russische Metalle, Chemikalien und kritische Mineralien sind vorgesehen. Die größte Neuerung ist jedoch die geplante Aktivierung des sogenannten Anti-Umgehungsinstruments. Dieses würde es der EU erlauben, Exporte in Drittländer wie Kirgisistan zu beschränken, von denen ein hohes Risiko des Weiterverkaufs nach Russland ausgeht.
Strategische Wende in der Sanktionspolitik
Das Paket markiert eine klare strategische Weiterentwicklung. Lag der Fokus früherer Runden auf Listen und direkten Handelsverboten, geht es nun um die systematische Schließung von Schlupflöchern. Die Botschaft aus Brüssel ist eindeutig: Die langfristige Sicherheit Europas und die Unterstützung der Ukraine haben Vorrang vor kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen.
Die Verhandlungen in den kommenden zwei Wochen werden intensiv. Da Sanktionsbeschlüsse einstimmig gefasst werden müssen, gilt es, Bedenken von Ländern mit starker maritimer Wirtschaft auszuräumen. Der politische Wille, pünktlich zum Jahrestag ein starkes Signal zu senden, scheint jedoch groß. Gelingt die Einigung, würde der wirtschaftliche Druck auf den Kreml eine neue Stufe erreichen – mit Auswirkungen, die weit über die Grenzen Russlands hinausreichen.


