EU-Mercosur-Abkommen, Bauernprotesten

EU-Mercosur-Abkommen trotz Bauernprotesten auf der Zielgeraden

16.01.2026 - 20:02:12

Die EU-Mitgliedstaaten stimmten dem umstrittenen Handelsvertrag mit Südamerika zu, was zu massiven Protesten europäischer Landwirte führt. Die Ratifizierung durch das Parlament steht noch aus.

Das umstrittene EU-Mercosur-Handelsabkommen hat grünes Licht erhalten. Nach einer entscheidenden Abstimmung im Rat der EU-Mitgliedstaaten steht der Pakt kurz vor der offiziellen Unterzeichnung. Die Entscheidung vom 9. Januar löste sofort neue Protestwellen im europäischen Agrarsektor aus.

Traktoren blockieren Europas Verkehrsadern

Die Zustimmung im EU-Rat heizte die bereits wochenlang schwelenden Proteste weiter an. In Deutschland, Frankreich, Irland und Belgien blockierten Traktorenkonvois Autobahnen und wichtige Häfen wie Le Havre. Die Bauern fürchten unfairen Wettbewerb. Sie müssen sich an die weltweit höchsten EU-Standards halten, während das Abkommen die Tore für Agrarimporte aus Südamerika öffnet – aus Ländern mit deutlich niedrigeren Auflagen und Produktionskosten. Der europäische Dachverband COPA hat bereits zu einer Großdemonstration am 20. Januar in Straßburg aufgerufen.

Kernstreitpunkt: Tonnenweise Billig-Importe

Im Zentrum des Streits steht der Agrarteil des Vertrags. Bauernverbände wie der Deutsche Bauernverband (DBV) bezeichnen ihn als „inakzeptabel“. Konkret sieht das Abkommen große Zollkontingente für sensible Produkte vor:
* Bis zu 99.000 Tonnen Rindfleisch pro Jahr
* Bis zu 180.000 Tonnen Geflügel pro Jahr
* Bis zu 180.000 Tonnen Zucker pro Jahr

Diese Mengen dürfen zu reduzierten Zöllen oder sogar zollfrei in die EU eingeführt werden. „Das Abkommen geht einseitig zulasten der europäischen Bauern“, kritisiert DBV-Präsident Joachim Rukwied. Viele fürchten um die Existenz ihrer Betriebe.

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EU-Länder tief gespalten

Die Abstimmung offenbarte eine tiefe Kluft innerhalb der EU. Exportorientierte Nationen wie Deutschland feiern den Pakt als Meilenstein für Handel und Wachstum. Sie erhoffen sich bessere Absatzchancen für Autos und Maschinen. Länder mit starker Landwirtschaft wie Frankreich, Irland und Österreich stimmten dagegen. Die EU-Kommission betont die geostrategische Bedeutung: Es entstünde die größte Freihandelszone der Welt mit über 700 Millionen Menschen.

Nächster Halt: Das Europäische Parlament

Die formelle Unterzeichnung durch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soll in den kommenden Tagen in Paraguay erfolgen. Doch der entscheidende Schritt steht noch aus: die Ratifizierung durch das Europäische Parlament im Frühjahr 2026. Dorthin verlagert sich nun der Fokus des Bauernprotests. Die Abgeordneten haben das letzte Wort – sie entscheiden, ob der Vertrag in dieser Form Wirklichkeit wird.

@ boerse-global.de