Klima-Regeln, Lkw

EU lockert Klima-Regeln für Lkw – Merz-Regierung siegt in Brüssel

18.02.2026 - 22:30:11 | boerse-global.de

Die EU-Mitgliedstaaten haben die CO2-Flottengrenzwerte für Lastwagen und Busse gelockert. Die Einigung bringt mehr Flexibilität für Hersteller und wird als Sieg für die deutsche Regierung gewertet.

Die EU-Staaten haben die CO2-Vorgaben für Lastwagen und Busse deutlich entschärft. Die Einigung gilt als großer Erfolg für die deutsche Industrie und Kanzler Friedrich Merz.

BRÜSSEL/BERLIN – Der europäische Schwerlastverkehr bekommt mehr Zeit für die Klimawende. Die EU-Mitgliedstaaten einigten sich am Mittwoch auf eine deutliche Lockerung der CO2-Flottengrenzwerte für Lkw und Busse. Die Entscheidung folgt den Vorschlägen des „Automotive Package“ der EU-Kommission vom Dezember 2025. Sie bedeutet einen strategischen Sieg für die deutsche Automobilindustrie und die Bundesregierung unter Friedrich Merz.

Flexiblere Wege zum 2030-Ziel

Im Kern ändert das Abkommen die Verordnung (EU) 2019/1242. Das langfristige Ziel der Klimaneutralität bis 2050 bleibt zwar bestehen. Für die strengen Zwischenziele bis 2030 erhalten die Hersteller jedoch neue Spielräume.

Ein zentrales Element ist ein großzügigeres „Credit Banking“-System. Hersteller können damit Gutschriften für emissionsfreie Fahrzeuge sammeln, die vor 2030 zugelassen werden. Diese Credits dürfen sie in späteren Berichtsperioden nutzen, um Emissionen auszugleichen. Bisher war dieser Übertrag stark begrenzt – die Industrie klagte über mangelnde Flexibilität in einem volatilen Markt.

Zudem wird die von Deutschland geforderte „Technologieneutralität“ gestärkt. Ein Teil der Flottenziele darf nun durch den Einsatz klimaneutraler Kraftstoffe wie E-Fuels oder fortschrittliche Biokraftstoffe erreicht werden. Bisher zählten ausschließlich die direkten Abgasemissionen. Diese Anpassung soll Dekarbonisierung und industrielle Wettbewerbsfähigkeit besser in Einklang bringen.

Merz feiert „Technologieoffenheit“ als Erfolg

Die Einigung ist ein außenpolitischer Coup für Kanzler Friedrich Merz. Seit seinem Amtsantritt Mitte 2025 hatte er sich für mehr „Technologieoffenheit“ und den Schutz der Industrie starkgemacht. Die deutsche Delegation in Brüssel argumentierte, der ursprüngliche Zeitplan für einen kompletten Umstieg auf Batterie- oder Wasserstoff-Lkw sei unrealistisch. Die Ladeinfrastrukturen seien schlichtweg noch nicht vorhanden.

Die Bundesregierung begrüßte den Beschluss als notwendige Korrektur. Sie betonte, die neuen Regeln verhinderten eine „Deindustrialisierung“ und sicherten Arbeitsplätze. Unternehmen wie Daimler Truck, MAN und Volvo könnten nun in einem nachhaltigen Tempo umstellen. Merz hatte zuvor starre Verbrenner-Verbote kritisiert und einen Technologiemix als einzigen realistischen Weg für den Schwerlastverkehr bezeichnet.

Industrie atmet auf – Milliardenstrafen abgewendet

Der europäische Automobilverband ACEA zeigte sich erleichtert. Der Rat habe die „komplexe Realität“ des Schwerlastmarktes anerkannt. ACEA-Präsident Ola Källenius hatte erst kürzlich gewarnt, die 2030-Ziele seien ohne einen massiven Infrastrukturausbau unerreichbar.

Für etablierte Lkw-Hersteller ist das neue Credit-System besonders vorteilhaft. Unternehmen, die früh in Elektro-Plattformen investiert haben, aber aufgrund mangelnder Infrastruktur auf langsame Kundennachfrage stoßen, können ihre frühen Erfolge nun „parken“. Damit entfällt die akute Gefahr milliardenschwerer Strafen für die Berichtsperiode 2030.

Die Hersteller gewinnen Planungssicherheit und können Investitionen freigeben. Sie dürfen weiterhin effiziente Diesel-Lkw für Langstrecken verkaufen, wo elektrische Alternativen noch nicht einsatzfähig sind – solange sie diese Verkäufe mit ausreichend Credits für emissionsfreie Fahrzeuge ausgleichen.

Umweltverbände warnen vor Rückschritt

Trotz des politischen Konsenses stößt die Lockerung auf scharfe Kritik von Umweltverbänden. Organisationen wie Transport & Environment (T&E) warnen, dass schwächere Zwischenziele die EU-Klimaziele für 2040 gefährden. Das Credit-Banking verzögere echte Emissionsminderungen und erlaube kurzfristig mehr CO2-Ausstoß.

Klimaexperten verweisen darauf, dass der Schwerlastverkehr für über ein Viertel der EU-Verkehrsemissionen verantwortlich ist. Die Anrechnung von E-Fuels öffne eine Hintertür, die den Verbrennungsmotor bis in die 2040er Jahre verlängere. Dies könne Investitionen in echte Null-Emissions-Technologien wie Batterie- und Brennstoffzellen-Lkw ablenken.

Die Einigung der Mitgliedstaaten muss nun formell vom Europäischen Parlament angenommen werden. Angesichts der aktuellen politischen Zusammensetzung nach den Wahlen 2024 und den Verschiebungen 2025 wird mit einer Zustimmung gerechnet – allerdings nicht ohne hitzige Debatten der grünen und linken Fraktionen.

Was die Lockerung für Speditionen bedeutet

Die überarbeitete Verordnung soll vor der Sommerpause 2026 in Kraft treten. Für Logistikunternehmen und Flottenbetreiber bedeutet das zunächst stabilere Fahrzeugpreise und eine größere Auswahl an Antriebstechnologien.

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Der Fokus verlagert sich nun auf die Umsetzung der „Alternativkraftstoff-Infrastruktur-Verordnung“ (AFIR). Sie bleibt der kritische Engpass. Industrie und Kommission sind sich einig: Ohne einen raschen Ausbau von Megawatt-Ladesäulen und Wasserstofftankstellen werden selbst die gelockerten Ziele eine enorme Herausforderung bleiben.

Die EU-Kommission wird die Wirksamkeit der neuen Flexibilitätsmaßnahmen 2027 überprüfen. Sollte die Dekarbonisierung zu stark vom Kurs abkommen, sind weitere Anpassungen möglich. Vorerst hat sich die EU jedoch für einen Kompromiss entschieden – und die industrielle Stabilität in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten priorisiert.

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