EU-Kommission, Zwangsmaßnahmen

EU-Kommission droht Meta mit Zwangsmaßnahmen wegen KI-Sperre

09.02.2026 - 12:24:12

Die EU-Wettbewerbshüter werfen Meta vor, mit der Blockade von Dritt-KIs auf WhatsApp den Markt zu verzerren und drohen mit sofortigen Zwangsmaßnahmen.

Die EU-Kommission hat Meta wegen mutmaßlicher Wettbewerbsverzerrung angeklagt. Grund ist die Sperre für fremde KI-Assistenten auf WhatsApp. Die Behörde droht mit sofortigen Zwangsmaßnahmen.

Wettbewerbshüter sehen Marktmissbrauch

Brüssel wirft dem Tech-Konzern vor, seine marktbeherrschende Stellung auszunutzen, um den eigenen „Meta AI“-Assistenten vor Konkurrenz zu schützen. Die am Montag vorgelegten Vorwürfe beziehen sich auf eine Richtlinienänderung vom 15. Januar 2026. Seither dürfen Drittanbieter, deren Hauptfunktion generative KI ist, die WhatsApp Business API nicht mehr nutzen.

Laut Kommission schließt diese Praxis Wettbewerber wie OpenAI’s ChatGPT, Microsofts Copilot und Perplexity systematisch von der riesigen WhatsApp-Nutzerbasis aus. Für Hunderte Millionen europäischer Nutzer bleibe so nur Metas eigener Dienst. Dies ersticke Innovation und beschneide die Verbraucherwahl im Wachstumsmarkt für KI-Chatdienste.

Anzeige

Viele Unternehmen und Entwickler unterschätzen die Folgen der EU-KI-Verordnung – Bußgelder und umfangreiche Dokumentationspflichten betreffen Hersteller und Betreiber von KI-Systemen unmittelbar. Unser kostenloses E-Book fasst die wichtigsten Pflichten des AI-Act kompakt zusammen, erklärt Risikoklassen, Kennzeichnungspflichten, erforderliche Nachweise und praktische Übergangsfristen. Mit Checklisten und Umsetzungs-Tipps sind Sie vorbereitet, wenn Regulierer genauer hinsehen. Jetzt kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur EU-KI-Verordnung herunterladen

Drohung mit seltenem Instrument: Sofortmaßnahmen

Besonders brisant: Die Kommission kündigte an, interimistische Maßnahmen zu erwägen. Dieses selten genutzte Instrument soll „ernsten und irreparablen Schaden“ für den Markt verhindern, während das Hauptverfahren läuft. Würden diese Maßnahmen verhängt, müsste Meta den Zugang für Konkurrenten sofort wiederherstellen – und könnte nicht auf das Ende eines möglicherweise Jahre dauernden Verfahrens warten.

Die Richtlinie unterscheidet zwischen „begleitenden“ KI-Tools, etwa von Fluglinien, und „Allzweck“-KI-Assistenten. Letzteren ist der Zugang nun verwehrt. Die Folge: Dienste von Microsoft und OpenAI, über die Nutzer direkt in WhatsApp mit KI chatten konnten, wurden abgeschaltet. Diese Dienste hatten zuvor Millionen aktive Nutzer.

Metas Verteidigung: Stabilität und Sicherheit

Meta weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Unternehmen betont, die Regeln dienten der Stabilität und Sicherheit der Plattform. Die Business-API sei nicht für den datenintensiven Verkehr von Allzweck-KI-Chatbots ausgelegt, der die Infrastruktur überlasten könne. Nutzer könnten Konkurrenzdienste weiterhin über eigene Apps oder Browser erreichen.

EU-Beamte kontern, WhatsApp sei in Europa ein unverzichtbarer „Zugangsdienst“. Der Ausschluss davon beeinträchtige die Wettbewerbsfähigkeit rivalisierender Anbieter erheblich.

Großkampf um die KI-Vorherrschaft

Das Verfahren unterstreicht, wie scharf Brüssel beobachtet, ob Tech-Giganten ihre Plattformmacht nutzen, um den jungen KI-Markt zu dominieren. Die Untersuchung läuft seit Dezember 2025 auf Basis von Artikel 102 des EU-Vertrags (Verbot des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung).

Auch auf nationaler Ebene wird ermittelt. Italiens Wettbewerbsbehörde warnte bereits vor einer Marktverzerrung durch Meta. Die zuständige Vizepräsidentin der Kommission, Teresa Ribera, hat klargemacht, dass „Gatekeeper“-Taktiken, die einen fairen KI-Wettbewerb verhindern, nicht geduldet werden.

Was kommt jetzt auf Meta zu?

Meta kann nun zu den Vorwürfen und den geplanten Sofortmaßnahmen Stellung nehmen. Das Unternehmen wird voraussichtlich eine Anhörung beantragen. Bestätigt die Kommission die Zwangsmaßnahmen, müsste Meta seine API für Rivalen binnen Wochen wieder öffnen.

Im Falle einer Verurteilung drohen dem Konzern Geldbußen von bis zu 10 Prozent seines weltweiten Jahresumsatzes. Die Entscheidung könnte zudem einen Präzedenzfall schaffen: Messengerdienste müsnen für Dritt-KIs neutral und interoperabel bleiben. Das würde die Verbreitung von KI auf Mobilgeräten grundlegend verändern.

Beobachter sehen in dem Fall ein Signal für künftige Regulierungen der KI-Integration auf anderen großen Plattformen wie iOS und Android. Die Branche wartet nun auf Metas offizielle Reaktion. Das Zeitfenster, um eine erzwungene Rücknahme der Sperre abzuwenden, schließt sich.

Anzeige

PS: Die Debatte um WhatsApp und Dritt-KIs zeigt, dass Messaging-Plattformen und ihre KI-Integrationen jetzt im Blick der Regulierer stehen. Wenn Sie als Anbieter, Entwickler oder Entscheider wissen wollen, welche Pflichten, Risikoklassen und Fristen jetzt gelten, hilft unser Gratis-Leitfaden weiter. Praxisnahe Anleitungen erklären, wie Sie KI-Systeme richtig klassifizieren, dokumentieren und rechtssicher in den Markt bringen. Gratis E-Book zur EU-KI-Verordnung downloaden

@ boerse-global.de