EU-Kommission, Cyberangriff

EU-Kommission: Cyberangriff legt fatale Passwort-Schwäche offen

13.02.2026 - 07:34:11

Ein Angriff auf die EU-Kommission zeigt, wie die Wiederverwendung von Passwörtern für private und berufliche Konten ein systemisches Sicherheitsrisiko darstellt. Experten fordern MFA und passwortlose Technologien.

Brüssel. Ein aktueller Cybervorfall bei der Europäischen Kommission offenbart eine gefährliche Schwachstelle in ganz Europa: die Wiederverwendung von Mitarbeiter-Passwörtern. Der Angriff auf das Mobile-Device-Management-System und die mögliche Kompromittierung von Mitarbeiterdaten zeigen, dass die eigentliche Gefahr oft erst nach der ersten Datenschleuse beginnt. Sicherheitsexperten warnen vor einer Kettenreaktion, die durch das fatale Recycling gleicher Passwörter in beruflichen und privaten Konten ausgelöst wird.

Angriff als Weckruf für ganz Europa

Die Kommission bestätigte einen Cyberangriff auf ihre MDM-Infrastruktur vom 30. Januar. Das Computer Emergency Response Team der EU-Institutionen (CERT-EU) identifizierte den Vorfall, bei dem Namen und Mobilfunknummern von Beschäftigten abgeflossen sein könnten. Die Behörde reagierte zwar innerhalb weniger Stunden. Doch schon die bloße Liste bestätigter Mitarbeiter einer solchen Institution ist für Angreifer wertvoll.

Warum? Diese Daten werden mit gestohlenen Zugangsdaten aus früheren Breaches bei anderen Diensten abgeglichen. Mit automatisierten Tools testen Kriminelle dann diese Kombinationen aus E-Mail und Passwort bei Unternehmens- und Cloud-Portalen – in der Hoffnung auf einen Treffer. Diese Credential-Stuffing-Attacken setzen genau auf die menschliche Gewohnheit des Passwort-Recyclings.

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Systemisches Risiko mit elffachem Hebel

Das Problem ist kein Einzelfall, sondern systemisch. Eine beunruhigende Studie von Vodafone Business zeigt das Ausmaß: Britische Arbeitgeber schätzen, dass ihre Mitarbeiter ein einziges Arbeits-Passwort im Schnitt für bis zu elf verschiedene private Konten nutzen.

Diese Praxis durchbricht die Sicherheitsperimeter jedes Unternehmens. Ein Leck bei einem privaten Social-Media- oder Shopping-Account kann so zum Generalschlüssel für sensible Unternehmensdaten werden. Laut Vodafone-Report ist diese Angewohnheit, gepaart mit der Anfälligkeit für Phishing, eine der größten Bedrohungen. Über die Hälfte der befragten Führungskräfte sieht ein gestiegenes Cyberrisiko – mit der Passwort-Wiederverwendung als Hauptursache.

NIS2 und GDPR: Der regulatorische Druck wächst

Der Vorfall bei einer führenden EU-Institution fällt in eine Zeit verschärfter regulatorischer Anforderungen. Richtlinien wie NIS2 verpflichten Organisationen kritischer Sektoren zu robusten Sicherheitsmaßnahmen, wobei Zugangskontrollen im Zentrum stehen. Schwache Authentifizierung ist nicht mehr hinnehmbar. Verstöße gegen den Schutz personenbezogener Daten können zudem hohe Geldbußen nach der Datenschutz-Grundverordnung (GDPR) nach sich ziehen.

Das Versagen traditioneller Passwörter treibt die Forderung nach moderneren Methoden voran. Sicherheitsframeworks setzen stark auf Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA). Dieser zweite Verteidigungsring stoppt den Großteil automatisierter Credential-Angriffe – selbst wenn das Passwort bekannt ist.

Die Zukunft heißt „passwordless“

Die langfristige Lösung zielt auf die Abschaffung des Passwort-Problems an der Wurzel. Die Zukunft liegt in passwortlosen Technologien wie Passkeys. Diese nutzen biometrische Daten wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung in Kombination mit kryptografischen Schlüsseln. Die Methode ist inhärent resistent gegen Phishing und eliminiert das Risiko der Wiederverwendung, da es kein Geheimnis gibt, das sich der Nutzer merken oder ein Angreifer stehlen könnte.

Der Vorfall bei der Kommission muss über die reine Incident-Response hinausweisen. Er ist ein deutliches Signal: Die Bekämpfung des menschlichen Faktors – der tief verwurzelten Gewohnheit des Passwort-Recyclings – ist essenziell. Eine Kultur der Sicherheitsawareness, gepaart mit der technischen Durchsetzung von MFA und der strategischen Einführung passwortloser Technologien, wird entscheidend sein für die Abwehr der nächsten Angriffswelle.

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