EU-Klimazoll, Lieferketten

EU-Klimazoll stellt globale Lieferketten vor neue Hürden

24.02.2026 - 22:11:41 | boerse-global.de

Der neue EU-Kohlenstoffgrenzausgleich verpflichtet Importeure zur Zahlung für CO?-Emissionen. Der Kauf der Zertifikate startet 2027, doch die komplexen Berichtspflichten gelten bereits.

Seit Jahresbeginn müssen Importeure für den CO?-Fußabdruck ihrer Waren zahlen. Die Umsetzung des neuen EU-Klimazolls bringt die globale Wirtschaft in Zugzwang.

Seit dem 1. Januar 2026 gilt die endgültige Phase des EU-Kohlenstoffgrenzausgleichs (CBAM). Damit hat die EU ein handelspolitisches Instrument geschaffen, das weltweit für Anpassungsdruck sorgt. Nur noch autorisierte „CBAM-Deklaranten“ dürfen bestimmte kohlenstoffintensive Güter wie Stahl, Aluminium, Zement oder Düngemittel in die Union einführen. Die finanzielle Haftung für die eingebetteten Emissionen läuft bereits – doch der Kauf der erforderlichen Zertifikate wurde bis 2027 verschoben. Diese Schonfrist ist bitter nötig, denn internationale Unternehmen kämpfen mit komplexen Berechnungen, neuen Genehmigungsverfahren und einer drohenden Ausweitung des Regelwerks.

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Zertifikatekauf erst 2027 – aber die Uhr tickt

Ein verbreiteter Irrtum betrifft den Zeitpunkt der finanziellen Belastung. Zwar müssen Importeure seit Januar für die Emissionen ihrer 2026 eingeführten Waren haften, doch der eigentliche Kauf der CBAM-Zertifikate steht noch aus. Laut EU-Kommission startet der Verkauf erst am 1. Februar 2027. Bis zum 30. September desselben Jahres müssen die Händler dann ihre erste Jahreserklärung einreichen und die Zertifikate für ihre 2026-Importe vorlegen.

Diese Verschiebung soll Unternehmen Zeit geben, ihre CO?-Buchhaltung anzupassen. Eine weitere Erleichterung: Die EU hat die laufende Quartals-Pflicht zur Vorhaltung von Zertifikaten ab 2027 von 80 auf 50 Prozent der Emissionen gesenkt. Das entlastet die Betriebsmittel der Importeure etwas. Doch die Kernaufgabe bleibt gewaltig: Sie müssen die tatsächlichen Emissionen ihrer Lieferanten ermitteln. Wer pauschal mit Standardwerten rechnet, wird ab 2027 mit progressiv steigenden Aufschlägen bestraft.

Milliarden-Plattform: Die digitale Schaltzentrale fehlt

Damit der milliardenschwere Zertifikatehandel überhaupt funktionieren kann, braucht die EU eine zentrale digitale Infrastruktur. Im Februar 2026 hat die Generaldirektion Steuern und Zollunion daher eine europaweite Ausschreibung für die „Common Central Platform“ gestartet. Bis zum 20. März können sich Bieter bewerben.

Die technischen Vorgaben sind ambitioniert: Eine betriebsbereite Testversion der Plattform muss bis zum 31. August 2026 vorliegen. Dieses System wird zur alleinigen Handelsbörse für den Verkauf, den Abgleich und den Rückkauf aller CBAM-Zertifikate in der EU. Handelsexperten warnen: Ohne eine robuste, sichere und zentrale Plattform drohen massive Engpässe an den EU-Grenzen. Die Menge der benötigten Zertifikate ist immens.

Drohende Ausweitung trifft Tech- und Maschinenbauindustrie

Die aktuellen Herausforderungen könnten nur der Anfang sein. Nach einer gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfung schlägt die Kommission vor, den CBAM auf etwa 180 weitere Produkte auszuweiten. Im Visier sind weiterverarbeitete Güter mit hohem Stahl- und Aluminiumanteil – etwa Industrieanlagen, Lastkraftwagen oder Bauteile.

Die globalen Auswirkungen werden immer deutlicher. Eine Analyse des Institute for Energy Economics and Financial Analysis vom Februar 2026 warnt vor schwerwiegenden Folgen für asiatische Technologie-Lieferketten. Sollte der CBAM später auch Halbleiter und Flüssigerdgas erfassen, könnten allein südkoreanische Tech-Exporte in den nächsten zehn Jahren mit Zusatzkosten in dreistelliger Millionenhöhe belastet werden. Solche Prognosen zeigen: Der Mechanismus hat das Potenzial, globale Handelsströme grundlegend zu verändern. Multinationale Konzerne stehen unter Druck, ihre Bezugsquellen zu überdenken und auf kohlenstoffärmere Zulieferer umzustellen, um im europäischen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

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Hohe Kosten durch steigende CO?-Preise

Die finanziellen Auswirkungen des CBAM sind eng mit der Entwicklung des EU-Emissionshandels (ETS) verknüpft. Parallel zum Start des Grenzausgleichs werden die kostenlosen Zertifikate für heimische Industrien schrittweise abgebaut – ein Prozess, der bis 2034 läuft. Dadurch wird die Knappheit an ETS-Berechtigungen steigen und den CO?-Preis in die Höhe treiben. Dieser Preis bildet direkt die Basis für die Kosten der CBAM-Zertifikate.

Für 2026 werden sich die Zertifikatspreise noch am vierteljährlichen Durchschnitt der ETS-Auktionspreise orientieren. Ab 2027 gilt dann der volatilere wöchentliche Durchschnitt. Trotz dieser hohen finanziellen Risiken und des offiziellen Starts herrscht unter internationalen Händlern oft noch Unwissenheit. Marktberichte zeigen: Einige Akteure mit erheblichem CBAM-Risiko haben die strengen Anforderungen an die Emissionsverifizierung noch nicht verstanden. Die Sammlung detaillierter Emissionsdaten (Scope 1, 2 und 3) von Lieferanten außerhalb der EU stellt viele globale Lieferketten vor eine kaum zu bewältigende Aufgabe.

Paradigmenwechsel im Welthandel

Die Einführung des CBAM markiert einen Paradigmenwechsel. Die EU externalisiert ihre Klimapolitik, indem sie die Kosten für CO? an die Zollgrenze verlagert. Internationale Produzenten werden so gezwungen, sauberere Technologien einzusetzen, um den Zugang zum lukrativen EU-Markt zu behalten. Die verschobene Einführung der Zertifikatekäufe bietet zwar eine vorübergehende Atempause. Die grundlegende Bürde, ein autorisierter Deklarant zu werden und eine nachvollziehbare Emissionsbilanz zu erstellen, bleibt jedoch enorm.

Der Mechanismus sorgt auch weiterhin für geopolitischen Zündstoff. Wichtige Handelspartner prüfen die Maßnahme auf ihre WTO-Konformität und argumentieren, die Berichtspflichten benachteiligten Entwicklungsländer übermäßig. Die EU-Politiker halten dagegen: Das System sei ein unverzichtbares Instrument, um Carbon Leakage zu verhindern und heimischen Industrien, die massiv in Dekarbonisierung investieren, faire Wettbewerbsbedingungen zu sichern.

Für die verbleibenden Monate des Jahres 2026 steht der intensive Aufbau der digitalen Infrastruktur im Fokus. Gleichzeitig müssen Importeure ihre Lieferketten auditieren und die genaue CO?-Intensität ihrer Waren ermitteln. Wenn im Februar 2027 das Verkaufsfenster für Zertifikate öffnet, werden die theoretischen Haftungen zu konkreten Betriebskosten. Unternehmen, die die aktuelle Schonfrist jetzt proaktiv nutzen, um ihre Lieferketten effizienter und transparenter zu machen, dürften sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil im europäischen Markt sichern.

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