EU-Klimazoll, Ausweitung

EU-Klimazoll: Ausweitung auf 180 neue Produkte und erster CO2-Preis

17.04.2026 - 12:21:59 | boerse-global.de

Die EU weitet den CO2-Grenzausgleich auf über 180 Fertigprodukte aus und setzt den ersten Zertifikatspreis auf 75,36 Euro fest. Exporteure stehen vor strengeren Berichtspflichten und höheren Kosten.

EU-Klimazoll: Ausweitung auf 180 neue Produkte und erster CO2-Preis - Foto: über boerse-global.de
EU-Klimazoll: Ausweitung auf 180 neue Produkte und erster CO2-Preis - Foto: über boerse-global.de

Die EU weitet ihren CO2-Grenzausgleich massiv aus und trifft damit die globale Industrie mit strengeren Regeln und höheren Kosten. Ein neuer Vorschlag sieht vor, den Mechanismus auf über 180 weitere Fertigprodukte auszudehnen – parallel wurde der erste offizielle Zertifikatspreis von 75,36 Euro pro Tonne CO2 festgelegt.

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Das Europäische Parlament arbeitet an einer drastischen Verschärfung des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM). Ein Entwurf des Umweltausschusses (ENVI) vom April 2026 zielt darauf ab, den Klimazoll von Rohstoffen wie Stahl und Aluminium auf die gesamte verarbeitende Wertschöpfungskette auszuweiten. Rund 180 neue Produkte, darunter Rohre, Befestigungselemente und Maschinenteile, sollen ab Januar 2028 erfasst werden.

Vom Rohstoff- zum Industriegüter-Zoll

Diese Ausweitung markiert eine strategische Wende. Bisher traf der CBAM vor allem Grundstoffe. Künftig soll er die eingebetteten Emissionen komplexer Fertigwaren erfassen. Ziel ist es, die Verlagerung CO2-intensiver Produktion in Länder mit lascheren Klimavorschriften – das sogenannte Carbon Leakage – zu verhindern.

Laut dem Global Trade Research Initiative (GTRI) verwandelt dies den CBAM von einer gezielten Rohstoffsteuer in einen umfassenden CO2-Zoll auf Industriegüter. Exporteure, besonders aus Schwellenländern wie Indien, müssten daher massiv in Dekarbonisierung und lückenlose Lieferketten-Nachverfolgung investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Entwurf sieht zudem vor, die Regeln für die CO2-Bilanz von Schrott zu verschärfen. Emissionen aus vorverbrauchtem Schrott sollen künftig in den Fußabdruck des Endprodukts einfließen – eine Schließung der von Regulierern kritisierten "Schrott-Lücke".

Erster offizieller Preis: 75,36 Euro pro Tonne

Parallel zur Ausweitung hat die EU-Kommission die erste konkrete Kostenmarke für die definitive Phase gesetzt. Der CBAM-Zertifikatspreis für das erste Quartal 2026 liegt bei 75,36 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent.

Dieser Preis basiert auf dem durchschnittlichen Auktionspreis für Emissionszertifikate (EUA) im EU-Emissionshandel (ETS). Für 2026 wird der Preis vierteljährlich bekanntgegeben, ab 2027 soll er wöchentlich angepasst werden, um Marktschwankungen besser abzubilden. Für Importeure bietet dies erstmals eine definitive Kosten basis. Sie müssen Zertifikate für das Quartal erwerben, in dem ihre Ware die EU erreicht. Erste Indikatoren deuten für Q2 2026 auf einen leichten Rückgang auf etwa 70,50 Euro hin.

Härtere Regeln: Keine Kompensation durch Klimazertifikate

Der Übergang in die definitive Phase bringt verschärfte Compliance-Anforderungen. Eine zentrale Änderung: Internationale Klimazertifikate aus freiwilligen Märkten werden nicht mehr anerkannt. Exporteure können ihre CBAM-Kosten nicht mehr damit kompensieren.

Stattdessen müssen ausländische Hersteller ihre Emissionen direkt an der Quelle senken oder unter einem von der EU anerkannten nationalen CO2-Preissystem operieren. Zudem verschärft die sogenannte 80/20-Regel die Berichtspflicht: Mindestens 80 Prozent der gemeldeten Emissionen müssen auf tatsächlichen Daten der Zulieferer basieren. Nur 20 Prozent dürfen auf EU-Standardwerte zurückgreifen.

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Diese Forderung nach detaillierten Primärdaten stellt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) außerhalb der EU vor enorme administrative Hürden. Vielen fehlen die Systeme, um die über 1.000 geforderten Datenpunkte zu erfassen.

Internationaler Widerstand und eigene Wege

Die Reaktionen wichtiger Handelspartner sind heftig. In Indien, wohin 27 Prozent der Eisen-, Stahl- und Aluminiumexporte in die EU gehen, wird der Mechanismus als diskriminierende Handelsbarriere kritisiert. Die Industrie warnt vor Zusatzkosten von 20 bis 35 Prozent auf kohlenstoffintensive Produkte.

Auch der chinesische Stahlverband brandmarkt die Ausweitung als neue Handelsbarriere und fordert Ausnahmeregelungen. Die EU hält dagegen: Der CBAM sei WTO-konform, da er auf Importe den gleichen CO2-Preis anwende wie auf europäische Inlandsproduktion.

Angesichts des Drucks erwägen einige Nationen nun eigene nationale CO2-Märkte oder "CBAM-ähnliche" Systeme. So sollen die Einnahmen aus CO2-Bepreisung im eigenen Land bleiben und nicht als Abgabe an die EU fließen.

Ausblick: Handel wird neu sortiert

Mit den ersten Berichtsfristen für 2026 rückt die Datenintegrität in den Fokus der EU-Kommission. Die Ära der "einfachen Compliance" über Pauschalwerte ist jedoch vorbei. Für Exporteure nach Europa wird die CO2-Intensität dauerhaft zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor – neben Preis und Qualität.

Die definitive CBAM-Phase wird voraussichtlich massive Handelsströme umlenken. Produkte mit niedrigerem CO2-Fußabdruck werden für den europäischen Markt priorisiert, während emissionsintensive Waren in Regionen ohne vergleichbare Grenzausgleichsmaßnahmen abfließen könnten.

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