EU-KI-Verordnung, Kommission

EU-KI-Verordnung: Kommission versäumt entscheidende Frist für Unternehmen

13.02.2026 - 00:53:12

Die EU-Kommission hat wichtige Klassifizierungsleitlinien für Hochrisiko-KI versäumt. Unternehmen bleiben unklar über ihre Pflichten, obwohl ab August 2026 strenge Regeln und hohe Strafen gelten.

Die EU-Kommission hat eine Schlüsselfrist für Klarheit zur KI-Verordnung verpasst – und setzt Unternehmen damit unter Druck. Nur noch sechs Monate bleiben, um sich auf die strengen Regeln für Hochrisiko-KI vorzubereiten.

Brüssel. Knapp ein halbes Jahr vor dem Start der weltweit ersten umfassenden KI-Regulierung herrscht bei europäischen Unternehmen weiterhin Verunsicherung. Die Europäische Kommission hat es versäumt, bis zum 2. Februar 2026 die entscheidenden Leitlinien zur Einstufung von Hochrisiko-Künstlicher Intelligenz zu veröffentlichen. Diese Klassifizierung ist der Dreh- und Angelpunkt für die Compliance mit dem EU AI Act, der ab dem 2. August 2026 vollständig in Kraft tritt. Ohne die Leitlinien fällt es Unternehmen schwer einzuschätzen, ob ihre KI-Systeme unter die strengsten Auflagen fallen.

Anzeige

Die Frist rückt näher — und viele Firmen wissen noch nicht, welche Pflichten konkret gelten. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden zur EU-KI-Verordnung erklärt kompakt Anforderungen, Risikoklassen und Dokumentationspflichten und liefert einen konkreten Fahrplan, welche Maßnahmen Sie jetzt sofort ergreifen sollten, um Bußgelder zu vermeiden. Jetzt kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur KI‑Verordnung herunterladen

Berichten zufolge arbeitet die Kommission noch an der Integration von Feedback und könnte Ende des Monats einen finalen Entwurf zur weiteren Prüfung vorlegen. Eine endgültige Annahme könnte sich bis März oder April verzögern. Diese Verzögerung kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Parallel laufen Diskussionen über das „Digital Omnibus“-Paket, das einige Fristen der KI-Verordnung auf Ende 2027 verschieben könnte.

Der Countdown läuft: Diese Fristen sind entscheidend

Die KI-Verordnung trat zwar bereits im August 2024 in Kraft, wird jedoch schrittweise umgesetzt. Wichtige Meilensteine sind bereits gesetzt:

  • Seit 2. Februar 2025 sind KI-Praktiken mit „unannehmbarem Risiko“ verboten, etwa Social Scoring durch Behörden.
  • Ab 2. August 2025 gelten Transparenzregeln für allgemeine KI-Modelle (GPAI).
  • Der 2. August 2026 ist der Tag X für die Wirtschaft: Dann werden die vollständigen Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme verbindlich.

Die Verordnung gilt für alle Unternehmen, die KI in der EU anbieten oder nutzen – unabhängig vom Firmensitz. Bei Verstößen drohen empfindliche Strafen von bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Was macht eine KI zum Hochrisiko-System?

Das Herzstück der Verordnung ist ihr risikobasiertes Modell. Als hochriskant gelten KI-Systeme, die entweder Sicherheitskomponenten eines Produkts sind oder in bestimmten Anwendungsbereichen eingesetzt werden. Diese sind in Anhang III aufgelistet und umfassen unter anderem KI in:

  • Kritischen Infrastrukturen
  • Bildung und Berufsausbildung
  • Personalauswahl und Mitarbeiterführung
  • Kreditwürdigkeitsprüfung
  • Strafverfolgung und Justiz
  • Biometrischer Identifikation

Anbieter solcher Systeme müssen vor dem Markteintritt anspruchsvolle Pflichten erfüllen: Risikobewertungssysteme einrichten, hohe Standards in der Datenqualität gewährleisten, technische Dokumentation führen, menschliche Aufsicht ermöglichen und für Cybersicherheit sorgen. Genau hier sollen die ausstehenden Leitlinien der Kommission mit praktischen Beispielen für Klarheit sorgen.

Unternehmen müssen jetzt handeln – auch ohne finale Leitlinien

Angesichts der nahenden Deadline raten Experten dringend dazu, die Compliance nicht auf die lange Bank zu schieben. KI-Governance sollte als strategische Notwendigkeit und nicht nur als regulatorische Hürde verstanden werden. Ein praktischer Fahrplan umfasst vier Schritte:

  1. Bestandsaufnahme und Klassifizierung: Alle KI-Systeme im Einsatz oder in Entwicklung erfassen und eine erste Risikobewertung vornehmen.
  2. Governance-Strukturen etablieren: KI-Risikomanagement in bestehende Strukturen für Datenschutz, Sicherheit und Recht integrieren.
  3. Daten-Governance und Dokumentation: Für potenzielle Hochrisiko-Systeme müssen Trainingsdatensätze dokumentiert und Governance zur Vermeidung von Bias aufgebaut werden.
  4. Transparenz vorbereiten: Ab August 2026 gelten umfangreiche Transparenzpflichten, etwa die Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten wie Deepfakes.

Ausblick: Mehr Leitlinien und anhaltende Unsicherheit

Trotz der aktuellen Verzögerung wird das neu eingerichtete KI-Büro der EU-Kommission 2026 eine Reihe weiterer Leitlinien veröffentlichen. Diese werden Themen wie Transparenzanforderungen, Verantwortlichkeiten in der KI-Wertschöpfungskette und das Zusammenspiel mit der DSGVO behandeln.

Die Debatte um den „Digital Omnibus“ und eine mögliche Verschiebung der Frist sorgt für zusätzliche Komplexität. Rechtsexperten raten Unternehmen dennoch eindringlich, vom aktuellen Stichtag im August 2026 auszugehen. Proaktives Handeln ist die einzige Strategie, um hohe Strafen zu vermeiden und den Zugang zum europäischen Markt im neuen KI-regulierten Umfeld zu sichern.

@ boerse-global.de

Hol dir den Wissensvorsprung der Profis. Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt in dein Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr.
Jetzt anmelden.