Zwangsmaßnahmen, WhatsApp-KI-Streit

EU droht Meta mit Zwangsmaßnahmen im WhatsApp-KI-Streit

09.02.2026 - 15:50:14

Die EU-Kartellbehörde wirft Meta vor, durch KI-Beschränkungen auf WhatsApp den Wettbewerb zu verzerren und prüft seltene einstweilige Maßnahmen.

Die EU-Kommission wirft Meta vor, mit seiner KI-Strategie auf WhatsApp den Wettbewerb zu verzerren. Sie droht mit seltenen Zwangsmaßnahmen noch vor Abschluss des Verfahrens.

Brüssel. Die EU-Kartellbehörden schalten im Streit um künstliche Intelligenz auf WhatsApp einen Gang hoch. Die Europäische Kommission teilte am Montag mit, sie halte es für wahrscheinlich, dass Meta mit seiner KI-Strategie gegen EU-Wettbewerbsregeln verstößt. Der Vorwurf: Der Konzern blockiere konkurrierende KI-Chatbots auf seiner dominierenden Messenger-Plattform. Als Konsequenz prüft die Behörde nun interimistische Maßnahmen – eine Art einstweilige Verfügung, um irreparablen Schaden für den aufstrebenden KI-Markt abzuwenden.

Kern des Konflikts: WhatsApp als geschlossenes Ökosystem

Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen Änderungen in den Geschäftsbedingungen für die WhatsApp Business API, die Meta im Oktober 2025 ankündigte. Diese traten am 15. Januar 2026 in Kraft und verbieten laut Kommission effektiv Drittanbietern den Betrieb allgemeiner KI-Assistenten auf der Plattform. Die Folge: Der hauseigene Meta AI ist der einzige tief integrierte Chatbot für die mehr als zwei Milliarden Nutzer des Dienstes.

Anzeige

Seit August 2024 gelten neue EU-Regeln für künstliche Intelligenz – und Unternehmen stehen vor umfangreichen Pflichten zu Kennzeichnung, Risikoklassen und Dokumentation. Wenn Brüssel bereits interimistische Maßnahmen gegen Plattformen wie WhatsApp prüft, ist schnelles Handeln gefragt. Das kostenlose E‑Book fasst die EU‑KI‑Verordnung kompakt zusammen, erklärt Pflichtenkataloge, Übergangsfristen und praxisnahe Schritte zur sicheren Umsetzung. Ideal für Entscheider, Entwickler und Anbieter, die jetzt rechtssicher reagieren wollen. Jetzt kostenlosen KI-Leitfaden herunterladen

Für die Wettbewerbshüter ist das ein klarer Fall von Machtmissbrauch. „WhatsApp hat sich zu einem kritischen Zugangstor für KI-Assistenten entwickelt“, so die Argumentation. Indem Meta Konkurrenten ausschließe, nutze es seine marktbeherrschende Stellung im Messaging, um seinem eigenen Produkt einen unfairen Vorteil zu verschaffen. Dies behindere Innovation und verhindere den Markteintritt von Wettbewerbern.

Sofortige Marktauswirkungen spürbar

Die Konsequenzen der neuen Richtlinie waren unmittelbar. Große KI-Anbieter wie OpenAI und Microsoft mussten ihre Dienste von WhatsApp zurückziehen. Allein OpenAI verlor dadurch Zugang zu über 50 Millionen Nutzern auf der Plattform. Meta verteidigt sein Vorgehen und verweist darauf, dass Nutzer KI-Tools auch über App-Stores oder Websites erreichen könnten. Die EU-Kommission hält dagegen: Der Zugang innerhalb des primären Kommunikationskanals sei ein einzigartiges und mächtiges Vertriebsmedium, das nicht monopolisiert werden dürfe.

Die Drohung mit Zwangsmaßnahmen ist eine deutliche Eskalation. Solche rechtlich bindenden Anordnungen noch während des laufenden Verfahrens sind äußerst selten. Sie signalisieren die Befürchtung der Behörde, der Markt könne sich ohne schnelles Eingreifen dauerhaft verzerren. Dies unterstreicht den Willen der Kommission, in schnelllebigen Technologiemärkten wie KI zeitnah handeln zu können.

Ein Präzedenzfall für die KI-Regulierung in Europa

Der Fall ist Teil einer breiteren europäischen Initiative, fairen Wettbewerb in digitalen Ökosystemen durchzusetzen – besonders, wo KI immer stärker in den Alltag integriert wird. Die Prinzipien ähneln denen des Digital Markets Act (DMA), auch wenn das Verfahren selbst unter klassischem Kartellrecht läuft.

Meta hat nun Gelegenheit, auf die Vorwürfe der Kommission zu antworten. Sollten Zwangsmaßnahmen verhängt werden, müsste der Konzern die Blockade rivalisierender Chatbots vorläufig aussetzen. Ein solcher Schritt würde wahrscheinlich vor Gericht angefochten werden und einen langwierigen Rechtsstreit einläuten.

Die Entscheidung wird wegweisend sein. Sie setzt einen Präzedenzfall dafür, wie marktbeherrschende Plattformen ihre eigenen KI-Dienste integrieren dürfen, und wird die Wettbewerbslandschaft für KI-Assistenten in Europa auf Jahre hinaus prägen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Brüssel die Tür zu WhatsApp für Wettbewerber gewaltsam öffnen wird.

Anzeige

PS: Die EU-KI-Verordnung ist in Kraft – viele Fristen laufen, und Plattformentscheidungen wie die aktuelle WhatsApp-Affäre zeigen, wie schnell sich Marktbedingungen ändern können. Dieses Gratis-E-Book bietet einen konkreten Umsetzungsleitfaden: Kennzeichnungspflichten, Risikobewertung und praktische Checklisten für Anbieter und Behörden. Ideal auch für Compliance- und Rechtsabteilungen, die sich auf mögliche Durchgriffsmaßnahmen vorbereiten müssen. Kostenloses E-Book zur KI-Verordnung sichern

@ boerse-global.de