EU-Digitalgesetz: TikTok und WhatsApp im Visier der Kommission
16.02.2026 - 20:18:12Die EU-Kommission geht mit ihrem neuen Digitalgesetz DSA entschlossen gegen Tech-Riesen vor. Erste Vorwürfe: TikTok soll mit süchtig machendem Design gegen die Regeln verstoßen. Zugleich wird WhatsApp als sehr große Plattform eingestuft – mit weitreichenden Pflichten. Eine neue Ära der Regulierung beginnt.
TikTok: Vorwurf des „suchterzeugenden Designs“
Die EU-Kommission hat am 6. Februar vorläufige Ergebnisse veröffentlicht, die TikTok schwer belasten. Demnach fördern Funktionen wie der endlose Bildlauf, Autoplay und hochgradig personalisierte Empfehlungssysteme zwanghaftes Nutzungsverhalten. Besonders Kinder und Jugendliche seien gefährdet.
Die Brüsseler Behörde wirft der Videoplattform vor, die Risiken für die psychische und physische Gesundheit nicht ausreichend bewertet und bekämpft zu haben. Selbst vorhandene Werkzeuge wie Bildschirmzeit-Limits seien nicht wirksam genug. TikTok kann sich nun zu den Vorwürfen äußern. Bestätigen sich die Befunde, drohen Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
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WhatsApp muss strenge Auflagen erfüllen
In einer weiteren bedeutenden Entscheidung hat die Kommission den Messenger-Dienst WhatsApp als „sehr große Online-Plattform“ eingestuft. Ausschlaggebend war die „Channels“-Funktion, mit der Einweg-Nachrichten an ein Massenpublikum gesendet werden können. Die Einstufung erfolgte, nachdem WhatsApp mehr als 45 Millionen monatliche Nutzer in der EU gemeldet hatte.
Bis Mitte Mai 2026 muss Mutterkonzern Meta den Dienst nun an die strengen DSA-Vorgaben anpassen. Dazu gehören umfassende Risikobewertungen – etwa zur Verbreitung illegaler Inhalte oder zur möglichen Manipulation von Wahlen – sowie konkrete Gegenmaßnahmen. Die Entscheidung zeigt: Die Kommission interpretiert den Plattform-Begriff sehr weit.
Gerichtsurteil und erste Millionenstrafe setzen Zeichen
Die Rechtslage für Digitalkonzerne hat sich zuletzt deutlich verschärft. Der Europäische Gerichtshof urteilte am 14. Februar, dass Unternehmen wie WhatsApp Entscheidungen des Europäischen Datenschutzausschusses direkt vor Gericht anfechten können. Das beschleunigt die Klärung grundlegender Rechtsfragen.
Bereits im Dezember 2025 verhängte die Kommission die erste große DSA-Geldstrafe: Platform X muss 120 Millionen Euro zahlen. Grund waren intransparente Werbepraktiken, ein irreführender Verifikations-Haken und unzureichender Datenzugang für Forscher. Die Botschaft ist klar: Brüssel ist bereit, seine hohen Strafbefugnisse konsequent einzusetzen.
Mehr Durchsetzung und Fokus auf Jugendschutz
Die jüngsten Schritte gegen TikTok und WhatsApp sind kein Zufall, sondern Teil einer gezielten Strategie. Die Phase der Gesetzgebung ist vorbei, jetzt folgt die praktische Umsetzung. Weitere Untersuchungen gegen andere große Plattformen werden erwartet.
Ein besonderer Fokus liegt künftig auf dem Schutz Minderjähriger. Das EU-Parlament fordert bereits ein Mindestalter von 16 Jahren für soziale Medien. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte Gespräche über eine EU-weite Altersbeschränkung für Sommer 2026 an. Für alle Plattformen bedeutet das: Die Ära lascher Kontrollen ist endgültig vorbei. Algorithmen, süchtig machende Features und Datensammlung stehen unter schärfster Beobachtung.
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