EU-Biometriesystem, EES

EU-Biometriesystem EES startet trotz Warnungen am 9. April

13.02.2026 - 13:52:12

Die EU-Kommission hält am Starttermin für das biometrische Entry/Exit-System fest, trotz Warnungen der Luftfahrtbranche vor massiven Wartezeiten an den Grenzen.

Die EU-Kommission hält am 9. April 2026 als Starttermin für das volle biometrische Entry/Exit System (EES) fest. Eine letzte Minute-Anfrage der Luftfahrtbranche nach einer Verschiebung lehnte Brüssel ab. Diese weist eindringlich auf drohende Vier-Stunden-Schlangen im Sommer hin.

Luftfahrt warnt vor „massiven Verzögerungen“

In einem gemeinsamen Schreiben an EU-Innenkommissar Magnus Brunner schlugen führende Verbände dieser Woche Alarm. Die ACI EUROPE, A4E und IATA forderten eine Verschiebung der verbindlichen Einführung auf Oktober 2026. Der seit Oktober 2025 laufende Testbetrieb habe bereits gravierende Mängel offenbart.

Demnach benötigt die Erfassung von Nicht-EU-Reisenden derzeit bis zu zwei Stunden. Im Sommer-Hochbetrieb könnten sich die Wartezeiten an den Grenzen ohne Verschiebung verdoppeln. „Es gibt eine völlige Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung in den EU-Institutionen und der Realität vor Ort“, kritisierte Olivier Jankovec von ACI EUROPE. Chronischer Personalmangel und technische Pannen seien die Hauptursachen.

Kommission bietet nur „Atempause“-Klausel

Trotz der dramatischen Appelle bleibt die Kommission hart. Der Übergangszeitraum ende planmäßig am 9. April, bestätigte Sprecher Markus Lammert. Ab dem 10. April ist das System an allen Außengrenzen des Schengen-Raums verbindlich.

Als Puffer verwies Lammert auf eine eingebaute Flexibilitätsklausel. Mitgliedstaaten mit überlasteten Grenzen dürfen die EES-Kontrollen vorübergehend für bis zu 90 Tage aussetzen. Diese „Atempause“ soll manuelle Passkontrollen in Stoßzeiten ermöglichen. Für Brüssel ist dies jedoch kein Aufschub, sondern ein geplanter Übergangsmechanismus.

Technische Pannen im Probebetrieb nähren Zweifel

Die Skepsis der Branche speist sich aus konkreten Vorfällen. Auf Gran Canaria führten technische Fehler im Dezember und Januar wiederholt zum Absturz der Grenztore. In Lissabon wurden die biometrischen Checks im Dezember 2025 nach großen Verzögerungen ganz ausgesetzt.

Portugal musste im Januar zusätzliche Grenzschutzbeamte für die Menschenführung abstellen. Die Branche fragt: Wenn das System schon bei Testlauf nicht robust funktioniert, wie soll es dann den Sommer-Ansturm bewältigen?

EES: Das Ende des Passstempels

Das EES markiert einen fundamentalen Wandel. Es ersetzt den manuellen Passstempel durch eine digitale Registrierung. Bei der Einreise in den Schengen-Raum werden künftig Gesichtsbild und Fingerabdrücke von Nicht-EU-Bürgern erfasst.

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Das System überwacht automatisch die Aufenthaltsdauer und setzt die 90-Tage-in-180-Tagen-Regel durch. Es ist die technische Voraussetzung für das geplante Reisegenehmigungssystem ETIAS, das Ende 2026 starten soll.

Countdown läuft – Druck auf Mitgliedstaaten wächst

Mit weniger als zwei Monaten bis zum Stichtag wächst der Druck auf nationale Regierungen und Reiseanbieter. Die Kommission hat einen formalen Aufschub vom Tisch gewischt. Die Frage ist nun, wie intensiv die Mitgliedstaaten von der Aussetzungs-Klausel Gebrauch machen werden.

Reisende aus Drittstaaten wie dem Vereinigten Königreich oder den USA müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die grundlegenden Personal- und Technikprobleme wohl bis weit in die zweite Jahreshälfte bestehen bleiben. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die nationalen Grenzbehörden den unbeugsamen Zeitplan der Kommission erfüllen können.

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