EU beschließt KI-Gigafactories für technologische Souveränität
19.01.2026 - 16:30:12Die Europäische Union schafft mit einer neuen Verordnung die Grundlage für eigene Hochleistungs-Rechenzentren, um im globalen KI-Wettlauf unabhängiger zu werden. Die sogenannten KI-Gigafactories sollen europäischen Unternehmen und Forschern Zugang zu Weltklasse-Rechenleistung bieten – und die Abhängigkeit von US-amerikanischer und chinesischer Technologie verringern.
Der Europäische Rat verabschiedete die entscheidende Änderung der EuroHPC-Verordnung bereits am 16. Januar. Sie tritt am morgigen Dienstag, dem 20. Januar 2026, in Kraft. Das Gemeinsame Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen (EuroHPC JU) erhält damit ein erweitertes Mandat. Künftig ist es nicht nur für Supercomputer zuständig, sondern auch für den Aufbau und Betrieb der neuen KI-Infrastruktur sowie für die Förderung von Quantentechnologien.
Die geplanten Einrichtungen sind keine Fabriken im herkömmlichen Sinne. Es handelt sich um hochmoderne, groß angelegte Rechen- und Datenzentren. Ihre Hauptaufgabe: die immense Rechenleistung bereitzustellen, die für das Training und den Betrieb modernster KI-Modelle benötigt wird. Dazu zählen auch generative KI-Systeme und Basismodelle.
„Durch die Zentralisierung dieser Kapazitäten wollen wir Innovationen beschleunigen“, heißt es aus EU-Kreisen. Gleichzeitig soll die Entwicklung von KI in Europa von Anfang an im Einklang mit europäischen Werten und dem strengen EU-KI-Gesetz (AI Act) stehen. Die Gigafactories werden Forschern, Start-ups, der Industrie und Behörden offenstehen und so ein dynamisches Ökosystem fördern.
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Europas Antwort auf den globalen Tech-Wettlauf
Die Initiative ist eine direkte Reaktion auf den massiven Investitionsvorsprung der USA und Chinas im KI-Bereich. Sie ist ein zentraler Baustein der europäischen Strategie für digitale Souveränität. Kann Europa mit dieser Infrastrukturoffensive den Anschluss halten?
Die Finanzierung soll über öffentlich-private Partnerschaften laufen. EU-Mittel werden mit Beiträgen der Mitgliedstaaten und der Privatwirtschaft kombiniert. Die Verordnung enthält explizite Schutzklauseln, um kleinen Unternehmen und Start-ups einen fairen Zugang zu den Ressourcen zu garantieren. Damit soll verhindert werden, dass nur Tech-Giganten von der neuen Infrastruktur profitieren.
Quantentechnologie als zweites Standbein
Neben der KI rückt auch ein weiteres Zukunftsfeld in den Fokus: Die Verordnung ermächtigt das EuroHPC JU erstmals, koordinierte Investitionen in Quantentechnologien zu unterstützen. Ziel ist der Aufbau eines souveränen europäischen Quanten-Ökosystems – von der Grundlagenforschung bis zur marktreifen Anwendung.
Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die konkrete Umsetzung. Das EuroHPC JU wird in den kommenden Wochen mit den Mitgliedstaaten die Details der erweiterten Aufgaben klären. Ein erster offizieller Aufruf zur Einrichtung der KI-Gigafactories ist für das erste Quartal 2026 geplant. Die Idee baut auf früheren Projekten wie den „KI-Fabriken“ von 2024 auf, stellt aber mit ihrem Fokus auf Rechenpower eine neue Qualitätsstufe dar.
Infrastruktur als Grundlage für Regulierung
Die Gigafactories sind das praktische Pendant zum regulatorischen Rahmen des AI Act. Während das KI-Gesetz die Regeln für sichere und ethische Anwendungen setzt, schafft die neue Verordnung die Infrastruktur, um diese Anwendungen überhaupt in Europa entwickeln zu können.
Nicodemos Damianou, stellvertretender Digitalminister Zyperns, nannte den Schritt „mutig und schnell“. Die Investition in eigene Infrastruktur sei wesentlich für die Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents. Mit dem jetzt geschaffenen Rechtsrahmen erwartet die EU-Kommission eine Welle konkreter Projekte und eine breite Beteiligung der Industrie in den kommenden Monaten.
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