ERGO und ver.di schließen wegweisenden KI-Transformationsvertrag
23.02.2026 - 13:26:51 | boerse-global.deDeutsche Arbeitswelt im Umbruch: Tarifverhandlungen fokussieren zunehmend auf langfristige Jobsicherheit und Qualifizierung statt nur auf Lohn. Ein bahnbrechender Vertrag bei ERGO zeigt, wie das gelingen kann.
Ein neuer Deal für das KI-Zeitalter: Der am 20. Februar 2026 unterzeichnete Transformationsvertrag zwischen der Gewerkschaft ver.di und dem Versicherer ERGO sichert rund 17.000 Beschäftigten bis Ende 2030 Kündigungsschutz aus betrieblichen Gründen zu. Dies gelang trotz geplanter Stellenreduzierung um etwa 1.000 Positionen durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Kundenbetreuung. Die Vereinbarung bewahrt zudem wichtige Verwaltungsstandorte in sieben deutschen Großstädten.
Vom Konflikt zur Kooperation: Ein neues Verhandlungsmuster
Die Einigung gilt als Musterbeispiel für modernes interessenbasiertes Verhandeln. Statt die KI-Integration pauschal zu blockieren, konzentrierte sich die Gewerkschaft auf die Kerninteressen der Belegschaft: Sicherheit und Anpassungsfähigkeit. „Der Vertrag soll den notwendigen sozialen Rahmen für den digitalen Wandel schaffen“, so ver.di. Im Gegenzug für den umfassenden Kündigungsschutz akzeptierte die Gewerkschaft den technologischen Umbau.
Was steckt hinter diesem Strategiewechsel? Die Verhandlungsalternativen – die sogenannte BATNA – haben sich durch KI grundlegend verschoben. Für Unternehmen wäre die Alternative ein innovationsfeindliches, blockierendes Personal. Für Beschäftigte wäre die Alternative der ungebremste Jobverlust durch Automatisierung. Diese veränderte Ausgangslage schuf eine neue Verhandlungszone, in der beide Seiten als Partner des Wandels agieren konnten.
EU-Gesetz stärkt Arbeitnehmer in Gehaltsgesprächen
Parallel verändert ein weiterer Faktor die Machtbalance: die EU-Transparenzrichtlinie. Bis Juni 2026 muss sie in deutsches Recht umgesetzt werden. Sie gibt Arbeitnehmern künftig das Recht, Auskunft über das Durchschnittsgehalt von Kollegen in vergleichbaren Positionen zu verlangen – aufgeschlüsselt nach Geschlecht.
Damit endet das Informationsmonopol der Personalabteilungen. Die BATNA des Einzelnen in Gehaltsverhandlungen wird gestärkt. Verweigert der Arbeitgeber eine gerechtfertigte Erhöhung, kann der Mitarbeiter nun Transparenz einfordern. Das könnte ungerechte Gehaltsstrukturen aufdecken und zu rechtlichen Konsequenzen führen. Personalverantwortliche werden bereits jetzt beraten, ihre Vergütungssysteme proaktiv zu überprüfen und objektive Kriterien zu etablieren.
Paradigmenwechsel: Vom Faustrecht zur Problemlösung
Die Entwicklungen bei ERGO und durch die EU-Richtlinie markieren einen Paradigmenwechsel in der deutschen Arbeitswelt. Alte Verhandlungstaktiken – übertriebene Forderungen, minimales Entgegenkommen oder Machtgehabe – verlieren an Wirkung. Erfolgreich ist, wer auf objektive Kriterien und gemeinsame Problemlösung setzt.
Experten betonen die wachsende Bedeutung von Empathie und strategischer Weitsicht. Der ERGO-Vertrag anerkennt die Ambivalenz des technologischen Wandels: Digitale Prozesse können Arbeitsplätze modernisieren, bergen aber auch Risiken wie höhere Arbeitsverdichtung und schnell veraltende Skills. Durch gezielte Qualifizierungsgarantien werden diese Risiken adressiert.
Branchenverhandlungen stehen bevor – ERGO als Blaupause
Die neue Taktik wird bald im großen Stil erprobt. Die Tarifverhandlungen für die gesamte deutsche Versicherungsbranche beginnen am 26. März 2026 in München. Die Gewerkschaften kündigten an, den ERGO-Vertrag als Blaupause zu nutzen. Sie fordern branchenweite Transformationsverträge mit strikten Beschäftigungssicherungen, Maßnahmen gegen Arbeitsverdichtung und ein verbrieftes Recht auf Weiterbildung.
Für Personalabteilungen bedeutet das: intensive Vorbereitung. Unternehmen müssen ihre eigene Verhandlungsalternative neu bewerten – vor dem Hintergrund einer Belegschaft, die sich der KI-Risiken und der neuen Transparenzrechte sehr bewusst ist. Erfolg in den Verhandlungen 2026 wird davon abhängen, ob Unternehmen umfassende Pakete schnüren können: mit Jobsicherheit, kontinuierlichem Lernen und fairen, durchsichtigen Gehaltsstrukturen.
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